Kriegs-Bilder Kindersorgen ernst nehmen


Niemand kann sich der Berichte über den Krieg entziehen. Auch Kinder nicht. Psychologen empfehlen, mit Kindern nicht nur zu sprechen. Wer seinen Nachwuchs mit zur Demo nimmt, hilft den Kleinen, die Gewalt aus dem Fernseher zu verarbeiten.

Eine Sondersendung folgt der anderen. Die Titelseiten am Zeitungskiosk zeigen Fotos von den Kämpfen im Irak. Niemand kann die explodierenden Häuser oder verletzten Menschen zurzeit übersehen. Kein Mensch, egal ob jung oder alt, kann dem Anblick des Leids aus dem Weg gehen. Besonders erschreckend ist diese Erfahrung für Kinder.

Ausweichen geht nicht

Psychologen und Pädagogen fordern daher, die Ängste der Kleinsten ernst zu nehmen. Die Experten sind sich einig, dass der Krieg nicht geheim gehalten werden kann. Grundsätzlich lautet die übereinstimmende Empfehlung, Kinder so wenig Bilder wie möglich sehen zu lassen. Über alles, was die Kleinen aber sehen, sollten Eltern mit ihnen sprechen. Denn die größte Gefahr ist, dass die Bilder sich im Unterbewusstsein der Kinder festsetzen.

In Deutschland besteht keine Kriegsgefahr

Wichtig sei es dabei, selber keine unnötige Angst vor dem Krieg zu zeigen. Vor allem kleine Kinder bekommen sonst das Gefühl, ihre Eltern könnten sie nicht mehr beschützen, sagt Dieter Speck, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle in Viersen. "Dann geraten sie in Panik."

Größte Angst aller Kinder ist es, die eigenen Eltern zu verlieren. Mütter und Väter von Kleinkindern sollen deutlich machen, dass der Krieg Deutschland aus realistischer Sicht nicht bedroht. Kein Kind muss den Verlust seiner Angehörigen fürchten. Der Berliner Psychoanalytiker Horst Petri empfiehlt: "Holen Sie den Atlas, zeigen sie, wo der Irak liegt, und ziehen sie Vergleiche zu Entfernungen, die das Kind kennt." Für Grundschüler gilt, dass ihnen die Betroffenheit anderer Menschen, zum Beispiel ihrer Eltern, mehr Angst macht als die reale Katastrophe.

Den Worten Taten folgen lassen

Als hilfreich gilt, nicht nur über den Krieg zu sprechen. Eltern sollten ihre Kinder darin unterstützen, die Nachrichten aktiv zu verarbeiten. Das kann mit so einfachen Übungen geschehen, wie gemeinsamen Bilder malen oder eine Friedensbotschaft zu schreiben. Psychologe Speck empfiehlt auch, mit dem Kind an Demonstrationen teil zu nehmen. Solche Aktionen geben dem Kind das Gefühl, der Situation nicht vollkommen hilflos ausgeliefert zu sein. Speck: "So können die Kinder ein Zeichen setzen und bekommen das Gefühl, wichtig zu sein und einen Beitrag zu leisten."

Eltern sollten dem Krieg so viel Aufmerksamkeit widmen, wie die Kinder von sich aus fordern. Das Thema sollte niemandem aufgezwungen werden, aber auf keinen Fall sollte einer kindlichen Frage ausgewichen werden. Sollte ein älteres Kind von selber gar nicht auf den Krieg zu sprechen kommen, sollten Eltern von sich aus nachfragen, empfiehlt der Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

Experten sind besorgt, dass Erwachsene den Nachwuchs oft für weniger aufnahmefähig halten, als er wirklich ist. Wer sich allen Fragen offen stellt, kann in einem entscheidendem Entwicklungsstadium gesellschaftspolitisches Interesse wecken.

Informationen im Internet

Erwachsene sollten sich dabei nicht unter Druck gesetzt fühlen, mehr erklären zu müssen, als man selber versteht. Hilfe bieten kindgerechte Medien, die auch über das Internet zu erreichen sind. Das Wissenschafts-Magazin für Kinder "GEOlino" bietet genauso wie die Kindersendung des WDR "Lilipuz" auf seinen Seiten kindgerecht zusammengestellte Informationen zum Irak-Konflikt und dem Krieg. Auf der WDR-Seite für die "Sendung mit der Maus" ist ein Forum eingerichtet worden, in dem Kinder mit Gleichaltrigen über ihre Fragen und Überlegungen diskutieren können. Eltern.de bietet ein ähnliches Forum für Eltern, die sich über Krieg und Kinder austauschen möchten.

Kindgerechtes Fernsehen

Eine weitere Unterstützung für Eltern ist Fernsehprogramm, wie es der Kinderkanal anbietet. Der Sender geht dem Krieg nicht aus dem Weg, verzichtet in seinen Nachrichtensendungen aber auf Gewaltbilder. In den USA hat die Sesamstraße Beiträge für Kinder produziert, die die Kriegsangst mindern sollen. "Hast du schon mal Angst gehabt, wenn du etwas Schauriges im Fernsehen gesehen hast", fragt Elmo in den Spots und antwortet gleich selbst mit ja. Aber es helfe ihm, mit Erwachsenen darüber zu sprechen oder ein Bild zu malen.

David Heimburger

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