HOME

Kanzlerschaft: Will Schröder Jobsharing?

Der Sender RTL berichtet, dass Bundeskanzler Schröder eine große Koalition mit wechselnder Kanzlerschaft anstrebt. Die ersten zwei Jahre wolle er im Amt bleiben, danach könne ein Unions-Kandidat die Kanzlerschaft übernehmen. Die SPD dementierte.

Schröder denke daran, die Kanzlerschaft zwischen SPD und Union aufzuteilen, berichtete RTL am Freitagabend unter Berufung auf Regierungskreise. Schröder wolle erreichen, dass er die erste Hälfte der Wahlperiode im Amt bleibe. In der zweiten Hälfte könne dann Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel oder ein anderer Kandidat von CDU und CSU die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Die SPD dementierte den Bericht. Die Meldung sei "reine Spekulation". Es gebe "derzeit keinen Grund für Entscheidungen", teilte SPD-Sprecher Lars Kühn am Freitagabend in Berlin mit.

Mit CDU/CSU vereinbart sei "nächste Woche ein intensives Sondierungsgespräch". Erst danach werde entschieden, "ob es zu Verhandlungen kommen kann. Im Verlauf von Verhandlungen werden auch Personalentscheidungen zu treffen sein", erklärte Kühn.

Der "Stern" hatte zuvor berichtet, Schröder selbst habe die Idee eines Wechsels im Kanzleramt bereits vor der Bundestagswahl in kleinem Kreis erwogen. Dem "Stern" zufolge sprach Schröder bei seinen Überlegungen nicht von einem Wechsel von ihm zur CDU-Vorsitzenden Merkel, sondern zu CSU-Chef Edmund Stoiber oder einem anderen Unions-Politiker.

Die Möglichkeit einer rotierenden Kanzlerschaft war vom Münchner CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler vor einigen Tagen offen ins Gespräch gebracht worden. In der Unionsspitze wird der Vorschlag aber bislang mit der Begründung zurückgewiesen, CDU und CSU stellten die stärkste Fraktion im neuen Bundestag und wollten daher ihren Anspruch auf die Kanzlerschaft nicht aufgeben.

Vorbild für das Szenario ist die Vereinbarung zwischen den Spitzen der israelischen Arbeits- und Likud-Partei, Schimon Peres und Jitzhak Shamir, die sich zwischen 1984 und 1988 als Regierungschefs abwechselten.

DPA