ESCHEDE-PROZESS Beginn der Beweisaufnahme


Im Prozess um das Zugunglück von Eschede, bei dem vor vier Jahren 101 Menschen starben und 105 zum Teil schwer verletzt wurden, steigt das Gericht heute in die Beweisaufnahme ein.

Im Prozess um das Zugunglück von Eschede steigt die 1. Strafkammer des Landgerichts Lüneburg an diesem Donnerstag in die Beweisaufnahme ein. Als Zeugen sind mehrere Beamte des Bundesgrenzschutzes geladen, die zur Fahrt des Unglückszuges von München bis nach Eschede am 3. Juni 1998 aussagen sollen. Außerdem sind vier technische Sachverständige geladen.

Prozessauftakt mehr als vier Jahre danach

Der Prozess hatte am Mittwoch in Celle mehr als vier Jahre nach dem Unglück begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten fahrlässige Tötung in 101 und fahrlässige Körperverletzung in 105 Fällen vor. Die zwei Bahn-Ingenieure und der Techniker des Radherstellers sollen bei der Einführung des Radsystems im Jahr 1992 grobe Versäumnisse begangen haben. Sie sollen die Festigkeit der Radreifen nicht ausreichend geprüft haben, bevor sie deren Einsatz für die ICE-Züge bewilligten.

Anschuldigungen zurückgewiesen

Die Angeklagten selbst haben bislang lediglich ihre Personalien zu Protokoll gegeben. Weiter wollten sie sich zunächst nicht äußern. Ihre Anwälte wiesen die Anschuldigungen zurück und betonten, sie rechneten mit einem Freispruch für ihre Mandanten.

Unglück forderte 101 Opfer

Bei dem schwersten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik waren am 3. Juni 1998 101 Menschen getötet worden, 105 wurden zum Teil schwer verletzt. Insgesamt 37 der Hinterbliebenen und Überlebenden treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf.

Bruch des Radreifens löste Unglück aus

Der Bruch eines Radreifens mehrere Kilometer vor Eschede hatte das Unglück ausgelöst. Das Stahlteil verkeilte sich in einem Drehgestell, zerstörte zwei Weichen und ließ mehrere Waggons des Zuges schließlich entgleisen. Sie prallten bei Tempo 200 gegen die Rebberlaher Brücke in Eschede, die unter der Wucht des Aufpralls einstürzte.


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