Bundestagswahl Metzger läuft wieder ins Messer


Eigentlich will er nichts überstürzen - trotzdem überlegt der ehemalige Grüne Oswald Metzger, ob er nicht einen zweiten Anlauf in Richtung Bundestag wagen soll. Noch wartet er auf deutliche Signale seitens der CDU. Doch seine politischen Gegner wetzen schon ihre Messer.
Von Hans Peter Schütz

Will Oswald Metzger oder will er nicht? Wer den Ex-Grünen und Neu-CDUler nach seiner Niederlage beim Kampf um die CDU-Bundestagskandidatur im Wahlkreis Biberach fragt, ob er denn nun sein politisches Glück im Wahlkreis Bodensee suchen will, bekommt ausweichende Antworten. "Ich überstürze nichts", sagt der Politiker Journalisten. Oder er räumt sich selbst Bedenkzeit ein, denn "ich stürze nicht von einem Abenteuer ins nächste." Außerdem sei er es ja nicht gewesen, der sich als CDU-Kandidat für den Wahlkreis Bodensee ins Gespräch gebracht habe. Aber er überlege es sich.

Aber ein klares Nein oder ein offenes Ja ist nicht zu hören. Die lokale Zeitung zitiert ihn mit dem Satz: "Auf Anhieb klingt es für mich nicht unsympathisch, für den Bodenseekreis anzutreten." Der liege schließlich in seiner Heimatregion, für die er so gerne Politik in der CDU machen würde. Dass es erst Tage her ist, als er noch sagte, außerhalb des Wahlkreises Biberach trete er nirgendwo an, ist nicht mehr zu hören. "Es müssen aber schon deutliche Signale von Seiten der CDU kommen", fordert er. Im Klartext heißt das: Wenn die CDU des Wahlkreises ihn laut genug ruft, tritt Metzger am 19. September an, wenn der Wahlkreis seinen Kandidaten kürt.

Ein Mann mit politischem Gewicht

Bisher gibt es zwei Bewerber für die Kandidatur. Eine Christine Kiefer, Vorstandmitglied der Kreis-CDU in Überlingen am Bodensee, und den Bürgermeister Lothar Riebsamen aus dem Flecken Herdwangen-Schönach. Der gewichtigste Gegner Metzgers ist jedoch der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff. Ein Mann mit politischem Gewicht. Er sitzt im CDU-Landesvorstand Baden-Württemberg und ist im Bundestag stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender. Vor allem jedoch: Schockenhoff ist Chef des CDU-Bezirksverbands Südwürttemberg-Hohenzollern. Der Wahlkreis Bodensee liegt damit in seinem Bereich. Er selbst hat den bisherigen Wahlkreis Ravenburg-Bodensee seit 1990 stets mit Wahlergebnissen um die 50 Prozent erobert, ehe dieser Wahlkreis für die Bundestagswahl 2009 in den Wahlkreis Bodensee und den Wahlkreis Ravensburg geteilt wurde.

Schockenhoff machte im Gespräch mit stern.de klar, dass er Metzger nicht als "Erbe" will. "Ich glaube, dass Oswald Metzger eine Bühne sucht, um sich selbst politisch zu inszenieren. Er hat aber überhaupt kein Interesse an der praktischen Umsetzung von Politik." Schockenhoff hält Metzger für zwar für einen beachtlichen Querdenker. Aber er sei bei den Grünen nicht bereit gewesen, Parteitagsmehrheiten zu akzeptieren. Auch in der CDU werde er sich nicht auf die Parteilinie verpflichten lassen. Schockenhoff will sich daher in der CDU zu Wort melden mit dem Votum: "Ich wünsche mir Metzger nicht als Kandidaten." Damit dürfte sicher sein, dass Metzger auch am Bodensee in die politischen Messer seiner Gegner in der CDU läuft.

Damit dürfte es für Metzger sehr schwer werden, hinreichend laut als Kandidat gerufen zu werden. Dass er sich das sehr wünscht, ließ er in Hintergrundgesprächen klar erkennen. "Ich will da rein", hat er da gesagt. Aber er hat dafür nicht die eindeutige Unterstützung des zuständigen CDU-Kreisvorsitzenden Markus Müller, der bislang mit dem Gedanken gespielt hatte, für den Bundestag zu kandidieren. Gegen ihn hätte kein anderer Bewerber eine Chance gehabt. Aber Müller hat jetzt aus familiären Gründen überraschend auf die Kandidatur verzichtet.


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