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Europawahl 2019: Mehr als Union, SPD und FDP zusammen – das deutliche Grünen-Ergebnis bei jungen Wählern

Die Grünen sind die großen Gewinner der Europawahl in Deutschland. Der Blick auf die Ergebnisse bei den jüngeren Wählergruppen prophezeiht ihnen zudem eine große Zukunft.

Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck (l. und r.), sowie die Europawahl-Spitzenkandidaten Sven Giegold und Ska Keller

Kommen bei jungen Leuten offenbar gut an: Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck (l. und r.), sowie die Europawahl-Spitzenkandidaten Sven Giegold und Ska Keller

Getty Images

Weil man als Volkspartei alle Altersgruppen des Volkes repräsentieren sollte, könne man SPD und Union eigentlich nicht mehr so nennen, resümiert ARD-Journalist Jörg Schönenborn am Sonntagabend nach den herben Verlusten für die Mitglieder der Großen Koalition. Dafür gibt es eine andere Partei, die sich neuerdings um diesen Titel bewirbt: Die Grünen sind die ganz großen Gewinner der Europawahl. Nach Hochrechnungen vom Abend legt die Partei um mehr als zehn Prozentpunkte zu, ist mit rund 21 Prozent erstmals zweitstärkste Kraft bei einer deutschlandweiten Wahl. Schaut man sich die einzelnen Wählergruppen an, wird zudem klar: Den Grünen steht eine große Zukunft bevor – zumindest so sie denn ihre starken Anteile bei den jungen Leuten halten respektive transportieren können.

Bei den 18- bis 24-Jährigen wählten laut ARD 34 Prozent die Grünen, bei den 25- bis 34-Jährigen 27 Prozent und danach bis hoch zu den 59-Jährigen noch immer jeder Vierte. Bemerkenswert dabei, wie sehr die Grünen junge Wähler mobilisieren konnten und vor allem, wie sehr die meisten anderen Parteien daran scheiterten. So kommen die Grünen nach Hochrechnungen mit rund 33 Prozent bei den unter 30-Jährigen auf mehr Stimmen als Union (13), SPD (10) und FDP (8) zusammen. Mehr als jeder dritte Erstwähler machte sein Kreuz bei den Grünen. 

Ein "Sunday for Future" feierte Spitzenkandidat Swen Giegold in Anlehnung an die "Fridays for Future", die Klima-Protestbewegung junger Menschen. "Das war eine Richtungswahl und die Menschen haben Richtung Klimaschutz und eines solidarischen Europa gewählt. Wir werden die Stimme der Klimabewegung von der Straße ins Parlament tragen", sagte Giegold.

Union und SPD bei jungen Leuten abgemeldet

Besonders eklatant ist der Unterschied der Grünen zu den beiden traditionellen Volksparteien. So kam die Union nach ersten Zahlen etwa bei den Unter-24-Jährigen lediglich auf elf Prozent. In der nächsten Gruppe bis 34 Jahre machten knapp 17 Prozent ihr Kreuz bei CDU/CSU. Wirklich starke Ergebnisse erzielte die Partei von Kanzlerin Angela Merkel lediglich bei den 60- bis 69-Jährigen (32 Prozent) sowie bei 70 Jahre und älter (46 Prozent). 

Noch schlechter sah es bei den jungen Wählern der SPD aus: In der jüngsten Altersklasse kommen sie lediglich auf acht Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen auf zehn Prozent und noch hoch bis 44 und 59 Jahre erreichen die Sozialdemokraten lediglich elf respektive 14 Prozent. 

CSU-Chef Markus Söder forderte direkt nach den Wahlergebnissen vom Sonntag ein strategisches Umdenken der Unionsparteien. "Die große Herausforderung der Zukunft ist die intensive Auseinandersetzung mit den Grünen", so Söder. "Alte Maßstäbe" würden nicht mehr gelten. Den früheren Hauptgegner SPD erwähnte Söder in seiner Stellungnahme nicht, dafür mahnte er: "Wir müssen als Union insgesamt daran arbeiten, wieder jünger, cooler, offener zu werden. Wir müssen mit den Themen und der Kommunikation so agieren, dass wir nicht von gestern wirken."  

Beste Ergebnisse bei der Europawahl: Die Grünen sind außer sich vor Freude