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Londoner Flugzeug-Attentäter: Drahtzieher schon länger beobachtet

Telefongespräche und E-Mails des britischen Staatsbürgers und Al-Kaida-Mitglieds Rashid Rauf sollen schon über einen längeren Zeitraum überwacht worden sein.

Die britische Polizei hat unterdessen einen der insgesamt 24 Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt, die nach Aufdecken der Attentatspläne festgenommen worden waren. Die britische Polizei hat unterdessen einen der insgesamt 24 Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt, die nach Aufdecken der Attentatspläne festgenommen worden waren. 19 von ihnen waren laut einer Liste der Regierung in England gemeldet, ihre Namen wiesen jedoch auf eine Herkunft aus der islamischen Welt. Moslemgruppen werfen der britischen Regierung vor, mit ihrer Außenpolitik den Extremismus unter in England lebenden Moslems zu schüren.

Die pakistanischen Behörden hätten von Großbritannien den Tipp erhalten, dass sich Rauf in Pakistan aufhalte, erfuhr Reuters aus Sicherheitskreisen. Die Erkenntnisse aus den Telefonaten und E-Mails halfen demnach bei der Aufdeckung der Anschlagspläne. Unklar blieb zunächst, wie lange Rauf bereits überwacht worden war, bevor er den pakistanischen Fahndern ins Netz ging. Seine Festnahme war am Freitag bekannt gegeben worden. Rauf soll der Kopf der Verschwörer sein, deren Attentaten mehrere Tausend Menschen hätten zum Opfer fallen können. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter mit Flüssigsprengstoff Passagiermaschinen in die Luft jagen wollten.

Nach pakistanischen Angaben ist Rauf Mitglied der Extremisten-Organisation Al-Kaida. In Pakistan wurden Geheimdienstangaben zufolge zuletzt vier weitere Verdächtige in Zusammenhang mit den Anschlagsplänen festgenommen. Damit stieg die Zahl der in Pakistan gefassten Personen auf elf, darunter zwei Briten.

Moslemgruppen geben der Regierung eine Mitschuld an der Radikalisierung

Unterdessen gaben Moslemgruppen in Großbritannien der Regierung eine Mitschuld an der Radikalisierung von Moslems in dem Land. "Das Debakel im Irak und nun das Scheitern, ein sofortiges Ende der Angriffe auf Zivilisten im Nahen Osten sicherzustellen, erhöht nicht nur das Risiko für die Menschen in der Region. Es liefert auch den Extremisten Munition, die uns alle bedrohen", hieß es in einem offenen Brief an Premierminister Tony Blair, der am Samstag in der "Times" veröffentlicht wurde.

Die Moslemgruppen forderten Blair in ihrem Brief auf, seine Außenpolitik zu ändern und die Bemühungen zur Bekämpfung des Extremismus und des Terrorismus deutlich zu steigern. Der Brief wurde auch von sechs Politikern der Labour-Partei Blairs unterzeichnet. In Reaktion auf das Schreiben betonte der britische Verkehrsminister Douglas Alexander in einem Fernsehinterview: "Nichts rechtfertigt die Art von Taten, die Terroristen verüben."

Nach Aufdeckung der jüngsten Anschlagspläne war bei Moslems in Großbritannien erneut die Angst gewachsen, wegen der Anschläge von Extremisten unter Generalverdacht zu geraten. Vor mehr als einem Jahr waren bei Anschlägen auf das Londoner Nahverkehrssystem 52 Menschen getötet worden. Hinter den Selbstmordanschlägen steckten britische Moslems.

Viele Moslems lehnen die Beteiligung Großbritanniens an der US-Offensive im Irak ab. Blair ist zudem in die Kritik geraten, weil er sich nicht für einen sofortigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz ausgesprochen hat, die sich seit rund einem Monat heftige Gefechte liefern.

Reuters