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Flüchtlinge in der Nachbarschaft: Theoretisch tolerant - aber wehe, sie ziehen wirklich ein

Flüchtlingsunterkünfte in der Nachbarschaft? Laut einer stern-Umfrage haben 66 Prozent nichts dagegen. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Hamburg. Dort klagen Anwohner gegen eine Unterkunft.

Das Ergebnis der stern-Umfrage ist deutlich: 66 Prozent der Deutschen sprechen sich für Flüchtlingsunterkünfte in der Nachbarschaft aus. Beteuern, dass sie sich nicht gestört fühlen, wenn Heime in der Nähe entstehen.

Doch was passiert mit dieser abgefragten Toleranz, wenn sie in die Tat umgesetzt werden soll? In Hamburg klagen derzeit Anwohner dagegen, dass in ihrer unmittelbaren Umgebung Flüchtlinge untergebracht werden. An der teuren und renommierten Adresse Sophienterrasse in Alsternähe wollen sie keine Störung durch Flüchtlinge dulden.

Sind das die 30 Prozent, die in der stern-Umfrage angaben, dass sie mit Flüchtlingsunterkünften ein Problem haben?

Eine Klage. Mehrere Anträge

Auch die Hamburger haben laut einer Umfrage des "Hamburger Abendblatts" theoretisch kein Problem mit Flüchtlingen in der Nachbarschaft. Von den mehr als 5000 Befragten antworteten 67 Prozent mit "Ja" auf die Frage "Sollten mehr Flüchtlinge in gut situierten Stadtteilen untergebracht werden?" Wird es jedoch ganz konkret, scheint die Ablehnung größer zu sein, denn nach Informationen des Hamburger Abendblatts wollen Alster-Anwohner nun klagen, weil sie zu viel Lärm durch Flüchtlinge befürchten. Sie wollen den Umbau des Kreiswehrersatzamts an der Sophienterrasse im Stadtteil Harvestehude zu einem Flüchtlingsheim verhindern.

Drei Nachbarn haben nun einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht gestellt, um den Einzug der 220 Flüchtlinge zu verhindern. Im Antrag, der dem "Abendblatt" vorliegt, wird befürchtet: "Insbesondere Kinder mit ihrem Bewegungsdrang werden zu einer erheblichen Unruhe führen." Weiter heißt es: "Da die Bewohner zum größten Teil ohne Beschäftigung sind, muss damit gerechnet werden, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Für beträchtliche Zeiträume werden sie sich außerhalb des Gebäudes und in der näheren Umgebung aufhalten." In den kommenden Wochen wird das Gericht über den Eilantrag entscheiden, das könnte auch einen Baustopp bedeuten.

Ein Einzelfall ist der Antrag offensichtlich nicht: Laut "Abendblatt" gibt es in Hamburg zwei weitere Eilanträge, die Unterkünfte in zwei weiteren Stadtteilen verhindern wollen. Aus der Hamburger Politik gab es Kritik am Verhalten der Bürger. "Es ist bedauerlich, dass einige den Ernst der Lage beim Thema Flüchtlingsunterbringung offenbar noch nicht erkannt haben", sagte die SPD-Vizefraktionschefin Ksenija Bekeris

mia