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Henry Nitzsche: Pöbel-Politiker verlässt CDU

Der wegen seiner Äußerungen umstrittene CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche hat seine Partei verlassen. Nach seinem Sager über "Multikulti-Schwuchteln in Berlin" hatte er jede Entschuldigung abgelehnt und sie sogar wiederholt.

Der wegen rechtslastiger Äußerungen umstrittene CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche hat seinen Parteiaustritt erklärt. Das berichteten übereinstimmend die "Leipziger Volkszeitung" und die "Sächsische Zeitung" am Freitag. Die "LVZ" zitierte den sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer mit den Worten, offiziell habe er noch kein Austrittsschreiben erhalten, man habe aber keinen Zweifel an Nitzsches Schritt. Nitzsches Wahlkreisbüro im sächsischen Kamenz konnte die Meldung am Donnerstagabend weder bestätigen noch dementieren.

Nach "Multikulti-Schwuchteln" nun "Schuldkult"

Nitzsche hatte bei einer CDU-Veranstaltung gesagt, Deutschland dürfe "nie wieder von Multi-Kulti-Schwuchteln in Berlin regiert" werden. Zudem soll er mit Blick auf den Umgang Deutschlands mit seiner Vergangenheit von "Schuldkult" gesprochen haben. Nitzsche lehnte eine Entschuldigung ab. "Ich würde aber erneut den Trend benennen, dass Multikulti-Schwuchteln unser Vaterland heruntergewirtschaftet haben", sagte er laut "Sächsischer Zeitung". Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen Kretschmer sowie gegen Ministerpräsident Georg Milbradt.

Kretschmer habe mehrfach erklärt, dass er diese Äußerungen nicht für bedenklich halte und sich erst später von ihnen öffentlich distanziert, kritisierte Nitzsche. Seine Ex-Partei versuche auf diese Weise, sich nach außen politisch korrekt zu verhalten und intern, die Leute bei der Stange zu halten. Von Milbradt sei er zudem menschlich enttäuscht, weil der öffentlich dazu aufrufen habe, "Nitzsche von unten fertig zu machen".

CDU "erleichtert" über Austritt

Der 47-Jährige, der seit 1993 CDU-Mitglied war, will der Zeitung zufolge sein Bundestagsmandat bis 2009 behalten. Kretschmer äußerte sich in der "LVZ" namens der CDU "erleichtert" über den Austritt. Die Debatte um Nitzsche sei in den vergangenen Tagen und Wochen für die Union "bedrückend und sehr belastend" gewesen. Es habe sich um "beleidigende Attacken" Nitzsches gehandelt, die nicht "Teil des Unionsdenkens" seien. Er wünsche sich nicht, "dass so etwas noch einmal vorkommt", sagte Kretschmer der Zeitung.

DPA / DPA