Kommunalwahlen in Bayern Der "Bürger-King" legt nochmal zu


Bei den Kommunalwahlen in Bayern hat die SPD ihre Hoheit über die beiden größten Städte verteidigt. In München konnte "Bürger-King" Christian Ude sogar noch zulegen - auch dank eines Fauxpas seines CSU-Konkurrenten. An das ewige Rekordergebnis eines Genossen kam er aber dennoch nicht heran.

Der Jubel war groß bei der Münchner SPD am Sonntagabend, und das gleich, als die erste Prognose für die Kommunalwahl verkündet wurde. 67 Prozent hatten die Statistiker von Infratest Dimap im Auftrag des Bayerischen Rundfunks für Oberbürgermeister Christian Ude errechnet - noch einmal mehr als vor sechs Jahren.

Ein Triumph für Ude, von dem auch die Stadtratsfraktion profitierte: 41,5 Prozent wurden der SPD prognostiziert. Zusammen mit den Grünen, für die 13,5 Prozent errechnet wurden, eine komfortable Mehrheit. Die CSU lag in der größten bayerischen Stadt abgeschlagen bei 28,5 Prozent. Ude bedankte sich bei den Wählern für das Vertrauen. Noch viel wichtiger sei aber, dass die rot-grüne Koalition im Stadtrat die Mehrheit behalte, sagte er. Das älteste Bündnis dieser Art in Deutschland könne fortgesetzt werden. Anders als in Hamburg hätten sich die bundespolitischen Irritationen bei der SPD nicht auf die Münchner Kommunalwahl ausgewirkt.

Wahlsieg war schon lange klar

Dass Ude, der als unumschränkter Star der Münchner SPD von der Presse gerne als "Sonnenkönig" bezeichnet wird, mit großem Vorsprung wiedergewählt werden würde, war schon lange vor der Wahl klar. Daran konnten auch der heftig um Aufmerksamkeit buhlende OB-Kandidat der CSU, Josef Schmid, nichts ändern. Zu beliebt ist der ehemalige Journalist und Rechtsanwalt, Buchautor und Hobby-Kabarettist in München, als dass er bei der direkten Wahl des Stadtoberhaupts hätte bangen müssen.

Selbst landesweit führt der 60-jährige die Liste der beliebtesten Politiker regelmäßig an. Und das in Bayern, wo die CSU seit inzwischen mehr als 50 Jahren mit absoluter Mehrheit regiert. Auch bundesweit profiliert sich Ude seit Jahren als Präsident des Deutschen Städtetags. Gefahr drohte ihm deshalb kaum. Zu geschickt gelang es dem Oberbürgermeister in seinen mehr als 14 Amtsjahren, das Ohr an den Stimmungen der Münchner zu haben. So erkannte der pragmatische "Bürger-King" - ein andere Beiname Udes - früh, dass die Stimmung in München gegen den Transrapid ist und erhob den Widerstand gegen die Magnetschwebebahn zwischen Stadtmitte und Flughafen erfolgreich zu einem der zentralen Wahlkampfthemen.

Rot-grüne Mehrheit noch komfortabler geworden

Schon etwas mehr Sorgen mussten er und die SPD sich da um die Mehrheit im Stadtrat machen, die in separater Wahl bestimmt bestimmt wurde. Selbst bei der vergangenen Wahl, als Ude mit 64,5 Prozent doppelt so viele Stimmen einfuhr wie sein Gegenkandidat von der CSU, lag die SPD am Ende nur einige Prozent vor den Konservativen. 1994 und 96 hatte die CSU es sogar hauchdünn zur stärksten Partei geschafft. Doch auch hier lief es für Ude nach Wunsch, die rot-grüne Mehrheit ist noch komfortabler geworden. Geholfen haben dürfte nicht zuletzt die Schwäche des CSU-Kandidaten Schmid, der die Niederlage eingestand und Ude im Fernsehen gratulierte.

Der 38-jährige Schmid war während des Wahlkampfs nie ganz auf Augenhöhe mit Ude herangewachsen. In Münchner Boulevardzeitungen blieb er die Verniedlichungsform seines Vornamens: "Seppi", und spätestens als er sich im Januar mit einem Plakat zu den U-Bahn Schlägern in die Nesseln setzte, die im Dezember 2007 einen Rentner fast zu Tode geprügelt hatten, konnte die Rathaus-Koalition aufatmen. Schmid selbst erklärte seine Niederlage am Wahlabend dagegen mit einem bundesweiten Trend gegen die CSU. Das älteste rot-grüne Bündnis in Deutschland wird also weiterregieren.

Hans-Jochen Vogel hatte 78 Prozent der Stimmen

Zudem ist es auch die rot-grüne Koalition in der größten politischen Einheit Deutschlands, schließlich hat München mehr Einwohner als Bremen, das als derzeit einziges Bundesland von dieser Kombination regiert wird.

Trotz allen Sonnenkönigtums ist Ude aber auch diesmal nicht an den unumschränktesten Münchner OB herangekommen. 1966 hatte es sein Parteifreund Hans-Jochen Vogel sogar auf 78 Prozent der Stimmen gebracht und seine SPD im Stadtrat auf 58,4 Prozent gehievt. Im Vergleich dazu wirken selbst Udes Triumph eher bescheiden. Der Feierlaune der SPD tat das keinen Abbruch.

Christof Rührmair/AP AP

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