Familienpolitik Hundt will an Job-Rechte für Mütter ran


Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt fordert Einschnitte bei den Arbeitsrechten für Mütter. Vor allem die gesetzliche Jobgarantie gehe an der "betrieblichen Realität" vorbei. Bei der Union regt sich bereits Widerstand gegen den Vorschlag.

Vor der Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder zur rot-grünen Familienpolitik hat Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt eine Überprüfung der Leistungen in diesem Bereich gefordert. "Bisher führt unsere großzügige Familienförderung mit 150 Milliarden Euro weder zu mehr Geburten noch zu einer vernünftigen Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt. Hier müssen wir umsteuern", sagte Hundt. Dagegen sei die Einführung eines einjährigen Elterngeldes "eine interessante Idee".

Das Elterngeld soll anstelle des Erziehungsgelds für etwa ein Jahr nach der Geburt gezahlt werden und bei rund 60 Prozent des letzten Einkommens liegen. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt hatte dieses Modell ins Gespräch gebracht.

An der Realität vorbei

Hundt sagte, vor allem die gesetzliche Jobgarantie von drei Jahren für Mütter gehe an "der betrieblichen Realität" vorbei. "Ich meine, wir müssen über eine Verkürzung der Elternzeit und eine Konzentration der Transferleistungen diskutieren, um junge Eltern schnell wieder ins Arbeitsleben zu integrieren und die Motivation für mehr Kinder zu erhöhen", sagte Hundt.

Die Wirtschaft sieht der Arbeitgeberpräsident schon aus Eigeninteresse familienpolitisch in der Pflicht. "Familie steht für Kinder, für soziale Sicherheit und für eine wertorientierte Erziehung. Alle drei Aspekte sind für die Wirtschaft bedeutend. Zudem können wir es uns angesichts eines verschärften Fachkräftemangels nicht leisten, auf gut qualifizierte Frauen und Mütter zu verzichten."

Schmidt sagte, sie plane eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung von Familien. Das Wichtigste sei der Ausbau der Kinderbetreuung, danach werde es um familienfreundliche Arbeitsbedingungen gehen. Erst dann komme das Elterngeld als "I-Tüpfelchen", so die Ministerin. "Das steht am Ende der Debatte und nicht am Anfang."

Die Familienministerin hatte bereits am Vortag gesagt, dass sie wachsende Zustimmung zur Idee des Elterngelds sehe. Laut Schmidt befürworten fast 70 Prozent der Bürger ein Elterngeld. Anfang 2006 will die Ministerin ins Gesetzgebungsverfahren einsteigen. Die Dauer der Elternzeit von drei Jahren, in denen der Arbeitsplatz garantiert wird, will Schmidt nicht verkürzen.

Auch die Union lehnte die Forderung Hundts als kontraproduktiv ab. "Angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt mit 5,2 Millionen Arbeitslosen würden es sich junge Paare genau überlegen, ob sie sich ein Kind leisten können", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Böhmer. Der drohende Verlust des Arbeitsplatzes nach der Geburt würde sie eher davon abhalten, sich für ein Kind zu entscheiden.

DPA DPA

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