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Freiburger Erklärung: Zollitsch ringt um mehr Rechte für Katholiken in zweiter Ehe

Im Ziel sind sie sich einig, der Weg ist umstritten. Deutschlands oberster katholischer Bischof trifft sich erstmals mit ungehorsamen Priestern seiner Diözese. Diese wollen weiter mobil machen.

Der Streit berührt den Kern des katholischen Glaubens: Katholiken, die geschieden sind und wieder geheiratet haben, sind von der Kommunion ausgeschlossen, sie können nach kirchlichem Recht nicht mit Vergebung rechnen. Eine Priesterinitiative in der zweitgrößten Diözese Deutschlands will dies ändern. Die umstrittene "Freiburger Erklärung" fordert die Kirchenverantwortlichen heraus. Und mit ihr Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er agiert nun als Krisenmanager. Und verspricht offenere Debatten.

Im Freiburger Priesterseminar - dort, wo Papst Benedikt XVI. vor neun Monaten während seines Deutschlandbesuches logierte - traf sich der Chef der Bischofskonferenz am Donnerstag erstmals mit Initiatoren der von knapp 200 Priestern und Diakonen getragenen "Freiburger Erklärung". Es ist das erste Mal in Deutschland, dass eine aus aktiven Priestern bestehende Initiative gemeinsam und derart öffentlichkeitswirksam zum Ungehorsam aufruft - und innerhalb kurzer Zeit so viele Unterstützer findet. Ein Fünftel der Priester und Diakone im Erzbistum Freiburg haben unterschrieben. Zollitsch ist gegen die Aktion, doch verhindern kann er sie nicht.

Forderung: Auch in zweiter Ehe Kirchenämter übernehmen

Die Unterzeichner fordern, dass wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden und bekennen, dass sie dies in ihren Gemeinden bereits praktizieren. Dies ist laut Kirchenrecht verboten, weil die Ehe nach katholischem Verständnis unauflöslich ist. Daher dürfen Wiederverheiratete auch keine kirchlichen Ämter - etwa im Pfarrgemeinderat - übernehmen. Die Priester wollen dies ändern.

In der Sache sind sich die Beteiligten näher als gedacht. Zollitsch nennt das Thema "die bedrängendste Frage kirchlichen Lebens und kirchlicher Glaubwürdigkeit". Doch konkrete Ergebnisse bringt das zwei Stunden dauernde default=true;Treffen, das hinter verschlossenen Türen stattfindet, nicht. Das kann auch niemand erwarten.

Über eine Änderung des weltweiten Kirchenrechts wird nicht in Freiburg entschieden, sondern allein in Rom. Doch in Freiburg, der zweitgrößten der 27 Diözesen in Deutschland, sucht die katholische Kirche nun anscheinend offensiv einen Weg, wie das Problem gelöst werden könnte. Und ist damit Vorreiter in Deutschland.

Gemeinsame Debatte mit Experten

"Es war gut, dass wir alle an einem Tisch saßen", sagt Pfarrer Bernhard Pfaff. "Wichtig ist uns: Wir agieren nicht gegen unseren Bischof", sagt der Freiburger Pfarrer Hansjörg Rasch. "Aber wir wollen ein Thema voranbringen, über das schon seit Jahrzehnten geschwiegen wird und das uns auf den Nägeln brennt." Die Unterschriftenaktion, die auf bundesweites Echo gestoßen ist, habe einen Anstoß gegeben. Sie soll deshalb fortgesetzt werden. Dem früheren Aufruf der Diözese, nicht zu unterschreiben oder die Unterschrift wieder zurückzuziehen, war kaum jemand gefolgt.

Das Gespräch habe in sachlicher und konstruktiver Atmosphäre stattgefunden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Zollitsch will das Thema aufnehmen. In seiner Diözese soll nun offener über das heiße Eisen gesprochen werden. Im Ziel seien sich die Beteiligten einig, erklärt der Erzbischof. Es müsse in der Seelsorge "in absehbarer Zeit" ein neuer Umgang der Kirche mit Gläubigen gefunden werden, die geschieden sind und in zweiter Ehe leben. "Dieser muss in Einklang mit dem Evangelium und dem Kirchenrecht stehen."

Angestrebt wird eine gemeinsame Debatte. In diese sollen erstmals auch Experten einbezogen werden. Im Herbst ist ein weiteres Treffen geplant. Und bei einer Diözesanversammlung im nächsten Frühjahr in Freiburg werde dann besprochen, wie die Forderungen künftig konkret umgesetzt werden können. Bis dahin werden die Priester und Diakone der Freiburger Diözese weiter Unterschriften sammeln.

Jürgen Ruf, DPA / DPA