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Krankenkassenbeiträge: Rösler plant "Kopfpauschale light"

Um das Milliardendefizit der Krankenkassen zu decken, will Gesundheitsminister Philipp Rösler unabhängig vom Einkommen eine Prämie von monatlich 30 Euro einführen. Dadurch sollen Zusatzbeiträge überflüssig werden und der Arbeitnehmeranteil sinken.

Die 50 Millionen Kassenmitglieder sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zu ihrem Beitrag schon bald eine monatliche Pauschalprämie von 30 Euro zusätzlich bezahlen. Für Geringverdiener ist ein Sozialausgleich über gestaffelte Beiträge und Steuermittel vorgesehen. Dies sind nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA die Eckpunkte der geplanten Reform der Krankenkassenfinanzierung. Das Konzept dürfte bereits bei der am Sonntag beginnenden Klausurtagung des Bundeskabinetts auf die Tagesordnung kommen.

Mit der Einführung der Prämie - Kritiker sprechen von Kopfpauschale - will Rösler das im kommenden Jahr drohende Kassen-Defizit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von zehn bis elf Milliarden Euro decken. Das Pharma-Sparpaket soll dazu ebenfalls beitragen. Mit der Prämie will der Minister alle Zusatzbeiträge sowie den von den Versicherten derzeit allein zu bezahlenden Sonderbeitrag von 0,9 Prozent überflüssig machen.

Flankieren will Rösler die Prämie durch einen einkommensabhängig gestaffelten Beitragssatz und durch Steuergelder im Volumen von etwa sechs Milliarden Euro, die im Gesetz festgeschrieben sind. Damit soll für Bedürftige der angestrebte Sozialausgleich erreicht werden. Das Ministerium wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. Das Konzept werde demnächst vorgestellt.

Arbeitnehmeranteil soll sinken

Der Krankenkassenbeitrag soll den Eckpunkten zufolge von derzeit 14,9 Prozent des Bruttolohns auf 14,6 Prozent sinken. Dabei steigt der Arbeitgeberanteil von 7,0 auf 7,3 Prozent, während Arbeitnehmer und Rentner statt 7,9 Prozent künftig maximal 7,3 Prozent bezahlen sollen. Damit wäre wieder Beitragsparität hergestellt.

Für Geringverdiener mit einem Einkommen bis 1000 Euro monatlich ist ein ermäßigter Beitragssatz von 5 Prozent vorgesehen. Konkret bedeutet das, dass die Betroffenen mit einer Entlastung rechnen können, auch wenn sie derzeit schon einen Zusatzbeitrag von acht Euro monatlich an ihre Krankenkasse bezahlen müssen. Nach dem Rösler-Plan sinkt die Belastung trotz Prämie bei einem Einkommen von 1000 Euro im kommenden Jahr von 87 auf 80 Euro monatlich.

Vorhersehbar: Bei 30 Euro bleibt es nicht

Mit wachsendem Einkommen steigt der Beitragssatz nach den Vorstellungen von Rösler bis zur Einkommensgrenze von brutto 3750 Euro aber stufenweise bis auf 7,3 Prozent. Vorgesehen sind fünf bis sechs Beitragssatzstufen, in die die Betroffenen entsprechend ihrer Selbstauskunft eingruppiert werden. Abzusehen ist, dass die Prämie von zunächst 30 Euro im Monat wegen der steigenden Gesundheitskosten langfristig ebenfalls steigt.

Das Konzept soll dem Vernehmen nach bereits bei der am kommenden Sonntag beginnenden Klausurtagung des Bundeskabinetts auf die Tagesordnung kommen. Am Montag hatte Rösler in einem Vier-Augen-Gespräch in München beim CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer für sein Konzept geworben. Seehofer hatte sich kategorisch gegen höhere Kassenbeiträge ausgesprochen.

Mit der geplanten Entlastung unterer Einkommensgruppen durch gestaffelte Beitragssätze und Steuermittel sind die Chancen gewachsen, dass der Gesundheitsminister auch die Zustimmung der Union erhält. Das neue, bisher wie ein Geheimnis gehütete Rösler-Konzept ist nach Einschätzung von Experten nicht auf die Zustimmung des Bundesrates angewiesen. Dort hat Schwarz-Gelb seit der NRW-Wahl keine Mehrheit mehr.

DPA / DPA
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