HOME

Kristin Rose-Möhring: Frauenbeauftragte will Nationalhymne entmännlichen

"Brüderlich mit Herz und Hand" heißt es in der deutschen Nationalhymne. Geht es nach der Gleichstellungsbeauftragten im Familienministerium, soll sich das bald ändern. Auch das Wort "Vaterland" steht zur Debatte.

Deutsche Nationalhymne

Müssen unsere Nationalspieler bei der Hymne künftig einen neuen Text singen? Das fordert zumindest die Gleichstellungsbeauftragte im Familienministerium.

Picture Alliance

Seit 1952 gilt die dritte Strophe aus Heinrich Hoffmann von Fallerslebens "Lied der Deutschen" als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. Die im Dritten Reich gesungene erste Strophe mit dem Text "Deutschland, Deutschland über alles" war nach der Katastrophe der NS-Zeit und dem Holocaust nicht mehr angemessen und wurde nach Kriegsende von den Alliierten verboten. 

Deswegen singt man bis heute bei feierlichen Anlässen und Sportveranstaltungen die dritte Strophe. Doch wenn es nach Kristin Rose-Möhring geht, soll der Text geändert werden. Die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium möchte den Text geschlechtsneutral gestalten. Der "Bild am Sonntag" liegt ein Brief Rose-Möhrings vor, in dem sie ihr Vorhaben ankündigt. "Warum gendern wir nicht unsere Nationalhymne, das Deutschlandlied", heißt es darin.

"Couragiert mit Herz und Hand"

Konkret geht es um zwei Passagen: Aus "brüderlich mit Herz und Hand" soll "couragiert mit Herz und Hand" werden. Statt "Vaterland" schlägt die 62-Jährige vor, künftig "Heimatland" zu singen. Dazu schreibt Rose-Möhring: "Täte gar nicht weh, oder?"

Sollte es dazu kommen, befände sich Deutschland in guter Gesellschaft: Auch das Nachbarland Österreich hat 2012 seine Bundeshymne angepasst. "Heimat bist du großer Söhne" wurde damals geändert in "Heimat großer Töchter und Söhne". Eine Maßnahme, die in der Alpenrepublik bis heute umstritten ist.

Auch Kanada ändert seine Hymne

Erst kürzlich votierte auch das kanadische Parlament für eine genderkonforme Änderung des Textes. In der Hymne Kanadas heißt es bislang "Erwecke Vaterlandsliebe in all deinen Söhnen". Daraus soll dem Beschluss zufolge "in uns allen" werden.

Ob Deutschland nachzieht? Bislang hat noch kein Spitzenpolitiker seine Unterstützung für den Vorschlag signalisiert. Insofern ist es derzeit unwahrscheinlich, dass diese Änderung am Text tatsächlich vorgenommen wird. Doch wenn die Politik ernst macht, dann gibt es schon mal eine mächtige Unterstützerin: "Bild am Sonntag"-Chefredakteurin Marion Horn bekundete in ihrem Kommentar Sympathie für die Idee und schrieb: "Dieses Land und sein Lied gehören den Frauen und den Männern."


che