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Ex-Grünen-Politiker: Metzger ist jetzt ein Schwarzer

Oswald Metzger ist nun offiziell als Mitglied der CDU aufgenommen worden. Der Kreisvorstand im baden-württembergischen Biberach stimmte dem Antrag des Ex-Grünen zu - mit einigen Gegenstimmen. Im Bundestag sitzt Metzger deshalb noch lange nicht.

Von Peter Meuer

Vier Stunden tagte der Vorstand. Einige Gegenstimmen gab es. Und auch eine Diskussion. Aber: "Die Mehrheit des Vorstandes hat für den Beitritt Oswald Metzgers gestimmt." Mehr wollte der Biberacher Kreisverbandsvorsitzende Josef Rief nach Ende der Sitzung kurz vor Mitternacht nicht sagen. Einen Tag zuvor hatte Josef Rief noch gefragt: "Wie sollen wir mit der Sache umgehen?" Der Kreisvorstand bekam in den letzten Wochen mehr als hundert Briefe und E-Mails mit zum Teil deutlicher Ablehnung. Eine Christdemokratin schrieb, sie sei enttäuscht, würde die Partei einen "so sprunghaften Politiker" aufnehmen. Ein weiteres Parteimitglied monierte, der "Metzger macht nur Zirkus". Andere schrieben das Gegenteil - ein Politiker dieses Formates müsse aufgenommen werden. Josef Rief sagt: "Herr Metzger hat energische Befürworter, aber viele hatten auch Vorbehalte". Schon vor der Sitzung versuchte der Kreisvorstand deswegen, die Sache Metzger tiefer zu hängen: "Das ist einfach einer von 22 neuen Mitgliedsanträgen", sagte Rief.

Ganz so einfach war es dann doch nicht. Das liegt an Oswald Metzgers politischer Karriere. Er war von 1994 bis 2002 haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Bis zu seinem Austritt im November saß er für die Partei im baden-württembergischen Landtag, stritt sich auch regelmäßig im Parlament mit der CDU. Dass es kompliziert wurde, liegt aber auch an Metzgers medienwirksamer Inszenierung. Vor einem Monat verkündete er, in die CDU Biberach eintreten zu wollen - den Kreisvorstand hatte er zuvor nicht von seinen Plänen unterrichtet. Der selbstbewusste Bewerber setzte gleich noch eins drauf und erklärte seine Absicht, bei den Bundestagswahlen 2009 antreten zu wollen.

Schon hat das Fingerhakeln begonnen

Der 53-jährige Medienprofi Oswald Metzger ist in Oberschwaben aufgewachsen, er kennt Land und Leute. Aber das tun andere auch. Schon hat das Fingerhakeln begonnen. "Bei uns ist Politik bodenständig und verwurzelt", sagt Josef Rief. Mittlerweile hat der Kreisvorsitzende entschieden, sich selbst als Bundestagskandidaten vorzuschlagen. Josef Rief ist Landwirt. "Wenn ich in den Bundestag will, muss ich mir wohl bald ein Handy anschaffen", lacht er mit bayerischem Akzent.

Riefs Heimatdorf Kirchberg liegt im Osten des Landkreises, nahe der bayerischen Grenze. Neben Rief und Metzger treten noch vier weitere Kandidaten an, jeder will sich am 1. Juli von der Mitgliederversammlung der Biberacher CDU als Bundestagskandidat aufstellen lassen. In Biberach hat die CDU gewöhnlich Wahlergebnisse wie die CSU in Bayern. 50 Prozent, oder 60, wenn es gut läuft. Wen die Mitgliederversammlung zum Kandidaten kürt, der sitzt auch ziemlich sicher ein Jahr später im Bundestag.

"Nur weil Oswald Metzger jetzt Parteimitglied ist, wird er nicht automatisch auch Bundestagskandidat", stellt Funk Honor von der Biberacher Seniorenunion klar. Anton Schilling von der Ortsgruppe Warthausen betont, Oswald Metzger müsse nun "zeigen, dass er zu den Werten der CDU steht".

Vermintes Gelände also. Metzger verteidigt sich: "Wenn es mir nur um die Karriere gegangen wäre, hätte ich mein Landtagsmandat der CDU angeboten, statt es nieder zu legen." Schon vor der Vorstandssitzung sei er aber sicher gewesen, dass die Biberacher Christdemokraten seinem Mitgliedsantrag zustimmen. "Es gab Kritik, aber die CDU ist eine demokratische Partei, die nicht einfach so Beitrittsverbote ausspricht."

Metzger ist sprunghaft

Metzger selbst war gestern nicht in Bad Schussenried, als die Biberacher CDU in seinem Heimatstädtchen über sein weiteres politisches Schicksal entschied. Er saß in einem Fernsehstudio des Südwestrundfunks als Gast der Talk-Sendung "Quergefragt". Das Thema: "Kniefall vor den Rentnern - müssen die Jungen die Zeche zahlen?" Metzger nahm schon mal die neuen Parteigenossen ins Visier. "Rüttgers liegt falsch", sagte er mit Blick auf die Rentenpläne.

Wenn Metzger wirklich 2009 für die CDU als Bundestagskandidat antreten will, muss er sich vor allem um die Basis und deren Befindlichkeit kümmern. Denn es gibt Mitglieder wie jene langjährige Christdemokratin, die an den Vorstand schrieb, Metzger sei "sprunghaft." Sie schrieb auch, dass sie austreten will, wenn Metzger nun auch noch für den Bundestag kandidieren darf.

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