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"Costa Concordia"-Unglück: Italienische Justiz beginnt mit der Beweisaufnahme

Geschädigte fordern Gerechtigkeit und Wahrheit: In Italien hat das Verfahren um die havarierte "Costa Concordia" mit der Beweisaufnahme begonnen. Wegen des großen Andrangs musste der Termin in einen Theatersaal stattfinden.

Sieben Wochen nach der Havarie der "Costa Concordia" vor der italienischen Insel Giglio sind die Ermittlungen in die nächste Phase eingetreten. Hunderte Anwälte, Passagiere, Ermittler und Sachverständige kamen am Samstag im toskanischen Grosseto zum Beweissicherungs-Verfahren zusammen. Sie begannen mit Verfahrensfragen, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa aus Grosseto berichtete.

Der unter Hausarrest stehende Kapitän Francesco Schettino erschien nicht. Sein Mandant hätte um seine Sicherheit bangen müssen, meinte sein Anwalt Bruno Leporatti. Ermittler werfen Schettino mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie, Verlassen seines Schiffes während der Evakuierung sowie mangelnde Kommunikation mit dem zuständigen Hafenamt in Livorno vor. Auch die übrigen acht Personen, gegen die ermittelt wird, waren nicht anwesend: Dabei handelt es sich um Offiziere des Schiffes und Vertreter der Costa-Reederei.

"Black Box" im Mittelpunkt

"Gerechtigkeit und Wahrheit" verlangten zahlreiche Geschädigte der Havarie. "Schettino ist ein Krimineller", meinte eine Passagierin der "Costa Concordia". Wegen des starken Andrangs war der nichtöffentliche Termin in einen Theatersaal gelegt worden. Im Mittelpunkt sollte zunächst die "black box" des gekenterten Kreuzfahrtschiffes stehen. Von dem Datenschreiber erhoffen sich die Ermittler weitere Aufschlüsse über den Unfallhergang und auch darüber, wer für die Havarie verantwortlich sein könnte.

"Dies ist jetzt nicht der Ort, um den Datenschreiber wie einen Kasten zu öffnen und dann zu hören, was an dem Abend der Havarie gesprochen wurde", hatte ein Ermittler vor allzu großen Erwartungen gewarnt. Vielmehr sollten bei dem Beweissicherungstermin die Fragen zu den registrierten Daten gestellt werden, die von Sachverständigen beantwortet werden müssen. Ihre Antworten werden nach Medienberichten allerdings erst in einigen Monaten erwartet. Die Beweissicherung ist eine Vorbereitung auf den Prozess, bis zu dessen Beginn deshalb noch einige Zeit vergehen dürfte.

Neue Vorwürfe gegen den Kapitän

Gegen Kapitän Schettino sind unterdessen neue Vorwürfe bekannt geworden: Er soll seine Mannschaft angewiesen haben, die Küstenwache über das Ausmaß des Unglücks zu belügen. Der erste Offizier Ciro Ambrosio habe dies ausgesagt, berichteten mehrere italienische Medien am Samstag unter Berufung auf Verhörprotokolle. "Kapitän Schettino hat uns befohlen, der Küstenwache zu sagen, dass alles unter Kontrolle sei", sagte Ambrosio laut der Tageszeitung "Corriere della Sera".

Die "Costa Concordia" war am Abend des 13. Januar zu nahe an die Toskanainsel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war kurz danach mit mehr als 4200 Passagieren und Crewmitgliedern gekentert. 25 Leichen wurden geborgen, 7 Menschen werden immer noch vermisst. Etwa drei Viertel des Treibstoffs der "Costa Concordia", überwiegend gefährliches Schweröl, sind inzwischen abgepumpt. Erst später soll entschieden werden, wie das 290 Meter lange Schiff beseitigt wird.

cjf/AFP/DPA / DPA