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KRIMINALITÄT: Plutonium-Affäre: Kripo denkt an Mordversuch

Der Krimi um den Plutonium-Dieb aus dem pfälzischen Eschbach schreibt ein neues abenteuerliches Kapitel: Nach Informationen aus Behördenkreisen ziehen die Ermittler in Erwägung, dass der 47-Jährige mit dem Nuklearmaterial seine Freundin umbringen wollte.

Aus diesem Stoff sind sonst nur schlechte Krimis: Ein Mann schmuggelt kurz mal Plutonium aus einer Atomanlage, in der er arbeitet. Vor seinem Sicherheitscheck in der Wiederaufbereitungsanlage (WAK) Karlsruhe stellt er das fünf Zentimeter lange Plastikröhrchen mit der radioaktiven Substanz samt einem hoch verstrahlten Wischtuch einfach neben der Schleuse ab und steckt beides hinterher seelenruhig in die Hosentasche. Ein Kinderspiel.

Zu Hause versteckt er die strahlende Beute zunächst in einem Kanonenofen. Seine Freundin wird durch den wahnwitzigen Coup lebensgefährdend verseucht. Als die Kripo ihm auf die Spur kommt, befiehlt er der Lebensgefährtin: »Schaff das Zeug weg, sonst muss ich in den Knast.« Die Frau packt hektisch das radioaktive Bündel ins Auto, fährt in die Nähe eines Segelflugplatzes bei Landau und wirft das in einem Gummihandschuh steckende Plutonium-Röhrchen schwungvoll in eine Brombeerhecke. Tagelang strahlt es im Grünen.

Seit einem Monat sitzt Johannes Meringes* in Untersuchungshaft. Röhrchen und Wischtuch mit dem Plutoniumstaub sind sichergestellt. »Ich wollte das nicht, ich wollte das nicht«, soll der 47-jährige Schlosser seiner Freundin Lieselotte Esser* stammelnd versichert haben. Ihr Krebsrisiko ist stark erhöht. Im Polizei-Verhör behauptet der Portugiese mit deutschem Pass

stereotyp: Mit seinem Schmuggel habe er auf Sicherheitslücken in der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, die seit 1996 stillgelegt ist und seitdem kontrolliert abgerissen wird, aufmerksam machen wollen. Doch das nimmt ihm die Staatsanwaltschaft nicht ab. Auch dafür, dass Meringes den gefährlichen Stoff eventuell für eine Erpressung nutzen wollte, gibt es bisher keinerlei vernünftige Hinweise.

Inzwischen schreibt der Krimi um den Plutoniums-Dieb aus dem pfälzischen Eschbach, der bis Mexiko Schlagzeilen machte, ein neues abenteuerliches Kapitel: Nach stern.de-Informationen aus rheinland-pfälzischen Behördenkreisen ziehen die Ermittler in Erwägung, dass Johannes Meringes mit dem hochgiftigen Nuklearmaterial seine Freundin umbringen wollte. Mordversuch mit Plutonium? Es wäre in Deutschland der erste Fall dieser Art. Doch richtig ermitteln können die Beamten bisher nicht - wegen akuter Strahlengefahr im Dienst! Auch das gab es noch nie. Die Wohnungen von Meringes und dessen Freundin sind hochgradig verseucht, konnten daher noch nicht durchsucht werden. Sie müssen erst dekontaminiert werden. Ein aufwendiges, langwieriges Unterfangen, das sehr teuer ist. Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg streiten nun darüber, wer die Kosten trägt.

Kühne These

Die Mordversuchs-These klingt kühn. Doch die Ermittler haben mehrere Anhaltspunkte. Auffällig ist, dass Meringes Freundin

mindestens zehn Mal stärker verseucht ist als er. Und nur bei ihr wurde, neben Plutonium und Americium, auch das hochgiftige Cäsium 137 festgestellt. Genauso gravierend ist das Ergebnis weiterer Untersuchungen: Meringes inhalierte »nur« die radioaktiven Stoffe, bei Lieselotte Esser aber wurden sie im Magen gefunden. Die 51-Jährige muss sie über den Mund aufgenommen haben.

Die starke radioaktive Verseuchung der Frau erfolgte nicht erst Anfang Juli, als sie auf Meringes Geheiß das Plutonium wegbrachte und hektisch die Wohnung putzte, sondern bereits Ende 2000. Gerade um diese Zeit hatte Meringes das Plutonium-Gemisch aus der WAK geschmuggelt und in seiner Wohnung versteckt. »Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er ihr von dem Stoff etwas ins Essen tat«, heißt es. Die 17-jährige Tochter von Lieselotte Esser ist leicht verstrahlt, nahm aber Radioaktivität offenbar auch Über den Mund auf. Dabei soll sie nur ganz selten in Meringes Wohnung gewesen sein. Ermittler fragen sich: Hat Meringes weiteres Nuklearmaterial in der Wohnung seiner Freundin deponiert?

Eine Zeugin aus dem privaten Umfeld von Johannes Meringes hat nach stern.de-Informationen den Verdacht geäußert, er habe das Plutonium mitgenommen, um zu reagieren, falls Lieselotte Esser ihn verlasse. Mehrfach habe er heftigen Streit mit der Freundin gehabt. Die Tochter von Lieselotte Esser sagte sogar aus, Meringes habe ihre Mutter verbal massiv bedroht.

Als sich Johannes Meringes, Vater zweier Söhne, und Lieselotte Esser 1993 kennenlernten, war der gebürtige Portugiese noch mit einer pfälzischen Bäckerstochter verheiratet. Und ein gemachter Mann. Er unterhielt fast 20 Bäckerfilialen. Lieselotte Esser arbeitete in einer dieser Filialen, unter anderem in der Buchhaltung. Wenige Jahre später ging das Handwerksunternehmen in Konkurs. Im Betrieb kam der Verdacht auf, Meringes könnte Geld aus der Firma abgezogen haben, doch es gab keine Beweise.

»Ein Desperado-Typ«

Nach der Scheidung und dem Konkurs wurde Meringes von seinem Bruder angestellt - er ist Chef der Firma, die mit den Abrissarbeiten an der WAK Karlsruhe beauftragt war. Die Einkünfte von Johannes Meringes waren jetzt deutlich spärlicher als früher, doch er lebte offenbar weiter auf großem Fuß, leistete sich teure Autos und Urlaubsreisen mit seiner Freundin Lieselotte Esser. Das Paar nahm sich in Landau eine gemeinsame Wohnung. Doch Ende 1999 kriselte die Beziehung, sie zogen in getrennte Wohnungen. Auch danach habe es wiederholt heftige Szenen zwischen den beiden gegeben, immer wieder habe man sie aber zusammen angetroffen, berichten Bekannte. Oft sei es ums Geld gegangen. Meringes hätten Schulden gedrückt. Er gebürtige Portugiese könne bei Konflikten sehr aufbrausend werden, »regellos«, zuweilen auch handgreiflich. Ein Desperado-Typ, sagen Bekannte.

Seine Freundin habe nichts davon gewusst, dass er radioaktives Material aus der WAK geschmuggelt habe, sagte Meringes bei Vernehmungen. Darauf pochen auch die Anwälte von Lieselotte Esser: »Als er sie aufforderte, das Zeug wegzuschaffen,

und sie das Röhrchen sah, dachte sie, es handle sich um eine Säure. Sie wusste nur, dass er immer wieder Wischtücher, Gummihandschuhe und einen Overall aus der Anlage mitgenommen hatte», sagen Stefan Beck und Bernd Lütz-Binder. Sie sehen ihre Mandantin, gegen die ermittelt wird, als Opfer von Meringes.

Lieselotte Esser wurde in der Krankenstation des Kernforschungszentrums Karlsruhe behandelt: »Wie es genau um mich steht, wurde mir bisher nicht mitgeteilt«, kritisiert die 51-jährige Landauerin. Sie sei psychisch schwer angeschlagen. »Nachts kann ich oft nicht schlafen.« Da in ihrer Wohnung alles verstrahlt sei, habe sie gar nichts mehr, kein Geld, keine Kleidung, keine Papiere. Und in der Bäckerei, wo sie bisher beschäftigt war, sei sie jetzt gekündigt worden. Außer meiner Familie kümmert sich keiner um mich und meine Tochter», klagt sie. «Es ist eine menschliche Katastrophe.»

Erhöhte Plutoniumwerte

Licht ins Dunkel dieses mysteriösen Falls sollen die polizeilichen Durchsuchungen der beiden verstrahlten Wohnungen bringen. Meringes? Anwalt Christian Opitz kritisiert den Kostenstreit zwischen Mainz und Stuttgart, der dies bisher verhindert habe: »Der Staat ist verpflichtet, Fälle schnell zu lösen. Das darf an Kosten nicht scheitern.« Zunächst müssen die verstrahlten Räume luft- und staubdicht gemacht werden, die verseuchte Luft wird über Filter abgesaugt. Die Plutoniumwerte sind im Moment zehn Mal höher als die radioaktive Außenbelastung von Castoren.

Mehr als ein Monat nach Meringes? Festnahme steht jetzt das Konzept, wie man den ungewöhnlichen Einsatz von Kripobeamten im radioaktiven Sperrbezirk in den nächsten Wochen möglich machen will. Die versiegelte Wohnung von Meringes in Eschbach liegt im zweiten Stock eines Sechs-Familien-Hauses. An der Balkontor wird eine Sicherheitsschleuse angedockt, durch die Ermittler die Wohnung betreten und verlassen sollen. Sie müssen Schutzanzüge mit Fremdluft tragen, dürfen sich in einem Zimmer nur jeweils zwei Stunden aufhalten.

Bizzares Szenario

Es ist ein bizarres Szenario: Die als Atomarbeiter verkleideten Ermittler dürfen Aktenordner oder Telefonregister nicht aufmachen. Sonst wirbelt Staub auf, der die Luft mit Radioaktivität auflädt. Mit Videokameras werden die Beamten in den Räumen filmen, im Monitorwagen vor dem Haus verfolgt der Staatsanwalt den »atomaren« Einsatz. Überlegt wird, ob man später sämtliche Gegenstände, die ermittlungstaktisch wichtig sein könnten, strahlensicher verpackt, in die WAK Karlsruhe bringt und in den dortigen Schutzräumen sichtet. Im Haus, in dem Meringes bisher lebte, herrscht derweil Gelassenheit. Eine junge Frau ist gerade gegenüber der verstrahlten Wohnung eingezogen: »Ich hab da kein Problem. Uns wurde gesagt, es besteht überhaupt keine Gefahr.«

Der in dieser Form einzigartige Plutonium-Klau von Karlsruhe scheint jedoch manche Strahlenschützer überfordert zu haben. In der Hektik war vergessen worden, bei der Sperrung der Wohnungen Rolläden herunterzulassen. Im Falle der ebenerdig liegenden Wohnung von Lieselotte Esser in Landau mussten nachträglich von außen Sicherheitsfolien an Fenstern angebracht

werden - man hatte gemerkt, dass Kinder vor dem Haus Fußball spielen. »Wir erleben einen solchen Fall zum ersten Mal, da werden auch Fehler gemacht«, bekennt der Sprecher der zuständigen Strukturdirektion in Neustadt, Henning Miehe.

Eklatanter als bisher bekannt sind die Sicherheitsmängel in der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe. Nach stern.de-Informationen wurde ein Torbereich bisher von 17 Uhr an entweder gar nicht oder nur von einer Person bewacht. »Da hätte man auch größere Gegenstände rausschmuggeln können«, sagt ein WAK-Insider. Der Sicherheitszaun an diesem Tor 7 sei zudem an einer Stelle so niedergetrampelt, dass man dort das Gelände mühelos verlassen könne.

Esser-Anwalt Stefan Beck, Sohn des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD), sieht bei der WAK Karlsruhe »eine große Mitverantwortung in diesem Fall«. Sein Kollege Bernd Lütz-Binder sagt sarkastisch: »Am Fuße des Ätna lebt man berechenbarer als an der WAK.«

(* Namen von der Redaktion geändert)

Rainer Nübel / Tilman Wörtz

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(