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Großer Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident: Nur 15 Prozent glauben an Wulff-Comeback

Das Ende ist nah. Mit einem Großen Zapfenstreich wird Ex-Bundespräsident Christian Wulff am Abend endgültig verabschiedet. An seine Rückkehr in die Politik glaubt nur eine Minderheit der Deutschen.

Für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gibt es nach Ansicht einer großen Mehrheit der Bevölkerung keinen Weg zurück in die Politik. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur DPA meinten 73 Prozent, für Wulff werde es keine Rückkehr in ein politisches Amt geben. Nur 15 Prozent halten ein Comeback für möglich.

Fast die Hälfte der Befragten (44 Prozent) sehen das Amt des Bundespräsidenten zudem durch die Wulff-Affäre dauerhaft beschädigt. 47 Prozent hingegen glauben nicht an einen bleibenden Schaden für das Amt.

Am heutigen Donnerstag wird Wulff mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Er war am 17. Februar zurückgetreten, weil die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn aufgenommen hat. Dabei geht es um den Verdacht der Vorteilsannahme.

Kabinett tritt nicht vollständig bei Zapfenstreich an

Überschattet wird die Feier im Garten des Schlosses Bellevue von massiver Kritik und zahlreichen Absagen. Laut einem Bericht der "Bild" gibt es mehr als 160 Entschuldigungen. Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle sagte ebenso ab wie sämtliche Bundestagsvizepräsidenten: Wolfgang Thierse (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Eduard Oswald (CSU). Auch das Kabinett erscheint nicht vollzählig, beispielsweise fehlen dem Bericht zufolge Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Oppositionsparteien bleiben komplett fern.

Ruf nach Direktwahl wird lauter

Unterdessen wird nach dem zweiten Rücktritt eines Bundespräsidenten binnen zwei Jahren wird der Ruf nach einer direkten Wahl immer lauter. Fast 80 Prozent der Deutschen wünschen sich eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk. Auf die Frage, ob das Staatsoberhaupt wie in Österreich direkt vom Volk gewählt werden soll, antworteten 47 Prozent, sie seien "voll und ganz dafür". "Eher dafür" sind noch einmal 31 Prozent, "eher dagegen" zwölf Prozent. "Voll und ganz dagegen" sind nur vier Prozent. Der Rest hat keine Meinung. Bisher wird der Präsident durch die Bundesversammlung bestimmt.

Wulffs voraussichtlicher Nachfolger Joachim Gauck kann seine Arbeit laut der Umfrage mit einem Vertrauensvorschuss starten: 41 Prozent sind der Meinung, Gauck werde ein guter Bundespräsident sein. 14 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Immerhin 40 Prozent antworteten mit "ich weiß nicht."

Besonders positiv beurteilen Gauck SPD-Wähler mit 61 und Grüne mit 58 Prozent. Bei den Unionswählern liegt die Zustimmung bei 44 Prozent.

kng/DPA / DPA
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