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Emilia Fester zur Impfpflicht "Ich war nicht einmal in einem Club": Jüngste Abgeordnete hält emotionale Rede im Bundestag

Emilia Fester hält emotionale Rede zur Impfpflicht
Emilia Fester bei ihrer Rede im Bundestag: "Nicht die Impfpflicht ist die Zumutung, sondern keine Impfpflicht ist die Zumutung."
© Michael Kappeler / DPA
Die 23-jährige Grünen-Abgeordnete Emilia Fester hat im Bundestag davon berichtet, wie die Pandemie ihre Generation betrifft – und fordert eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland.

Emilia Fester, die sich selbst gern "Milla" nennt, ist erst 23 Jahre alt – und damit die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. In einem Parlament, das zum einem großen Teil aus Menschen jenseits der 50 besteht, kann die Grünen-Politikerin also aus erster Hand davon berichten, wie sich die zwei Jahre Corona-Pandemie für junge Leute angefühlt haben.

In der Bundestagsdebatte zur Impfpflicht gab Fester einen Einblick dazu. "Ich war nicht in der Uni, ich war nicht im Ausland. Ich habe kein Museum und auch kein Festival besucht. Ich habe nicht mal eine Person, die ich noch nicht kannte, geküsst oder meinen Geburtstag gefeiert. Ich war, verdammt noch mal, nicht einmal in einem Club. Tanzen, feiern und all das, was ich so vermisse", sagte sie in einer emotionalen Rede, die in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit erregte.

Impfpflicht-Debatte im Bundestag: Vorwürfe an Ungeimpfte

Für Fester, die erst seit der Bundestagswahl im Herbst dem Parlament angehört, war es ihre erste Rede in dem Hohen Haus. Startschwierigkeiten hatte sie allerdings nicht: Selbstbewusst teilte die Grüne in Richtung der anderen Fraktionen aus. "Wenn Sie sich hätten impfen lassen, dann wären wir jetzt alle wieder frei", rief sie der AfD zu. Und auch vor dem Koalitionspartner FDP machte sie nicht Halt. "Nur weil man die Pandemie für beendet erklärt, ist sie noch nicht vorbei", äußerte sie in Richtung der Liberalen.

Emilia Fester zur Impfpflicht: "Ich war nicht einmal in einem Club": Jüngste Abgeordnete hält emotionale Rede im Bundestag

In der Debatte ging es um die Einführung einer Impfpflicht gegen Covid-19 in Deutschland und darum, wie diese konkret ausgestaltet werden sollte. Verschiedene Gruppen von Abgeordneten hatten dazu parteiübergreifende Anträge eingebracht. Emilia Fester unterstützt eine allgemeine Impfpflicht – diese sieht vor, dass bis zum 1. Oktober alle Erwachsenen entweder geimpft oder genesen sein müssen.

Lauterbach und Habeck sprechen sich für Impfpflicht aus

Insgesamt 236 Parlamentarier:innen haben den Gesetzentwurf unterschrieben, darunter auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Wirtschaftsminister Robert Habeck. Lauterbach warf Ungeimpften während der Debatte im Bundestag vor, sie würden "die Verantwortung, dass wir nicht weiterkommen" tragen: "Das ganze Land wird in Geiselhaft dieser Menschen sein. Das können wir uns nicht mehr leisten."

Und auch Emilia Fester fühlt sich von den Umgeimpften um ihre Möglichkeiten gebracht: "Wenn Sie und Ihre Freundinnen und Freunde der Freiheit sich einfach hätten impfen lassen, als die meisten von uns so vernünftig waren und diesen einfachen Schritt gegangen sind, dann wäre ich jetzt wieder frei", hielt sie den Gegnern einer Impfpflicht entgegen. "Nicht die Impfpflicht ist die Zumutung, sondern keine Impfpflicht ist die Zumutung."

Quellen:  Protokoll der Bundestagssitzung / Video der Debatte (ab 1:05:49) / Gesetzentwurf

epp

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