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CDU-Vorsitzendenwahl Da kann Friedrich Merz noch so viel fluchen: Es ist keine Zeit für Parteitage

Norbert Röttgen (links), Friedrich Merz (Mitte ) und Armin Laschet (rechts)
Sie wollen CDU-Vorsitzende werden: Norbert Röttgen (links), Friedrich Merz (Mitte ) und Armin Laschet (rechts)
© Adam Berry / Getty Images
Die CDU verschiebt wegen der Corona-Pandemie die Wahl eines neuen Vorsitzenden ins Frühjahr. Das ist die einzig richtige Entscheidung, meint unser Autor.

Deutschland steht vor schweren Monaten. Mit dieser Prognose hat Angela Merkel vollkommen recht. Die Zahl der Corona-Infizierten dürfte in den nächsten Wochen auf mehrere Zehntausend steigen – pro Tag versteht sich. Die Intensivstationen werden sich füllen. An neuen, zumindest regionalen Lockdowns, führt kaum ein Weg vorbei. Es geht darum, Gesundheitswesen, Kitas, Schulen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Das hat Priorität, nicht Parteitaktik.

Das Land hat eine Kanzlerin und sechzehn Regierungschefs in den Ländern. Sie und ihre jeweiligen Minister müssen jetzt ihre Arbeit erledigen. Wer CDU-Chef oder Chefin ist, ist gerade vollkommen unwichtig. Trotz der ungeklärten Vorsitz-Frage hat die Union glänzende Umfragewerte. Aus der Sicht der Wählerinnen und Wähler hat die Führungsfrage zurzeit einfach keine große Relevanz. 

Merz wittert eine Verschwörung in der CDU

Deswegen ist die Verschiebung des CDU-Parteitages ins Frühjahr vollkommen richtig. Wenn private Treffen auf zehn Personen beschränkt werden, können sich nicht in Stuttgart tausend Delegierte treffen. Hygienekonzept hin oder her. Es geht nicht um ein kurzes Konzert, bei dem die Zuhörer sich nicht kennen und sich nicht miteinander austauschen. Ein Parteitag lebt von den direkten Begegnungen, auch den nächtlichen Kungeleien. Wie peinlich wäre es, wenn reihenweise Politiker gegen die Sperrstunde verstoßen.

Friedrich Merz wittert nun eine Verschwörung großer Teile des Parteiestablishments, die ihn als Vorsitzenden verhindern wollen, auch durch die Verschiebung. Da ist sicher etwas dran. Sein Konkurrent Armin Laschet liegt bei Umfragen unter Wählern und Parteimitgliedern weit zurück. Er mag darauf hoffen, dass Regierungserfahrung im Frühjahr mehr zählt als heute. Doch allein wegen Laschets Kalkül hätte die CDU-Führung die Entscheidung kaum verschoben. Im Hintergrund geht es um viel mehr. 

Wähler haben Zeit, auf einen Kanzlerkandidaten zu warten

Viele in der CDU sind mit dem Kandidatentrio längst unglücklich. Friedrich Merz gilt als kernig, aber irgendwie gestrig. Armin Laschet wirkt weltoffen, aber oft unentschlossen. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen hat sowieso keine Chance. Die besseren Umfragewerte haben zwei andere Männer in der Union: CSU-Chef Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn, der mit Laschet im Team antritt. Noch. 

Die Verschiebung des Parteitags ist wegen der Coronakrise gerechtfertigt und gut zu begründen. Sie bietet für die Union aber auch die Chance, die Frage des CDU-Parteivorsitzes und die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur in einem Rutsch zu klären. Die Wähler haben jedenfalls die Zeit, darauf zu warten. Bundestagswahl ist schließlich erst im Herbst nächsten Jahres. 


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