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Berliner Polizei ermittelt: Sicherheitskräfte prügeln und treten auf Flüchtlinge ein

In einem Video ist zu sehen, wie Security-Mitarbeiter vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales auf Flüchtlinge einprügeln und -treten. Der Behördenchef ist entsetzt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Flüchtlinge stehen dicht an dicht Schlange auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales.

Etwa 200 Flüchtlinge warten in Berlin auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) haben Sicherheitskräfte Flüchtlinge geschlagen und getreten, die auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warteten. Das ist auf einem Video zu sehen. Bereits seit mehreren Wochen ist die Lage vor dem Berliner Amt angespannt. Täglich stehen davor hunderte Flüchtlinge an und warten über Stunden bei zunehmend kaltem Wetter auf ihre Registrierung.

Am Donnerstag eskalierte die Situation. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtet, wurde bei der Prügelei ein Mann aus dem Irak am Auge und an der Hand verletzt. Er wollte laut "RBB" zu seinem Cousin in das Gebäude des Amtes. Er soll sich durch die Absperrung ins Gebäude gedrängelt haben, daraufhin wurde er von den Sicherheitskräften  attackiert. Ein Bekannter wollte dem Mann offenbar helfen, dann wurde auch er vom Sicherheitspersonal angegriffen und verletzt. 

"Ich war entsetzt, als ich diese Bilder gesehen habe", sagte Behördenchef Franz Allert dem "Tagesspiegel", der das Video zuerst veröffentlicht hatte. "Wir haben die Sicherheitsfirma bereits aufgefordert, umgehend zu dem Vorfall Stellung zu nehmen."


Inzwischen ermittelt die Polizei gegen mehrere Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes Spysec, der vor dem Lageso im Einsatz war. Wie der "Tagesspiegel" erfuhr, sind die Mitarbeiter bis Ende der Ermittlungen suspendiert. Die Polizei untersucht den Fall im Bezug auf "wechselseitige Körperverletzung". Offenbar hatten sowohl die beiden Flüchtlinge als auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes nach dem Vorfall gegenseitig Anzeige erstattet.

Schon zuvor war das Sicherheitspersonal vor dem Amt für seine raue Arbeitsweise kritisiert worden. "Vor allem die neueren Mitarbeiter gehen schlecht mit den Menschen um und treiben sie wie Vieh über das Gelände", schilderte Christiane Beckmann von der Initiative "Moabit hilft" dem "Tagesspiegel". Es gebe jedoch auch viele engagierte Mitarbeiter. Laut Beckmann wurden auch Journalisten vor dem Amt beim Filmen der Schlägerei von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes bedroht.

jen