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Niedrige Quote: Geringes Interesse an ARD-Wahlarena: Gewinnen die EU-Gegner die Europawahl?

Liverpool gegen Barcelona war das spannendere Europa-Duell. Jedenfalls sahen das die TV-Zuschauer so. Und so erreichten die dringenden Appelle in der ARD-Wahlarena, an der Europawahl teilzunehmen, nur wenige. Ein Omen für die Wahlbeteiligung?

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"Wenn man nicht zur Wahl geht, dann kann es passieren." Frans Timmermans, niederländischer Spitzenkandidat der sozialdemokratischen SPE im Europawahl, forderte in der ARD-Wahlarena am Dienstagabend dringend dazu auf, am 26. Mai wählen zu gehen. Mit "es" meinte er, dass "die Extremisten" die EU "kaputt" machen könnten. Sein Kontrahent von der EVP, der Deutsche Manfred Weber, ergänzte: "Die Ränder - links wie rechts - sind mobilisiert. Jetzt muss die Mitte aufstehen." Doch allzu viele Wahlberechtigte haben diese Appelle nicht erreicht.

Nur 2,03 Millionen Zuschauer verfolgten im Ersten das Duell der Spitzenkandidaten für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten - bei 60 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland. Das entspricht einer Zuschauerquote von 6,9 Prozent; bei den jungen Zuschauern waren es sogar nur 4,9 Prozent. Selbst wenn man berücksichtigt, dass viele Fußballfans sicherlich das Champions-League-Spiel zwischen Liverpool und Barcelona verfolgt haben werden, eine eher mickrige Quote. Und das mitten in der Endphase des Wahlkampfes.

Europawahl diesmal eine Schicksalswahl

Sollte dieses geringe Interesse ein Vorgeschmack auf die Wahlbeteiligung beim Urnengang Ende Mai sein, dann drohen Europa enorme Probleme. Denn eine geringe Wahlbeteiligung gilt als Vorteil für populistische und nationalistische Kräfte, die für die europäische Idee nicht viel übrig haben. Schon jetzt scheint sicher, dass sie im nächsten EU-Parlament deutlich stärker vertreten sein werden als bisher. Hinzu kommt, dass mit Großbritannien ein Staat an der Wahl teilnimmt, der seinen Austritt aus der EU längst beschlossen hat.

"Es ist eine Schicksalswahl", sagte Timmermans während der Wahlarena. Und forderte jeden Europa- und Politik-Interessierten geradezu flehentlich auf: "Bitte, bitte, geht zur Wahl!" Der Niederländer erinnerte an das böse Erwachen nach der Brexit-Abstimmung und der Präsidentenwahl in den USA. Und er mahnte: Vor allem junge Leute hätten ihm gesagt, dass sie nie mit einem Ja zum Brexit oder einem Wahlsieg von Donald Trump gerechnet hätten, und deshalb nicht wählen gegangen seien. Dagegen habe der sozialdemokratische spanische Premierminister Pedro Sánchez im Wahlkampf gegen "die Faschisten", so Timmermans, mobilisiert und so zumindest einen Rechtsruck in Spanien verhindert.

Umfrage macht Hoffnung

Hoffnung, dass die Wahlbeteiligung dennoch nicht "gefährlich" niedrig sein wird, gibt es allerdings auch. Laut dem ARD-Deutschlandtrend vom 2. Mai geben 53 Prozent der Deutschen an, sich stark oder sogar sehr stark für die Europawahl zu interessieren. Vor fünf Jahren war dieser Wert mit damals 35 Prozent deutlich niedriger und blieb sogar in der Wahlwoche mit 48 Prozent unter dem jetzigen Wert.

dho