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Hans-Ulrich Wehler: "Terrain der Konservativen"

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler über die aktuelle Patriotismusdebatte und den Begriff "Nation", der hierzulande zuerst als Kampfruf einer Freiheitsbewegung populär wurde.

Herr Professor Wehler, im Fernsehen läuft die Serie "Heimat", der Bundestag diskutiert über Patriotismus und Nation. Kommt zusammen, was zusammengehört?

Nein. Heimat, das ist eine emotionale Bindung an eine Stadt, eine Landschaft oder eine Region - wie das Rheinland -, die sich in Kindheit und Adoleszenz entwickelt. Die Nation dagegen gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert. Davor waren die Menschen stolz oder unglücklich, dass sie von einer bestimmten Dynastie oder Reichsstadt regiert wurden.

Und der Patriotismus?

Beim Nationalismus haben sie als Gegenstand die Nation, aber beim Patriotismus haben sie als Gegenstand Patria, also das Vaterland. Die Redenschreiber Stoibers benutzen das Wort "Patriotismus", aber im zweiten Satz fällt ihnen nur noch die Nation als Schicksalsgemeinschaft ein.

Und was ist das Vaterland?

Man liebt das Land, in dem die eigene Heimat liegt, fühlt sich gebunden durch Sprache und gemeinsame Erinnerung.

Sie koppeln also Patriotismus an Heimat, nicht an die freiheitliche Verfassung, wie Jürgen Habermas es getan hat?

Nein, der Verfassungspatriotismus wie ihn Dolf Sternberger und Jürgen Habermas entwickelt haben, ist eine auf Amerika gerichtete Formulierung. Dort ist die Verfassung ein heiliger Text, der alle Bundesstaaten bis heute verbindet.

Dieser Verfassungspatriotismus wird nun von der bundesdeutschen Linken in die Debatte um die Leitkultur geworfen.

Ich sympathisiere sehr damit. Es wäre schön, wenn sich Menschen auf eine ja seit 50 Jahren erstaunlich gut funktionierende Verfassung beriefen. Sie ist elastisch genug und ein gelungenes Gehäuse, in dem 80 Millionen Menschen gut miteinander leben können. Ich fürchte aber, dass das ein bisschen zu blutleer ist. Ich glaube, dass sich die Bindung an Heimat und Menschen gleicher Sprache in bestimmten Situationen als stärker erweisen wird als diese den Intellektuellen sehr zusagende Bindung an eine gut funktionierende Verfassung.

Also doch die Nation? Wo liegt der Grundstein der deutschen Nation?

Sie entstand aus einer großen Krise, als Napoleon die Französische Revolution nach Osten exportierte. Sie ist die Reaktion Intellektueller wie Humboldt, Schiller und Kleist darauf, dass die deutsche Staatenwelt zusammenbrach oder zertrümmert wurde. Sie suchten eine moderne Ausrichtung, weg von der Dynastie, weg von der Region hin zu einer übergeordnete Instanz. Das war dann die Nation.

Die sie mit Demokratie verbanden.

Die Nationalidee war - weil jeder Nationsgenosse dazugehören sollte - demokratisch gefasst. Das war ein Intellektuellen-Nationalismus mit einer kleinen Anhängerschaft aus Studenten, Gymnasiasten und Theologen. Sie wollten alle durch einen großen Bildungsprozess davon überzeugen, dass sie Nationsgenossen sind. 1815 reagierten die konservativen Kräfte darauf mit Zensur, Verfolgung und Zuchthaus. Die nationale Bewegung wurde in den Untergrund gedrängt, wo sie unter Studenten, in Literaturzirkeln und Turnvereinen weiter existierte. 1848 war sie dann nicht mehr nur ein sozialer Protest und ein politisches Aufbegehren gegen die Obrigkeit - sie war auch eine Nationalbewegung. Sie wollte einen Staat.

Warum scheiterte die Bewegung 1848?

Weil sie zu viel auf einmal wollte: einen Nationalstaat gegen den Widerstand aller Könige und Fürsten, außerdem soziale Reformen gegen den Widerstand des Adels; quasi eine Modernisierung über Nacht.

Die Nation war damals ein Begriff der Linken, wenngleich es die noch nicht gab.

Die Konservativen waren fixiert auf die aristokratische Staatenwelt und reagierten mit einer zweiten harten Repressionswelle. Aber schon 1858 sagte der extrem konservative Bismarck: Wir werden in Zukunft preußische Politik nur mit der Nationalbewegung machen können. Er verbündete sich und war der Bewegung von nun an immer einen Schritt voraus. Nachdem er in drei Kriegen - die ja eine riskante Therapie für Probleme sind - einen großpreußischen Staat schaffte, glaubte die Nationalbewegung, das sei endlich ihr Nationalstaat.

Aber besiegt war nicht der deutsche Adel, sondern Frankreich. Schließen sich die Deutschen nur gegen andere zusammen?

Der Begriff Nation wird von da an in Deutschland von den Konservativen besetzt. Er steht auch für den Sieg über andere. In Frankreich steht er stattdessen für ein Bürgertum in Waffen, das dem Adel die Freiheit abgetrotzt hat. Natürlich gab es damals in Deutschland auch liberale Nationalisten, und die Sozialdemokraten waren hinreichend empört, dass man sie als vaterlandslose Gesellen ausschließen wollte. Aber der Nationalismus wurde ein von den Konservativen besetztes Terrain.

Viele Deutschen berufen sich auf eine jahrtausendealte Geschichte...

...und glauben, Arminius und Karl der Große seien bereits Deutsche gewesen, und die deutsche Nation sei aus der Zeit der Völkerwanderung direkt in die Gegenwart marschiert. Aber Karl war ein Frankenhäuptling mit einem Vielvölkerheer.

Führer eines Multi-Kulti-Reichs?

Wenn Sie so wollen. Es gab eine gemeinsame Kommandosprache für die fränkischen Offiziere, so wie später im Habsburgischen Reich. Das war ein Wortschatz, den jeder beherrschen musste.

Deutsch also nur eine Kommandosprache? Und die Reichsnation nur das Resultat von drei gewonnenen Kriegen? Harte Worte.

Ja, aber so war es. Drei Siege in drei Kriegen, zuletzt 1871 gegen Frankreich mit einem gesamtdeutschen Heer. Die junge deutsche Nation beruhte nicht auf dem Bildungsideal von Humboldt und Schiller, sondern einem neuen staatlichen Erziehungssystem. Und auch auf Millionen von Männern aus den Kriegervereinen, die immer wieder die glorreichen Heldentaten beschworen, unterstützt von der Presse. Das Ganze fiel zudem in eine wirtschaftliche Krisenphase von 1873 bis 1895. Da wird die Nation beschworen, die zusammenhalten muss. Seither ist es immer so, dass der Begriff von der Nation Krisen zu überwölben hat.

Aber es scheint doch nach dem letzten Weltkrieg und der Ermordung der Juden Europas ein Bedürfnis nach etwas zu geben, auf das die Deutschen gemeinsam stolz sein können. Wenigstens auf die Aufarbeitung der Verbrechen, deren sich nicht nur einzelne Deutsche, sondern die Deutschen als Nation schuldig gemacht haben.

Es ist ganz selten, dass sich Völker ihren großen Staatsverbrechen stellen. Die Deutschen haben es nach einer quälend langsam verlaufenden Anfangsphase getan. Die Türken hingegen stellen sich bis heute nicht dem Mord an den Armeniern und Griechen. Die Ostdeutschen waren ja von der hiesigen Aufarbeitung ausgeschlossen, weil sie glaubten, sie hätten den Antifaschismus gepachtet. Aber dass sich die Westdeutschen davon überzeugen ließen, dass man sich dem NS-Regime und dem Holocaust stellen muss, ist ein großer Aufklärungserfolg. Und eine Leistung.

Können die Deutschen nicht zudem stolz darauf sein, dass sie auf friedliche Weise die Wiedervereinigung erreicht haben?

Das war ein Verdienst der ostdeutschen Protestbewegung und von Gorbatschow. Die Westdeutschen waren eher gleichgültig, haben das dann mit Freude beobachtet.

Zuerst riefen die Demonstranten in Leipzig: Wir sind das Volk. Das war der Ruf nach Demokratie. Dann erschallte der Ruf: Wir sind ein Volk. Ist das nicht eine Parallele zum frühen idealistischen Nationalismus und dessen Veränderung?

Das ist wie Anfang 1848. Zuerst werden soziale Protestrufe laut, auch damals war eine Krise vorausgegangen, wie auch in der DDR. Und dann taucht die Vorstellung auf: Das können wir nur gemeinsam bewältigen. Das ist dann die Nationalbewegung von 1848. Und 1989 ist es das aufkommende Bewusstsein: Es liegt so viel Aufholarbeit vor uns, das können wir nur mit dem wohlhabenderen Westen. Die CSU hat das sofort aufgegriffen und von Süden her nach Sachsen reingetragen.

Also wieder eine Wende weg vom Freiheitsorientierten zum Nationalen, das den Wohlstand schaffen oder ersetzen soll?

Bei den Ostdeutschen hat es ja nie die Distanzierung von Nationalismus und Nation gegeben wie in Westdeutschland.

Der Westen war nicht stolz auf seine Nation - aber dafür auf seine Währung.

Es war ja nicht die Währung allein. Die Bundesrepublik war beherrscht vom Stolz, der aus der Verbindung von funktionstüchtigem Verfassungsstaat, Rechtsstaat und Sozialstaat erwachsen war, auf der Basis eines erstaunlichen ökonomischen Erfolges vor der Folie eines verlorenen Krieges. Das war die Legitimierung des neuen Staates, der zwar in der Tradition des Reiches stand, aber in Wirklichkeit auf dessen Trümmern neu anfangen musste. Da trat die Nation völlig zurück - vor allem unter dem Schock darüber, wie sie von den Nazis pervertiert worden war. In den 70er und 80er Jahren hat niemand über die Nation gesprochen.

Der Sozialstaat steht heute nicht mehr hoch im Kurs.

Tatsächlich lautet jetzt die Frage: Wie lange trägt das noch? Der Sozialstaat erodiert wegen seines übermäßigen Ausbaus, und die Wachstumsmaschine stottert.

Und die Suche nach dem Nationalen beginnt?

Das ist die Witterung von Edmund Stoiber und Angela Merkel. Sie versuchen, ein vertrautes Angebot zu machen: Wir sind in einer Krisensituation, die Nation als Schicksalsgemeinschaft muss beschworen werden. Wer sein Land liebt, dem kann man harte Reformen zumuten. Sie tun, als hätten sie keine Ahnung, welche Geister aus der Geschichte sie damit wecken.

Für Laurenz Meyer ist Patriotismus ein Gefühl, das jeden erfassen sollte. Also Hände aus den Taschen, wenn die Hymne ertönt?

Hinter der Edelvokabel Patriotismus wird die Rückkehr zu einem ganz ordinären Nationalismus gepredigt, voller Arroganz, Abgrenzung und Überhöhung des eigenen Wertes. Aber ich habe ja die illusionäre Vorstellung, dass Menschen aus der Geschichte etwas lernen können.

Interview: Kuno Kruse / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.