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Kommentar: Ihr seid jetzt Deutschland

Angela Merkel ist eine Kanzlerin von Schröders Gnaden. Sie ist eingebunden in das Korsett eines SPD-dominierten Kabinetts. Für die Bürger kann diese große Koalition der Verlierer von Vorteil sein.

Von Florian Güßgen

Der Kanzler-Poker ist vorbei, die Karten liegen auf dem Tisch. Angela Merkel wird Kanzlerin, eingeschnürt in ein Korsett von acht SPD-Ministern, die zentrale Ressorts in der Regierung - vom Auswärtigen Amt bis hin zum Finanzministerium - übernehmen werden. Für die Bürger ist diese haarkleine Aufteilung der Macht von Vorteil, denn die Volksparteien sind nun so eng miteinander verwoben, so aneinander gekettet, dass sich keiner aus der Verantwortung stehlen kann. Diese Regierung der Mitte ist zum Erfolg verdammt. Scheitert sie, werden beide Beteiligten dafür abgestraft und die Extreme gestärkt. Dieses Risiko wird auf die Quertreiber in beiden Lagern erhebliche disziplinierende Kräfte ausüben. Generell werden sie folgende Mahnung ständig im Hinterkopf behalten müssen: Ihr seid jetzt Deutschland - auf Gedeih und Verderb.

Es ist gut, dass die an dieser großen Koalition beteiligten Politiker ihr Regierungsamt allesamt mit einer gehörigen Portion Demut werden antreten müssen. Auch wenn Parteitage und Parlament das Ressort- und Personal-Tableau absegnen, das jetzt skizziert worden ist, so wird diese Koalition im Grunde ein Bündnis von Geschlagenen sein. Zwar hat Angela Merkel ihr Ziel erreicht, ins Kanzleramt einzuziehen, zwar hat die SPD eine vor Wochen noch für unmöglich gehaltene Stärke wiedererlangt, aber sowohl Merkel als auch die SPD-Granden sind in den vergangenen Monaten arg gebeutelt worden: Merkel durch das Wahlergebnis, die SPD durch den inhaltlichen und - jenseits von Schröder - personellen Offenbarungseid, den die Partei in Mai und Juni leistete.

Merkel hat ihren jetzigen Erfolg vor allem einer klugen Taktik nach dem 18. September zu verdanken. Auch wenn sie mit dem Kirchhof-Faux-Pas im Wahlkampf wohl die schwarz-gelbe Option vergeigt hat, so ist sie nach dem Urnengang aus den Trümmern des Wahlergebnisses aufgestiegen wie Phönix aus der Asche. Zunächst hat sie sich der Rückendeckung der Bundestagsfraktion versichert, dann hat sie die wankelmütigen Ministerpräsidenten zumindest offiziell ins Boot geholt.

Edmund Stoiber, der vom Wähler ebenfalls gedemütigte Bayer, den zu Hause eigentlich keiner mehr haben will, durfte mit SPD-Chef Müntefering in ihrem Namen die Grundfesten für die künftige Regierung zementieren. Merkel bot ihm eine Gelegenheit zur Profilierung. Auch so besänftigt man Widersacher. Die Geschlossenheit der Union machte es der SPD unmöglich, länger als nun geschehen auf ihrem Kanzler Gerhard Schröder zu beharren.

Acht Ministerien für Schröders Kopf

Dennoch ist Merkel freilich eine Kanzlerin von Schröders Gnaden. Sein Kopf war es, für den die Union nun acht Ministerien zahlen musste, sein rabiater und doch erfolgreicher Wahlkampf war es, der die SPD auf Augenhöhe mit der Union brachte. Und so muss Merkel mit dem schweren Erbe und den zahlreichen Erben Schröders regieren, denn der Niedersachse selbst wird, entgegen aller Spekulationen, kaum mehr ein Regierungsamt übernehmen. Gleichzeitig wird mit Schröders Ausscheiden ein neuer Politik-Stil in Berlin einkehren. Die saftigen Politiker des Schröder/Fischer-Typs, die Charismatiker, die Rabauken - man mag sie mögen oder nicht - sind vorerst verschwunden.

Das neue Kabinett, angefangen von Merkel über Schäuble bis hin zu Steinbrück und vielleicht, vielleicht auch Platzeck, ist ein Team, das in erster Linie aus Politik-Wissenschaftlern und Technikern besteht. Bei der Ausformulierung von Kompromissen ist das ein Vorteil, beim Politik-Marketing, das immer auch das Herz der Bürger und der Basis ansprechen muss, ein Nachteil. Nachdem sie nun das Kanzleramt erobert hat, muss das nächste Ziel Angela Merkels deshalb lauten, Politik nicht nur zu machen, sondern sie auch vermitteln zu können.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(