HOME

Große Koalition: Für Müntefering ist Merkel zu schwach

Der Ton in der großen Koalition wird hart und nicht gerade herzlicher: Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering fragt sich, ob er dem Partner Union noch länger vertrauen kann. Auch Angela Merkel bleibt von seiner Kritik nicht verschont.

Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) hat einen Vertrauensschwund in der großen Koalition beklagt und übt Kritik am Führungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Ich will nicht bestreiten, dass die Zweifel wachsen, ob man sich auf alle Beteiligten in dieser Koalition verlassen kann", sagte Müntefering der "Frankfurter Rundschau". "Das muss besser werden."

Mit Blick auf die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Merkel sagte er: "Gerd Schröder war aus guten Gründen immer zuerst Kanzler, das Ganze im Blick. Auch als Parteivorsitzender war er immer zuerst Kanzler. Das ist jetzt in der großen Koalition anders. Oft gibt es zu viel Parteiprofilierung."

Das Bundeskabinett nahm er vom Vorwurf des Vertrauensverlustes aus. "Im Kabinett ist das Vertrauen unverändert da", sagte er. "Wenn es da Risse gäbe, wäre ein kritischer Punkt erreicht." Als Belastung empfinde er aber Versuche aus der CDU Nordrhein-Westfalens, "die Sozialdemokraten in eine unsoziale Ecke zu stellen". "Und ich sehe niemanden in der Spitze der Union, der das einfangen und verhindern würde", kritisierte der Vizekanzler. "Das verwundert mich schon."

Müntefering rief CDU und CSU zu mehr Disziplin auf. Eine Legislaturperiode sei kein Wahlkampf. "Deshalb erwarte ich auch vom Koalitionspartner parteipolitische Zurückhaltung. Da habe ich an einigen Stellen das Gefühl, dass nicht alle sich daran halten."

DPA / DPA