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Maifeiertag: Krawall-Tradition in Kreuzberg wurde gepflegt

Nix neu macht der Mai: Wie in den Jahren zuvor ist es am Maifeiertag in Berlin zu Straßenschlachten zwischen der Staatsmacht und der autonomen Szene gekommen. Immerhin: "War schon mal schlimmer", sagt die Polizei.

Erneut ist es am 1. Mai in Berlin zu Krawallen gekommen. Erstmals seit Jahren wurde aber noch Einschätzung von Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) das Ritual der Gewalt durch einen konsequenten Polizeieinsatz durchbrochen. Die Ausschreitungen waren laut Polizei nicht so heftig wie in den Vorjahren.

Am Samstagabend hatten sich gewalttätige Autonome in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Polizei ging mit Tränengas, Wasserwerfern und Räumpanzern gegen die Menge vor. Körting lobte am Sonntag das Eingreifen von rund 8000 Polizisten aus elf Bundesländern. Am 1. Mai wurden mit 348 Randalierern deutlich mehr festgenommen als im Vorjahr. Bislang ergingen 44 Haftbefehle. Den Störern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Körting sagte: "Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist das Ritual der Gewalt, das Berlin in der Walpurgisnacht und am 1. Mai beherrscht hat, durchbrochen." Jedoch waren mit 192 verletzten Polizisten mehr Beamte als 2003 betroffen. Seit 1987 gab es am 1. Mai in Berlin immer wieder Krawalle.

Nur ein Auto brannte

Störer wurden auch in der Walpurgisnacht von Freitag auf Samstag und bei Ausschreitungen am Rande einer Demonstration der rechtsextremen NPD im Stadtteil Lichtenberg festgenommen. Zudem gab es 620 Platzverweise. Die Beamten sorgten laut Körting dafür, dass deutlich weniger Straftaten als in den Vorjahren verübt wurden. So sank die Zahl der Sachbeschädigungen von 170 auf 60. Ein Auto wurde in Brand gesteckt. Im Vorjahr waren es noch 18.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte die Sicherheitskräfte. Die Strategie zur Bewältigung des 1. Mai sei aufgegangen, sagte er der dpa. "Die Berliner Polizei ist den Anforderungen, die an eine Hauptstadt-Polizei gestellt werden, gerecht geworden."

Bereits am Nachmittag des Feiertages hatten linke Randalierer bei der NPD-Demonstration die Beamten über Stunden attackiert. Etwa 3000 Linke blockierten den Aufzug der 2300 Rechten. Die Scheiben mehrerer Banken und Geschäfte gingen zu Bruch. Am Abend kippte nach Einbruch der Dunkelheit im friedlich feiernden Stadtteil Kreuzberg die Stimmung.

Rund 300 zum Teil Vermummte griffen Beamte an und warfen Steine und Flaschen. Bis nach Mitternacht flammte die Gewalt immer wieder auf. Die Polizei trieb die zumeist alkoholisierten Jugendlichen mit Wasserwerfern wiederholt auseinander. Müllcontainer gingen in Flammen auf. Steine wurden aus dem Straßenplaster gerissen.

"Nicht am Gängelband des Senats"

Die Strategie der Polizei stieß selbst bei der Opposition auf Lob. Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Roland Gewalt sagte, im Vergleich zu den Vorjahren hätten Polizei und BGS nicht am Gängelband des rot-roten Berliner Senats gestanden. Die Gewerkschaft der Polizei forderte angesichts des Großeinsatzes, Personalabbau und Einsparungen bei der Polizei zu stoppen. Die Einsatzkräfte hätten gezeigt, wozu eine ausreichende Zahl an Polizeikräften in der Lage sei.

In Leipzig protestierten am Samstag rund 1000 Menschen friedlich gegen einen Neonazi-Aufmarsch. Laut Polizei gab es keine Zusammenstöße mit den rund 900 Rechtsextremisten, die vom Hamburger Neonazi Christian Worch angeführt wurden.

DPA / DPA