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Alternatives Heilmittel: Manuela Schwesig in der Kritik – weil sie Schirmherrin für einen Homöopathen-Kongress ist

In Stralsund findet Ende Mai der Deutsche Ärztekongress für Homöopathie statt. Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wird dafür Schirmherrin sein – und erntet jetzt heftige Kritik dafür.

SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig

SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig

DPA

Unter dem Titel "Homöopathie und das Meer – Vom Ursprung des Lebens" tagt vom 29. Mai bis 1. Juni der Deutsche Ärztekongress für Homöopathie in Stralsund. Mit allerlei Diskussionen und Vorträgen wird über die medizinische Behandlung mit Globuli gesprochen. Wie bei vielen Kongressen üblich, hat auch eine Persönlichkeit aus der Politik die Schirmherrschaft übernommen. In diesem Fall ist es Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

In einem Grußwort richtete sie sich an die Kongressteilnehmer: "Es ist mir eine große Freude, Sie anlässlich der Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärztinnen und Ärzte in Stralsund willkommen zu heißen." Das Bundesland an der Ostsee sei laut Schwesig prädestiniert für das Leitthema des Kongresses. "Es ist sehr wichtig, zum Beispiel darüber zu forschen, wie (...) alternative Methoden wie die Homöopathie in der Therapie wirksam eingesetzt werden können", so Schwesig laut dem Grußwort, welches der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte veröffentlichte. Entscheidend sei, was den Patienten helfe, so Schwesig weiter.

Kritik von Ärzten und Politikern an Manuela Schwesig

Dass die SPD-Politikerin die Schirmherrschaft für den Homöopathie-Kongress übernommen hat, sehen einige allerdings kritisch, wird die Wirkung von homöopathischen Mitteln wie Globuli doch heftig diskutiert. Manche sehen in der Homöopathie nicht nur eine unwirksame Heilmethode, sondern auch ein unaufgeklärtes Weltbild, so wie die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Welt", dass Homöopathie "Mumpitz" sei und "gefährlich". 

Aber allen voran sind es Ärzte, die Schwesigs Entscheidung, die Schirmherrschaft zu übernehmen, kritisieren. So richtet sich etwa das Infonetzwerk Homöopathie in einem offenen Brief an Schwesig und fordert von der Ministerpräsidentin "künftig davon abzusehen, durch – zweifellos wohlmeinendes – Engagement dem falschen und unangemessenen öffentlichen Ansehen der Homöopathie noch zusätzlich Nahrung zu geben".

Auch bei vielen anderen sorgt Schwesig als Schirmherrin für den Homöopathen-Kongress für Kopfschütteln, unter anderem beim Metereologen Jörg Kachelmann. Für manche ist Schwesigs Schirmherrschaft sogar Anlass für eine Kritik an der SPD, wie bei Twitter nachzulesen ist.

Inzwischen hat Manuela Schwesigs Sprecher die Schirmherrschaft verteidigt, berichtet der "Nordkurier". Es gehe nicht darum, sich mit der Schirmherrschaft in den Methodenstreit über Homöopathie einzuschalten, so Andreas Timm. Schwesig sei vielmehr Schirmherrin, "weil hier ein bundesweiter Medizinkongress zu uns ins Land nach Stralsund kommt. Die Frage, ob und wie Homöopathie sinnvoll eingesetzt werden kann, kann nur Gegenstand von Forschung und wissenschaftlichem Austausch sein".

Laut dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte sei es nicht ungewöhnlich, dass sich Politiker zur Homöopathie bekennen. So übernahm die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), 2017 die Schirmherrschaft beim Homöopathischen Weltärztekongress 2017 in Leipzig. Und der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens, ebenfalls CDU, gründete mit seiner Frau 1982 sogar eine Stiftung zur Förderung von Naturheilkunde und Homöopathie.

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Quellen: Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, Infonetzwerk Homöopathie, "Nordkurier", "Welt" (1), "Welt" (2)

rw