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Elf Tote: Was wir über die Tat von Hanau sicher wissen – und was nicht

Hanau und das ganze Land sind geschockt – am Abend und in der Nacht starben in der hessischen Stadt elf Menschen, darunter auch der mutmaßliche Täter. Am Morgen danach ist noch vieles unklar. Der stern sortiert die Lage.

Mehrere Tote: Angriffe auf Shisha-Bars in Hanau – Mutmaßlicher Schütze ist tot

Nach Schüssen in Hanau sind elf Menschen tot, darunter auch der mutmaßliche Schütze. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot in der hessischen Stadt vor Ort und versucht, die Hintergründe der Tat aufzuklären.

Derweil schießen in den sozialen Netzwerken die Spekulationen ins Kraut – zum Täter, zu den Opfer, zum Motiv. Der stern mit einer Übersicht (Stand: 20. Februar, 13.30 Uhr): Welche Informationen sind gesichert? Welche müssen noch überprüft werden?

Elf Tote in Hanau – was ist sicher bekannt?

  • Gegen 22 Uhr fielen in der hessischen Stadt (15 Kilometer östlich von Frankfurt am Main) Schüsse an zwei Shisha-Bars: zunächst am Heumarkt im Stadtzentrum, wenig später rund zwei Kilometer entfernt im Stadtteil Kesselstadt.
  • Dabei starben nach Polizeiangaben neun Menschen, weitere wurden verletzt.
  • In der Nacht stürmten Spezialkräfte der Polizei im Hanauer Stadtteil Kesselstadt ein Haus. Darin entdeckten Beamten zwei weitere Leichen, insgesamt starben somit elf Menschen. 
  • Bei einer der toten Personen handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler um den Täter, einen 43-jährigen Deutschen. Die andere tote Person ist die 72-jährige Mutter des Mannes, teilte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) mit.
  • Unter den Getöteten sind fünf türkische Staatsbürger, wie die Botschaft in Berlin am Mittag mitteilte
  • Die Polizei hat keine Hinweise auf weitere Täter.
  • Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen zu der Tat bereits in der Nacht übernommen. Es gebe "Anhaltspunkten für eine fremdenfeindliche Motivation", teilte die Behörde mit. Man ermittle wegen Terrorverdachts.
  • Um die Hintergründe aufzuklären, ist die Polizei mit zahlreichen Ermittlern in Hanau vor Ort. Zusätzlich hat sie im Internet ein Hinweisportal für Videos, Fotos und weitere Hinweisen von Zeugen geschaltet. Telefonisch sind die Ermittler unter (06181) 100-123 zu erreichen.
  • Politiker, Personen des öffentlichen Lebens und Bürger sprachen nach der Bluttat den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und äußerten sich entsetzt zu dem Geschehen in Hanau. Bürgermeister Claus Kaminsky (SPD) schrieb bei Facebook: "Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundenes Beileid." In Hessen wurde Trauerbeflaggung angeordnet.
  • Kanzlerin Merkel sprach von einem "furchtbaren Abend, der uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben" werde.
Polizei am Tatort in Hanau

Die Polizei ermittelt zu den Hintegründen der Tat in Hanau – viele Fragen sind noch offen

DPA

Was ist noch nicht sicher bekannt? Was ist falsch?

  • Um wen es sich bei den übrigen Opfern handelt, ist noch nicht bekannt. Auf Fotos vom zweiten Tatort ist ein Toter hinter dem Lenkrad eines silberfarbenen Mercedes zu sehen.
  • Das Motiv des mutmaßlichen Täters ist bisher nicht abschließend geklärt, auch wenn die Generalbundesanwaltschaft Hinweisen auf eine rassistisch motivierte Tat nachgeht. Kanzlerin Merkel sagte, derzeit deute "vieles darauf hin, dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.
  • Nach Informationen des Senders RTL wurde der Vater des mutmaßlichen Täters nach der Erstürmung der Wohnung abgeführt. Eine offizielle Bestätigung oder ein Dementi durch die Generalbundesanwaltschaft liegt dazu bislang nicht vor.
  • Wie der Täter an eine oder mehrere Waffen gelangt ist, ist noch nicht bekannt. Berichte, wonach er Jäger oder Sportschütze sei, wurden bislang nicht bestätigt. Unter anderem hatte sich Innenminister Beuth entsprechend geäußert.
  • Ob er Hintermänner hatte und was den Mann zu seiner Tat verleitet hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
  • Der Mann soll im Internet Videos und Pamphlete verbreitet haben, die die die These eines rassistisch motivierten Anschlags stützen. Die Dateien werden derzeit noch verifiziert.
  • Auch andere Fotos und Videos, die die Szenerie aus Hanau vom Abend und in der Nacht zeigen sollen, müssen noch geprüft werden.
  • Zu Gerüchten, wonach es sich bei der Tat um eine Fehde zwischen kriminellen Banden handelt, liegen keinerlei belastbare Indizien vor.
  • Am Abend gemeldete Schüsse im Hanauer Stadtteil Lamboy stellten sich als Falschmeldung heraus.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert

Quellen: Polizeipräsidium Südosthessen (1)Polizeipräsidium Südosthessen (2), Polizeipräsidium Südosthessen (3)Claus Kaminsky, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue