Koalitionsoptionen Oswald Metzger, der schwarz-grüne Reiter


In Hamburg legen CDU und Grüne den ersten Koalitionsvertrag auf Landesebene vor. Pah! Oswald Metzger, das enfant terrible der Grünen, hat solche Bündnisse schon vor zehn Jahren gefordert. Nun will er in die CDU eintreten, die ihn aber nicht unbedingt will. stern.de hat Metzger getroffen.

Man kann Oswald Metzger viel vorwerfen. Aber nicht, dass er – Entschuldigung für die Formulierung – keinen Arsch in der Hose hätte. Der Haushaltsexperte ist bei den Grünen ausgetreten und hat sein Mandat im baden-württembergischen Landtag zurückgegeben. Dann hat er, ohne es vorher abzusprechen, seinen Eintritt in den CDU-Kreisverband Biberach verkündet. Nun will er ein Direktmandat für den Bundestag. Noch hat der Kreisverband nicht entschieden, ob Metzger überhaupt in die CDU aufgenommen wird. Aber es haben sich bereits fünf Kandidaten gemeldet, die gegen Metzger antreten wollen. Seine Chancen stünden 50 zu 50, dass er durchkäme, sagt Metzger im stern.de-Interview. Und das ist noch optimistisch geschätzt.

Paradox: Oswald Metzger steht vor seinem möglichen politischen Exit, just in dem Moment, da sein politischer Traum Gestalt annimmt. Schon 1997 hat er eine Öffnung der Grünen zur CDU gefordert (und sich lustvoll im politischen Aufschrei gewälzt), nun präsentieren Grüne und CDU in Hamburg den ersten Koalitionsvertrag auf Länderebene. "Ich habe immer davor gewarnt, in politischen Koalitionen mehr zu sehen als ein Zweckbündnis", sagt Metzger. Aber wenn es der schwarz-grünen Koalition gelänge, die Botschaft zu verbreiten, dass Ökonomie und Ökologie miteinander zu versöhnen seien – dann, so Metzger, sei das ein Modell für andere Bundesländer und "irgendwann auch auf Bundesebene".

"Krieg der Generationen"

Ob Metzger diese Phase als Politiker erleben wird? Er hält Vorträge, schreibt Bücher, sitzt im Aufsichtsrat des Hamburger Solarzellenproduzenten Conergy. Sein Honorar pro Rede liegt bei 3500 Euro, und Metzger weiß über private und öffentliche Haushaltsführung Bescheid. In seinen besten Zeiten hat er dem damaligen Finanzminister Theo Waigel die Zahlen um die Ohren gehauen, und zwar so, dass selbst Kanzler Helmut Kohl seinen Respekt bekundete. Nun hofft Metzger, gerade bei der CDU jenes finanzpolitische Echo zu finden, das ihm die nach links gedrifteten Grünen versagen.

Dass er sich bei seiner Wunschpartei CDU eingeschmeichelt hätte, wird ihm keiner nachsagen können. Im Gegenteil: Metzger, der Einzelgänger und Querkopf, hat sich bereits wortreich über die verlorene Haushaltsdisziplin beklagt. Die gerade beschlossene Rentenerhöhung von 1,1 Prozent, ein halbherziges Geschenk an ältere Wähler, ist ihm ein Graus. "Es wird zu einem Generationenkrieg kommen, wenn die Politik nicht in der Lage ist, den Leuten die Fakten zu vermitteln", sagt Metzger. "Man muss den Großeltern sagen: Es stimmt, dass ihr als Rentner in den letzten vier Jahren Kaufkraftverluste hattet, und zwar nicht zu knapp. Aber eure Kinder und Enkel haben auch Kaufkraftverluste gehabt." Wahrlich nicht jedem in der CDU passt es, dass sich Metzger bereits jetzt bundespolitisch zu Wort meldet, obwohl er noch nicht einmal ein Parteibuch hat.

Alles auf die Basis-Karte

Metzger indes gibt sich unbeirrbar. Er wolle für Inhalte stehen, sagt er. Seine Hoffnung ist, dass die Parteibasis in Biberach dies honoriert, denn die Basis wird darüber abstimmen, wer als Direktkandidat antreten darf. Metzger: "Ich setze alles auf eine Karte."

Lutz Kinkel

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