Leser-Kommentar Unverantwortlicher Umgang mit Soldaten

Nach den Meldungen, dass Kampfeinsätze Soldaten vermehrt traumatisieren, ist eine Diskussion unter den Usern ausgebrochen: Wie muss man mit rückkehrenden Soldaten umgehen? stern.de-User Volker Rockel sagt: "Was man mit diesen deutschen SoldatenInnen in Afghanistan macht, ist unverantwortlich!" Wir stellen seine Meinung vor.

Unter dem Titel "Kampfeinsätze traumatisieren Soldaten" haben wir vor einigen Tagen berichtet, dass immer mehr Soldaten mit psychischen Problemen von Kampfeinsätzen zurückkehren. Im ersten Halbjahr 2009 stieg die Zahl der Betroffenen laut Medienberichten um 35 Prozent auf 163 Fälle an. Im gesamten vergangenen Jahr waren demnach 245 Fälle gezählt worden, davon 226 in Afghanistan. Zudem sind nur die Hälfte der vorgesehenen 40 Facharztstellen für Psychiatrie bei der Bundeswehr besetzt.

Die Zahlen lösten unter den stern.de-Lesern eine Debatte über den Umgang mit den deutschen Soldaten am Hindukusch aus. Neben der Frage, inwiefern der Einsatz politisch hinnehmbar sei, wurde darüber debattiert, wie hoch das Berufsrisiko für Soldaten sei.

Beim Lesen der Kommentare sind uns viele fundierte und sachliche Meinungen aufgefallen. Leser Volker Rockel haben wir gebten, seinen Standpunkt veröffentlichen zu dürfen.

Was man mit diesen deutschen SoldatenInnen in Afghanistan macht, ist unverantwortlich!

Von Volker Rockel

Man schickt sie zum Teil unzureichend ausgebildet, mit einer unzureichenden Ausstattung und Ausrüstung in ein Land, dass sie nicht kennen, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist. Versehen mit dem Auftrag "Deutschlands Freiheit am Hindukusch zu verteidigen"! Diese SoldatenInnen verbringen jeweils rund sechs Monate in den Feldlagern von Masar-i-Scharif, Kundus, Feyzabad, Taloqan oder in Kabul. Die Masse derer, die als SoldatenInnen in dieses Land geschickt worden sind um den Aufbau zu unterstützen, werden in den sechs Monaten die Feldlager, wegen der extrem bedrohlichen Sicherheitslage, nie verlassen können! Für viele der SoldatenInnen spielt sich der sogenannten Hilfseinsatz in Afghanistan ausschließlich in den Feldlagern und in ihren Köpfen ab!

Da die Personaldecke der Bundeswehr, mit über 7000 SoldatenInnen in Auslandseinsätzen, inzwischen derart dünn geworden ist, müssen freiwillige Wehrpflichtige wie auch Reservisten (in Afghanistan sind es derzeit 310) die Lücken füllen! Viele der Soldaten haben bereits mehrere Einsätze in Afghanistan hinter sich!

Unzureichende Ausrüstung

Sicherlich ist es richtig, dass auf familiäre Verhältnisse Rücksicht genommen wird! Nur, kann man davon ausgehen, dass jeder der SoldatenInnen tatsächlich mit eine Höchstmaß an Freiwilligkeit zu seinem vierten oder fünften Einsatz nach Afghanistan geht? Könnte es vielleicht sein, dass viele der Zeitsoldaten auf eine Übernahme in ein Berufssoldatenverhältnis hoffen und möglicherweise nur unter dem Druck der beruflichen Perspektive, neuerlich nach Afghanistan gehen?

Wer mag gerne in einem Land stationiert sein oder Patrouille fahren, dass zum größten Teil von feindlichen Taliban kontrolliert wird? Taliban die inzwischen bestimmen können wann, wo und wie sie deutsche SoldatenInnen angreifen? Wer mag sich gerne auf Fahrzeuge verlassen wollen, die unzureichend ausgerüstet sind (MGs die nicht nach hinten schießen können), die nicht ausreichend geländegängig sind (in einem Land wo fast keine Straßen existieren!); mit Fahrzeugen, in denen sich noch nicht einmal die Schultergurte mit dem Schutzwesten vertragen! Mithin SoldatenInnen in einer Art und Weise ausgestattet sind, die weder dem Auftrag noch der Bedrohungslage in Afghanistan gerecht werden?

Wer mag gerne in einen Auftrag eingebunden sein, der bei objektiver Betrachtung als gescheitert angesehen werden muss und sich offensichtlich die verantwortlichen Politiker dieser Erkenntnis verweigern?

Politik beeinflussen

Mithin gibt es viele Belastungssituationen die auf den Mitbürgern lasten, die am Hindukusch als SoldatenInnen vorgeblich Deutschlands Freiheit verteidigen müssen! Nur wer hat sich seitens der Politik nach 8 Jahren Afghanistaneinsatz der Bundeswehr mal die Mühe gemacht zu untersuchen, welche vielfältigen physischen wie auch psychischen Belastungen die SoldatenInnen tatsächlich ausgesetzt sind?

Die SoldatenInnen in Afghanistan haben unsere ungeteilte Unterstützung verdient! Und weil es um Mitbürger geht, die in einer besonderen Verpflichtung zu diesem Staat stehen und als SoldatenInnen in "Befehl und Gehorsam" eingebunden sind, liegt es an uns Bürgern auf die verantwortlichen Politiker einzuwirken und Klarheit in die politische Entscheidung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zu bringen! Die Politik allein scheint in unserem Land hierzu derzeit nicht mehr in der Lage zu sein!


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