Fleischskandal Verbrauchergeiz ist Schuld


Der schäppchenjagende Verbraucher hat sich die Ekel-Situation selbst geschaffen. Das meinen zumindest Fleischereiverbände. Sie betonen, dass Qualität ihren Preis hat.

Neben der kriminellen Energie einzelner Betriebe hat nach Einschätzung nordbayerischer Fleischer auch die Schnäppchen-Mentalität mancher Verbraucher den Gammelfleischskandal ermöglicht. "Gute Qualität ist auch bei Fleischwaren eine Preisfrage", betonte das Vorstandsmitglied der nordbayerischen Fleischergenossenschaft Evenord, Hans Kittler. "Für Fleischskandale braucht es immer zwei: Diejenigen, die das Fleisch anbieten, und die, die es billig kaufen."

Preise sollten zu denken geben

So sollten Sonderangebote wie ein Kilo Schweinehackfleisch zum Preis von 1,99 Euro Verbraucher nachdenklich machen. "Schon der Kilopreis eines unzerlegten halben Schweins liegt bei 1,70 bis 1,80 Euro. Davon gehen noch 30 bis 40 Prozent für Knochen und Schwarte weg", machte Kittler deutlich. Ein Kilopreis von 1,99 Euro könne daher nicht realistisch und kostendeckend sein, wenn es sich um Qualitätsware handele, sagte er im Vorfeld der Fleischer-Messe Evenord 2006 in Nürnberg.

"Solange Verbraucher hier nicht umdenken, wird es immer wieder Fleischskandale geben." Gegenbeispiele seien die Länder Italien und Frankreich, wo der Verbraucher großen Wert auf Qualität lege und auch bereit sei, den angemessenen Preis dafür zu bezahlen. "Frankreich und Italien haben deshalb ganz andere Fleischpreise", betonte der Vertreter der Fleischerergenossenschaft, in der knapp 3000 bayerische Metzger zusammengeschlossen sind. Insgesamt profitierten die Metzger derzeit allerdings von dem Gammelfleischskandal. Viele Verbraucher würden sich wieder ihres Metzgers um die Ecke besinnen, der für garantiert frische Ware aus der jeweiligen Region stehe.

Konkurrenz macht Qualität unmöglich

Probleme sieht Kittler eher bei Catering-Unternehmen und Kantinen, die versuchten, ihren Kostendruck an die Fleischlieferanten weiterzugeben. "Bei Anfragen von manchen Catering-Betrieben können wir nicht mehr mithalten", berichtet der Experte aus seiner persönlichen Erfahrung. Auch Kantinenwirte und Gefängnisküchen böten oftmals Preise, zu denen keine gute Qualität erhältlich sei. Das dort verarbeitete Fleisch müsse nicht schlecht sei, sei aber nicht unbedingt schmackhaft.

Bei der Messe Evenord 2006 wollen mehr als 140 Zulieferunternehmen auf dem Nürnberger Messegelände am 23. und 24. September ihre Produkte vorstellen. Gezeigt würden neben Gewürzen zur Wurstzubereitung und modernen Maschinen zur Fleischerverarbeitung auch komplette Kühl- und Kesselanlagen. Auch Ladeneinrichtungen und Berufskleidung gehören zum Messeangebot. Die Veranstalter erwarten an den beiden Messetagen rund 6000 Fachbesucher.

DPA DPA

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