Kampf um Bundestags-Mandat Metzger geht am Bodensee baden


Auch beim zweiten Versuch hat es der Ex-Grüne Oswald Metzger nicht geschafft, ein Bundestagsmandat bei der CDU zu ergattern. Die Partei-Mitglieder in Überlingen am Bodensee machen es spannend, doch am Ende muss sich der prominente Parteiwechsler geschlagen geben.
Von Katharina Schönwitz, Überlingen

An Oswald Metzger kommt niemand vorbei. Strategisch günstig hat er sich bereits um 17:30 Uhr direkt vor dem einzigen Eingang postiert. "Sie hab ich noch net begrüßt. Metzger mein Name, guten Abend", begrüßt er jedes CDU-Mitglied mit Handschlag, das in den Kursaal von Überlingen möchte. Und es sind viele, die bei der Nominierung für das Bundestagsmandat des Wahlkreises 293 Bodensee dabei sein wollen. Von 1900 wahlberechtigten CDU-Mitgliedern sind fast 700 gekommen, sonst kommt zu solchen Veranstaltungen nur ein Bruchteil.

Es wird ein langer Abend werden. Jeder Kandidat darf zehn Minuten lang reden, danach darf das Publikum nochmals zehn Minuten Fragen stellen. Die Reihenfolge wird per Los entschieden, und spannender hätte es nicht kommen können: Oswald Metzger, wegen dem der Kursaal fast bis auf den letzten Platz besetzt ist, kommt als Letzter der zehn Kandidaten an die Reihe.

Indirekte Angriffe auf Metzger

Der erste Anwärter auf das Bundestagsmandat steckt allerdings noch im Stau auf der Autobahn; ein Doktorand der Volkswirtschaft aus Freiburg macht den Anfang. Wie alle Kandidaten, die noch nach ihm reden werden, verspricht er sich um den Ausbau der Bundesstraßen 30 und 31 zu kümmern und die Elektrifizierung der Bahnstrecke entlang des Bodensees voranzutreiben. Auch die indirekte Kritik an Metzger eint ihn mit den meisten anderen: "Dass Hartz-IV-Empfänger nur Alkohol und Kohlenhydrate in sich reinstopfen, so sollte man als christlicher Politiker nicht argumentieren."

Erst der dritte Kandidat ist ein ernstzunehmender Konkurrent für Oswald Metzger. Tobias Bringmann ist Pressesprecher der Landesgeschäftsstelle der CDU in Stuttgart und dem rechten Flügel der Partei zu zuordnen. "Ich stehe für Fleiß, Anstand und Solidarität." Der Schutz der Familie steht für den bekennenden Konservativen an erster Stelle, allerdings nur die klassische Variante. "Mann und Mann, das ist für mich keine Familie", erklärt der 38-Jährige und erntet dafür Zwischenapplaus aus dem Publikum.

Als siebter Kandidat betritt Lothar Riebsamen die Bühne. Er ist der gewichtigste Herausforderer Metzgers, denn er hat Heimvorteil. Während Oswald Metzger aus Bad Schussenried bei Ulm kommt, ist Lothar Riebsamen in der Bodenseeregion fest verwurzelt. Außerdem ist er seit 28 Jahren CDU-Mitglied, noch ein Vorteil gegenüber dem ehemaligen Anhänger der Grünen Metzger, der erst seit April dabei ist. Lothar Riebsamen beruft sich auf seine 18-jährige Erfahrung als Bürgermeister der kleinen Gemeinde Herdwangen-Schönach und verspricht, sich dem Schuldenabbau zu widmen, sollte er gewählt werden.

Um halb zehn ist endlich Oswald Metzger an der Reihe und lobt sich indirekt erst einmal selbst. "So viele wie heute Abend gekommen sind, da kann doch von Politikverdruss keine Rede mehr sein." Er wirkt souverän und routiniert, im Gegensatz zu den meisten anderen Kandidaten hält er seine Rede frei, ohne Spickzettel in der Hand. Auch Metzger fordert wieder einen Ausbau der Infrastruktur, betont jedoch, dass heute kein Landrat oder Bürgermeister gewählt werden soll. Es gehe um größere Zusammenhänge. "Wer mich wählt, kauft nicht die Katze im Sack", sagt er. Denn schließlich habe er schon acht Jahre lang im Bundestag gesessen und wisse, wie der Betrieb dort funktioniere und wie man sich Gehör verschaffe. "Und zu der Aufmerksamkeit heute Abend habe ich sicherlich auch beigetragen", sagt Metzger und blickt anschließend auf den oberen Rang des Kursaals, wo fast dreißig Journalisten sitzen. Während bei den anderen Kandidaten kaum Fragen im Anschluss gestellt werden, sind es bei Oswald Metzger gleich Dutzende. Immer wieder muss er sich wegen seiner Parteiwechsel rechtfertigen, doch es gelingt ihm gut. "Die Partei habe ich vielleicht gewechselt, aber meinen Prinzipien bin ich immer treu geblieben."

Einen Schnaps zur Beruhigung

Eine halbe Stunde später sind die 690 Stimmen ausgezählt. Oswald Metzer liegt mit 281 Stimmen vorne, es folgt Lothar Reibsamen mit 225 Stimmen, an dritter Stelle kommt Tobias Bringmann mit 91 Stimmen. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit hat, folgt ein zweiter Durchgang für die ersten Drei, die sieben anderen Kandidaten verzichten. Oswald Metzger wirkt nervös, er weiß, dass sich jetzt schon alles entscheiden könnte. Zur Beruhigung trinkt er an der Bar einen Schnaps, er wirkt angespannt und sucht die Nähe seiner Frau. Eine halbe Stunde später sind endlich die Stimmen ausgezählt. "Lothar Riebsamen 317 Stimmen, Oswald Metzger 307 Stimmen, Tobias Bringmann 65 Stimmen", verkündet der Wahlleiter.

Oswald Metzger runzelt die Stirn, zuckt mit den Schultern und atmet tief. Obwohl erneut kein Kandidat die absolute Mehrheit hat und noch eine Stichwahl folgen muss, weiß Oswald Metzger, dass er verloren hat. Die konservativen Anhänger von Tobias Bringmann werden Lothar Riebsamen die Stimmen geben. Zusammen mit seiner Frau flüchtet er kurz nach draußen, um einen Moment alleine zu sein - und um zu telefonieren. Um 23.30 Uhr ist auch der dritte Wahlgang ausgezählt. Lothar Riebsamen erhält 52 Prozent der Stimmen, Oswald Metzger 48 Prozent. Er schüttelt dem Gewinner die Hand und eilt schnell wieder zurück zu den Journalisten und deren Fragen. "Die Konservativen konnten sich heute gegen die Modernisierer in der Partei durchsetzten", erklärt er seine Niederlage, und versucht sich in Regionalismus: "Außerdem hat wohl der badische Teil des Wahlkreises die Leute besser mobilisiert als der schwäbische."

Jetzt werde er sich erst einmal seinem Buch widmen, mit dem er wegen des Wahlkampfs in Verzug geraten sei. Schließlich müsse er auch endlich mal wieder Geld verdienen. Ob er denn noch ein drittes Mal antreten werde, möchte eine Reporterin wissen. Metzger schmunzelt: "Man soll niemals nie sagen."


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