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Reportage

Hamburgs Senatschef Tschentscher: Peter Plan. Oder: der Arzt, der schnell Bürgermeister werden musste

Vor zwei Jahren war Peter Tschentscher plötzlich Erster Bürgermeister Hamburgs. Keiner kannte ihn. Nun ist er bei der Bürgerschaftswahl klarer Favorit. Wie hat er das hinbekommen? Protokoll einer Bürgermeisterwerdung.

Peter Tschentscher im großen Festsaal

Im Amt angekommen: Der Bürgermeister nach einer Einbürgerungfeier im großen Festsaal des Hamburger Rathauses

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An einem späten Februarvormittag taucht unerwartet Wolfgang Schmidt im Senatsgehege auf. Großes Hallo, Schultergeklopfe, am Abend zuvor hat St. Pauli gegen Union Berlin gewonnen, Grinsen. Schmidt umweht der Duft der weiten Welt und der Hauch vergangener Zeiten. Er ist ein Kumpel von Olaf Scholz und jetzt sein Staatssekretär im Berliner Finanzministerium. Einige Mitarbeiter denken versonnen zurück, als die beiden hier im Hamburger Rathaus noch das Sagen hatten. Anderen dagegen waren die Buddys immer etwas zu breitbeinig, zu leutselig, zu scholzig. Das fällt vor allem auf, seitdem ein anderer Mann aus der Scholz-Zeit Erster Bürgermeister ist: Peter Tschentscher.

Spitzenkandidaten zur Bürgerschaftswahl: TV-Duell: Hier streiten Tschentscher und Fegebank über Hamburgs Zukunft

Plötzlich Erster Bürgermeister

Er war nicht die erste Wahl damals, vor knapp zwei Jahren, doch zwei Kandidaten für die Scholz-Nachfolge sagten ab und plötzlich war er im Amt und wusste nicht so recht, wie das eigentlich geht: Erster Bürgermeister. Zumal in Hamburg, dieser Stadt mit der unendlich langen Liste an prominenten Stadtvätern.

Am 23. Februar wird gewählt und Tschentscher will bleiben. Natürlich. Seine Chancen stehen so schlecht nicht, denn es hat sich einiges getan seit dem März 2018, als auch die meisten Hamburger nicht so recht wussten, wer ins wichtigste Eckbüro der Stadt ziehen würde. Tschentscher war Finanzsenator, ein fleißiger Arbeiter im Garten des Herrn Scholz. Aber sonst? Er konnte unerkannt durch sein Heimatviertel Barmbek schlendern, "Peter wer?" war für ein paar Wochen eine beliebte Phrase. Mittlerweile würde er eine Direktwahl gegen Fegebank, grüne Koalitionspartnerin und Kontrahentin, locker gewinnen.

"Ich freue mich über den großen Zuspruch", sagt der Bürgermeister mit Genugtuung. Ihm wurde nachgesagt, er sei menschenscheu, ja geradezu autistisch. Aber mittlerweile ist eben auch klar, dass er genauso die Kunst des Sich-Festschnackens beherrscht. Wenn er muss.

Vor der Bürgerschaftswahl: Wahlplakate in Hamburg: Wie wirken sie auf die Wähler?

Am Nachmittag eines Februar-Dienstags steht ein Termin am Flughafen an. Nach der Vorfeldkontrolle geht es zu den neuen Kontrollspuren, danach zum Bus und zur Airport-Kantine. Ein Weg von nicht einmal zehn Minuten, und mehr als ausreichend Zeit, um in ein Gespräch mit einem Auszubildenden abzutauchen. Beide lehnen an einer Haltestange und schunkeln einträchtig im Rhythmus der Kurven, sie nicken fleißig, bejahen viel und oft ist das Wort Plan zu hören.

"Es ist wichtig, einen Plan zu haben", sagt Peter Tschentscher mahnend. Er benutzt das Wort häufig, es ist ihm wichtig, vor allem wenn er mit Reportern spricht. Ursprünglich war der Anlass für diesen Text eine kleine Spitze Tschentschers: Auf dem Senatsempfang zum 70. stern-Geburtstag behauptete er, Journalisten könnten das Tempo eines Spitzenpolitikers nicht mitgehen – eine Herausforderung, die wir natürlich sofort annehmen wollten. Das war im Spätsommer 2018.

Die Idee sah eine Art Ausdauerduell Erster Bürgermeister vs. Reporter vor. Leider fiel die erste gemeinsame Etappe, sein Antrittsbesuch in Brüssel wegen eines Flughafenstreiks aus. Letztlich wurde aus dem Wettbewerb eine Langzeitbeobachtung – das Protokoll einer Bürgermeisterwerdung.

Wenig Zeit zum Innehalten

Hamburgs Erster Bürgermeister sein, das bedeutet 14 und mehr Arbeitsstunden am Tag. Das ist der rathausfüllende Geruch von etwas zu kaltem Filterkaffee. Das ist eine Landesregierung mit eher schmaler Personalausstattung und Redenschreiben in einer Mercedes-C-Klasse. Das ist die Anwesenheit von Leibwächtern selbst beim Gang vom Büro hinunter zu den Senatskollegen und im Fall von Peter Tschentscher sind das ein, zwei nicht besonders üppige Snacks am Tag. Was den Vorteil hat, dass er mit seinen 54 Jahren noch problemlos in Slim-Fit-Anzüge passt.

Anders als bei seinen Kollegen aus den Flächenländern dauern Fahrten zwischen den Terminen keine anderthalb Stunden, sondern vielleicht mal 45 Minuten. Viel Zeit für innehalten ist da nicht, aber er kann einen Zwischenhalt zu Hause machen. Neues Hemd und ein paar Worte mit Frau Eva-Maria wechseln. Sie begleitet ihren Mann ohnehin häufig, manchmal rollt sie mit den Augen, wenn er sich mal wieder mit irgendwelchen Leuten festgeredet hat. Peter Tschentscher neigt zum Zuhören. Er sagt Sätze wie "Ja, fein, was haben wir denn hier?" und meint sie tatsächlich so, wie sie klingen.

Tschentscher, geboren in Bremen, aufgewachsen in Oldenburg, habilitiert in Hamburg, ist eigentlich Arzt, und viele Hamburger schätzen das Onkel-Doktor-hafte. Anders als andere Politiker seiner Kategorie ist er nicht der Typ Bescheidwisser. Bei einem Oktoberabend im herrschaftlichen Übersee-Club an der Alster beeindruckt er die Anwesenden mit Vertragsdetails über den frisch eingetüteten Erwerb des Fernwärmenetzes durch die Stadt. Einige Gäste sind unsicher, ob sie es wirklich so genau wissen wollten, obwohl die allermeisten Notare sind. Ein gutes Jahr später schafft es Tschentscher im Barmbeker Kulturzentrum "Zinnschmelze" in deutlich kürzer Zeit, deutlich mehr Botschaften unterzubringen.

Peter Tschentscher im Monitor eines Fernsehteams

Vor zwei Jahren haben die Medien noch gefragt, Peter wer?

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Er stehe stärker in der Öffentlichkeit, sei mehr nach außen gewandt, sagt er über seine vergangenen zwei Jahre Bürgermeistersein. Er würde Dinge nun klarer benennen, vor allem jetzt in Wahlkampfzeiten. Wobei es in Hamburg derzeit nicht allzu viel gibt, was man benennen müsste. Der Stadt geht es hervorragend, außer den überall üblichen Schmerzen wie Mieten, Verkehr und Klima, zwickt es im Hafen an der einen oder anderen Stelle, und die Leute bei Google und Facebook würden sich über einen Direktflug in die USA freuen. Aber sonst?

SPD-Slogan - weitsichtig oder arrogant?

"Die ganze Stadt im Blick" lautet der Wahlslogan der SPD. Er soll selbstbewusst und weitsichtig wirken, manche finden ihn arrogant und behäbig. Auf einigen Plakaten linst der Bürgermeister riesig über den Schriftzug hinweg und wirkt dabei wie Big Brother, der weiß, was man in der Nacht zuvor angestellt hat. In seinem Umfeld würde es womöglich auch niemanden überraschen, wenn er es tatsächlich wüsste. Denn obwohl sein höflicher Umgang im Rathaus geschätzt wird, fürchten die Mitarbeiter auch seine Pingeligkeit. Bei der Durchsicht der Korrespondenz fällt Tschentscher einmal eine falsche Schrift im Briefkopf auf und bittet um Korrektur. "Ich finde es wichtig, alles im Blick zu haben und, wenn nötig, die Dinge auch zu durchdringen und nicht zu delegieren", sagt er.

Aus der Ära Olaf Scholz ist ein Satz überliefert, der immer mehr nach Drohung klang als nach Angebot: "Ihr wollt Entscheidungen? Ihr kriegt Entscheidungen!", lautet der sinngemäß. Seinem Nachfolger wird nachgesagt, dass er zu wenig entscheide. Als er es einmal doch tat, nannte ihn die "Hamburger Morgenpost" prompt "Rambo-Tschentscher" und montierte seinen Kopf auf den muskelgestählten Körper des Kino-Kämpfers. Im vergangenen Sommer war das, damals gab es einen Streit mit dem grünen Koalitionspartner und der Bürgermeister pochte auf seine Richtlinienkompetenz. Als dagegen sein Büroleiter, ein CDU-Mitglied, jüngst die Forderung der Grünen nach einem Ende des Vermummungsverbots mit #grünistgewaltbereit kommentierte, hielt sich der Erste Bürgermeister vornehm zurück.

Ultrapragmatisch und ungnädig mit den Grünen

"Willkommen bei den Berufsgrünen", witzelt Thomas Schmale vom Fachverband Garten- und Landschaftsbau. Es ist Freitag, der 8. Februar 2019, und der Tag startet mit einem Termin in der Handelskammer. Schmale mahnt Entbürokratisierung an, wie eigentlich jeder Interessenvertreter, der Zugriff auf den Bürgermeister hat. Tschentscher versteht den Wunsch, sagt aber: "Beginnen sie mal, irgendwelche Vorgaben zu ändern, dann kommen sofort drei Leute an, die mahnen, warum genau das nicht sein darf." Sein Ultrapragmatismus ist vielleicht auch der Grund, warum er relativ ungnädig mit den Koalitions-Grünen umgeht. Die hätten zwar viele Ideen, aber an der Umsetzung hapere es dann. Außerdem: "Nur auf Radwegen kommen wir nicht ins 21. Jahrhundert."

Peter Tschentscher im Büro seiner Mitarbeiter

Achtung, pingeliger Chef: Der Bürgermeister im Büro eines seiner Mitarbeiter

Auf grüne Unterstützung brauchen Tschentscher und seine Partei also nicht zu hoffen, auch nicht auf Hilfe von oben. Die "Zinnschmelze" in Barmbek ist nur wenige Steinwürfe von seiner Wohnung entfernt, 60, 70 Interessierte sind an diesem Dezemberabend gekommen. Kurz zuvor haben sich die Sozialdemokraten in Berlin eine neue Parteispitze verpasst. Kein Wort verliert er darüber. Schlechte Schwingungen. Die Hansestadt ist eine der letzten Hoffnungen für die waidwunde Partei, in den Umfragen liegt sie bei 34 Prozent – bundesweit ein Spitzenwert. Doch als Retter der großen SPD sieht sich Tschentscher nicht. Der Frage, ob er sich schon auf den Blumenstrauß von Norbert Walter Borjans und Saskia Esken freut, weicht er so wortreich wie weitschweifig aus, dass es nicht viel Phantasie braucht, um sich vorzustellen, was er von den Top-Sozis hält. Penibel achtet der Bürgermeister darauf, dass sich das Duo schön aus dem Wahlkampf heraushält.

Ob Peter Tschentscher vor anderthalb, zwei Jahren die gleiche Widerborstigkeit gegen die eigene Parteispitze an den Tag gelegt hätte? Er ist vielleicht nicht lauter geworden, aber sein Auftreten auch nicht leiser. Er hat die Ochsentour durch die Hamburger Stadtteile absolviert, die Sozialdemokraten in den Umfragen wieder dorthin befördert, wo sie ihrem Selbstverständnis nach hingehören: an die Spitze. Von den 21 Nachkriegs-Bürgerschaftswahlen hat sie nur vier nicht gewonnen, das Hamburger Rathaus ist für Hamburger Spitzen-Sozis sozusagen das natürliche Habitat. Das färbt offenbar auch auf den Amtsträger ab. Breitbeinig kann er mittlerweile auch sein: Entsprechend stellt er sich gerne der Zweiten Bürgermeisterin Fegebank in den Weg – und mopst ihren Grünen ein Thema nach dem anderen. Erst Umwelt und Klima, zuletzt die Idee einer "autoarmen Innenstadt".

"Ich bin jetzt Bürgermeister"

Sein Büro im ersten Stock ist repräsentativ gelegen, aber karg eingerichtet. In der Ecke hinter einem leeren Regal steht ein winzig wirkender Schreibtisch an der Wand. Tschentscher nutzt ihn kaum. Ob er am Ende des Monats hier noch arbeiten wird, weiß er nicht. Einige Beobachter glauben, dass die Grünen so heiß auf das Amt seien, dass sie sich einen oder mehrere Koalitionspartner suchen werden, von denen keiner die SPD ist. Doch die FDP/CDU/AFD-Wahlpanne in Thüringen strahlt bis ins ferne Hamburg aus, mutmaßlich nicht zum Schaden des Labormediziners Peter Tschentscher. "Ich bin jetzt Bürgermeister, das war ursprünglich nicht geplant, aber ich bin es jetzt", sagt er. Und klingt robust wie sein Vorgänger Olaf Scholz.

18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus