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TV-Kritik

"Maischberger – die Woche": Bodo Ramelow stellt sich bei Maischberger – weicht den wichtigen Fragen aber aus

Weil Bodo Ramelow nicht nur daran gemessen werden will, was andere über ihn erzählen, stand er bei Maischberger Rede und Antwort. Leider war der Erkenntnisgewinn der Sendung dennoch überschaubar.

Von Andrea Zschocher

Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens Bodo Ramelow im Gespräch mit Sandra Maischberger 

Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens Bodo Ramelow im Gespräch mit Sandra Maischberger 

Bei "Maischberger – die Woche" sprach Bodo Ramelow über Absprachen im Thüringer Landtag, den Tabubruch und Neuwahlen. Der Frage, wie genau es zu eben jenen kommen soll, wenn die CDU weiterhin nicht bereit ist, Ramelow zu wählen, wich er mehrfach ungalant aus.

Ramelow erklärte, dass er allen Parteien mit Ausnahme der AfD im Vorfeld der Ministerpräsidentschaftswahlen Gespräche angeboten hatte. Für ihn sei seit dem 23. November klar gewesen, dass auch die CDU mit ihm daran arbeitete, eine gute Lösung zu finden. Die CDU hatte ihm einen Brief überreicht, in dem 22 Punkte aufgezeichnet waren, warum die Partei ihn nicht wählen würde. 

Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens Bodo Ramelow im Gespräch mit Sandra Maischberger 

Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens Bodo Ramelow im Gespräch mit Sandra Maischberger 

Gleichzeitig ging Ramelow aber davon aus, dass es ein gemeinsames Verständnis darüber gegeben hätte, dass eine Minderheitenregierung auch von Seiten der CDU unterstützt werden würde. Von einer Absprache, dass vier Mitglieder der CDU während der Wahl auf Toilette gehen sollten, um so der Abstimmung fern zu bleiben und ihm auf diese Weise ins Amt zu helfen, wollte Ramelow nichts wissen. Auf Maischbergers Nachfrage, dass er genau das ja in einer Boulevardzeitung erklärt hätte, wurde Ramelow wütend. Die Zeitung würde Dinge behaupten, die nicht stimmen und er hätte diesen Kommentar nicht abgegeben.

Angespannte Stimmung bei Ramelow und Maischberger

Die Stimmung im Interview mit Sandra Maischberger war angespannt, beide Gesprächsparteien fielen sich mehrfach ins Wort. Ungehalten reagierte Ramelow als die Journalistin ihn mehrfach danach fragte, wie er die nötigen Stimmen für die Neuwahlen von CDU und FDP zusammenbekommen möchte. Er sei in die Sendung gekommen, um Rede und Antwort zu stehen, nicht für "billigen Klamauk."

Bodo Ramelow über …

Absprachen: Ramelow berichtete, dass es Hinweis darauf gibt, dass sich am Dienstagabend vor der Wahl einige Mitglieder von CDU und AfD in einer Erfurter Kneipe getroffen haben sollen. Auch Wolfgang Tiefensee soll Thomas Kemmerich vor der Wahl darauf angesprochen haben, ob dieser sich sicher sei, zur Wahl antreten zu wollen.

Neuwahlen: An diesem Punkt blieb Ramelow vage. Wie es ihm gelingen will, die benötigten Stimmen zu bekommen um Neuwahlen zu beschließen, darauf gab der Politiker die immer gleiche Antwort, dass es ab Montag Gespräche geben würde, die hoffentlich zum Ziel führen. Und diese Gespräche würden den Weg zur Neuwahl schon ebnen. Sollte er die Stimmen nicht zusammenbekommen, drohen 150 Tage ohne Landesregierung. Ein bisschen klang das durchaus auch wie Erpressung. Ramelow befand, dass "jeder, der fürs Volk arbeitet" sich fragen muss, "wie es zu einer Landesregierung kommen kann."

Thüringen: Ramelow polarisiert mit Hitler-Zitat zu Kemmerich

den Tabubruch: Dass Kemmerich die Wahl angenommen hatte, sei ein Tabubruch gewesen. Seinen Tweet, der Höcke und Kemmerich mit Hitler und Hindenburg verglich, hatte er trotzdem wieder gelöscht. Höcke sei kein "Wiedergänger" Hitlers, aber er hat ein Ziel: "Er will diesen demokratischen Rechtsstaat von innen aushöhlen." Den Tweet hatte Ramelow dennoch gelöscht, weil die Identitäre Bewegung ihn zum Ziel erklärt habe und seine Familie unter Polizeischutz steht. "Ich habe viel erlebt, aber sowas nicht."

… den Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer: "Es grämt mich. Es ist genau das Geschäft der AfD, das mir Angst macht. Ich glaube an die Notwendigkeit von parlamentarischer Parteien." Aber diese dürfen sich nicht über den Willen der Wähler hinwegsetzen.  

… über den Unrechtsstaat DDR: Ramelow sprach davon, dass in der DDR viel Unrecht geschehen sei. Den Unrechtsbegriff von Fritz Bauer lehnt er aber ab. Das ist es aber, was die anderen Parteien von ihm fordern. Gleichzeitig machte der "Linke"-Politiker klar: "Auch eine Diktatur wie die DDR darf sich nicht wiederholen."

über seine Person: "Ich bitte darum, daran gemessen zu werden, was ich getan habe, nicht, was andere über mich erzählen."

Das Gespräch mit Maischberger machte vor allem deutlich, dass im Thüringer Landtag noch gar nichts geklärt ist. Der Schock vom letzten Mittwoch sitzt tief, eine Lösung, wie es weitergeht, scheint im Moment aber auch noch in weiter Ferne zu liegen.