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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Deutschzwang - der Blödsinn der CSU

Die Idee der CSU, Ausländer zu drängen, auch zu Hause Deutsch zu sprechen, ist herrlich besemmelt. Wir könnten drüber lachen, wenn die Sache nicht auch ernst wäre.

Von Lutz Kinkel

Hat sich zum Horst gemacht: Parteichef Seehofer verantwortet die bizarre Deutschpflicht für Ausländer im Leitantrag zum CSU-Parteitag

Hat sich zum Horst gemacht: Parteichef Seehofer verantwortet die bizarre Deutschpflicht für Ausländer im Leitantrag zum CSU-Parteitag

Ganz klar: Ohne die CSU wäre die Politik nicht so unterhaltsam. Im bayerischen Hoftheater entgleitet ständig die Inszenierung, die Figuren stolpern über Requisiten, vergessen ihren Text oder sind schlichtweg betrunken. Letzteres wäre eine Erklärung dafür, wie dieser Satz in den Leitantrag für den CSU-Parteitag kommen konnte:

"Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen."

Noch nie hat ein politischer Vorschlag so schnell einen solchen Tsunami an Spott ausgelöst. Vor allem deshalb, weil Bayern bekanntlich selbst des Hochdeutschen kaum mächtig sind. Sie kauen deutschähnliche Laute wieder, gurgeln sie und grollen sie schließlich mit viel Wind und Spucke aus sich heraus. Was die entstandenen akustischen Artefakte bedeuten sollen, ist schon für Deutsche kaum zu entschlüsseln, von Ausländern ganz zu schweigen. Es wäre schön, wenn das Goethe-Institut auch Deutschkurse für Bayern anböte. Ja, auch die Kulturpolitik muss dahin gehen, wo es wehtut.

Der Plan

Das ist das eine. Das andere: Würde die CSU ihren Vorschlag ernstnehmen, müsste sie auch Ideen entwickeln, wie er umzusetzen wäre. Also wer wie und wann "angehalten wird", Deutsch zu sprechen - und von wem. Soll ein heimischer Blockwart an Mietshaustüren von Migrantenfamilien lauschen, ob beim Mittagessen in fremden Zungen gesprochen wird? Und die Täter gegebenenfalls mit dem Duden züchtigen? Wären an öffentlichen Plätzen vollautomatische Fremdspracherkennungsanlage denkbar, die auch, sagen wir: kleine Verwarnschüsse mit einem Laser abgeben können? Allein: Wie ließen sich doch gleich Migranten und Touristen unterscheiden? Zweifellos haben wir es hier mit einem Projekt von erheblicher technologischer Raffinesse bei unsicheren Erfolgsaussichten zu tun. Kurz gesagt: Die Ausländersprachkontrolle erinnert ein bisschen an die Maut.

Nun könnten wir herzhaft über den ganzen Schmarrn lachen, den die CSU, allen voran ihr Generalsekretär Andreas Scheuer, so verzapft. Aber die Sache hat auch einen ernsten Hintergrund: Die CSU versucht abermals, mit einem rechtspopulistischen Vorschlag der AfD und den Anti-Islam-Protestlern der "Pegida" das Wasser abzugraben. Sie versucht die Verstörten einzusammeln, die Unzufriedenen und Ressentimentgeladenen, die Ängstlichen, Deutschtümelnden und Schlichten. Getreu der alten Devise: Rechts neben der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.

Das Ergebnis

Dieser Vorsatz ist löblich. Aber mit billigen Tricks und politischem Blödsinn ist kein Mensch für die Demokratie zurückzugewinnen. Das sollte die CSU eigentlich wissen.

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