HOME

Holocaust-Mahnmal: Der Zahn des Anstoßes

Der Zentralrat der Juden findet den Plan pietätlos. Die Mahnmal-Initiatiorin Lea Rosh dagegen sagt, sie löse damit ein Versprechen ein. Stein des Anstoßes ist ein Zahn. Er soll in einer der Stelen der Holocaust-Gedenkstätte untergebracht werden.

Um eine geplante Geste von Lea Rosh am Holocaust-Mahnmal ist ein öffentlicher Streit entbrannt. Die Initiatorin des Denkmals hatte bei der Einweihung des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas angekündigt, dem Backenzahn eines unbekannten jüdischen Opfers sowie einem gelben Stoffstern, den Juden in der Nazizeit tragen mussten, Platz in einer der 2711 Betonstelen einzuräumen. Sie löse damit ein persönliches Versprechen ein, so Rosh.

Der Präsident und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel und Stephan Kramer, nannten den Plan "pietätlos" und religiös fragwürdig, wozu noch die Meinung der Rabbiner gehört werden müsse. Das Mahnmal werde schon für sich genommen seine Wirkung entfalten und man sollte nicht versuchen, daraus "einen Reliquienschrein zu machen", sagte Kramer. Es sei kein authentischer Ort und man sollte das eine nicht mit dem anderen verbinden, das werde auch dem Mahnmal nicht gerecht.

Paul Spiegel sagte im "Tagesspiegel", dass ihn der Plan "nicht nur überrascht, sondern entsetzt" habe. "Ich bin empört und finde das Vorgehen von Lea Rosh pietätlos", so Spiegel weiter.

Im Sand gefunden

Rosh sagte, den Zahn habe sie im Sand neben einem der langen Gräber in einem polnischen Vernichtungslager gefunden. Dabei habe sie geschworen, "dass wir den Ermordeten ein Denkmal setzen. Und dieser Zahn wird darin einen Platz finden". Dies habe sie dann mit dem Architekten des Mahnmals, Peter Eisenman, verabredet.

Der Stoffstern sei ihr von einer Frau in Amsterdam übergeben worden, deren Mutter in einem Vernichtungslager der Nazis umkam. Diese hatte ihrer Tochter vor ihrem Transport nach Osten das Stoffstück als Erinnerung in die Hand gedrückt. "Sie ahnte, dass ihr Leben ausgelöscht werden würde." Sie habe der Tochter versprochen, dass der Stern einen würdigen Platz findet, sagte Rosh.

DPA / DPA