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Heroin-Freigabe: CDU beharrt auf Versuchsstopp

Obwohl Experten und Betroffene als auch die Versuchskommunen die Heroin-Abgabe an Schwerstabhängige weiterführen wollen, blockt die CDU alle Wünsche in diese Richtung ab - man sei aber "gesprächsbereit", heißt es.

Auch nach dem Appell der sieben Städte mit staatlicher Heroinabgabe bleibt die Union bei ihrem Nein zu einer Fortführung des Projekts. Der Gesundheitsexperte der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Jens Spahn, sagte im Südwestrundfunk, der Einsatz der Ersatzdroge Methadon sei ähnlich erfolgreich und billiger. Vor allem weil dieser Erfolg mit intravenösem Verabreichen von Methadon möglicherweise noch gesteigert werden könne. Wenn der Staat dagegen Heroin an Schwerstabhängige ausgebe, habe dies auch eine Signalwirkung für die Szene, so Spahn.

Bei einer staatlichen Heroinabgabe zeigten Erfahrungen aus der Schweiz, dass sich der Kreis der Betroffenen ausweite. Ziel müsse es aber sein, die Abhängigen von der Droge wegzubringen. Ähnlich äußerte er sich in der "Berliner Zeitung". In der "Süddeutschen Zeitung" räumt er aber auch ein, dass seine Fraktion "grundsätzlich gesprächsbereit" sei.

Bei einem Treffen in Frankfurt hatten die sieben beteiligten Städte an den Bundestag appelliert, der Zulassung von synthetischem Heroin (Diamorphin) als Medikament zuzustimmen. Dies ist die Voraussetzung für die Fortführung des Projekts. Die kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstabhängige läuft in Hamburg, Hannover, Köln, Bonn, Frankfurt, Karlsruhe und München.

In den Städten werden seit 2002 insgesamt 500 Schwerstabhängige drei Mal täglich mit dem pharmazeutisch hergestellten Heroin versorgt. Dabei stützen sich die Kommunen auf eine Ausnahmegenehmigung, die zum 30. Juni ausläuft. Die Therapien müssten dann abgebrochen werden. Über eine vom Land Hamburg initiierte Bundesratsinitiative wollen die Kommunen nun erreichen, dass ein Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht wird.

DPA/AP/AP/DPA

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