Mannesmann "Ackermann, mach' Dich vom Acker, Mann!"


Nach der Aufhebung der Freisprüche im Mannesmann-Prozess haben Vertreter von SPD, Union und Grünen grundlegende Änderungen in der Unternehmensführung gefordert. Vor allem empfahlen sie Josef Ackermann nachdrücklich den Rücktritt.

"Herr Ackermann hat schon oft unter Beweis gestellt, dass Fingerspitzengefühl nicht seine Stärke ist", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß der "Financial Times Deutschland" vom Donnerstag laut Vorabbericht und fügte hinzu: "Er ist nun in einer Situation, wo er die Perspektiven einmal überprüfen sollte."

Auch Bundestags-Vizepräsidentin Susanne Kastner forderte den Rücktritt des Managers: "Herr Ackermann sollte überlegen, ob ein solcher Schritt für die Bank und ihre Kunden nicht das Beste ist", sagte die SPD-Politikerin dem "Tagesspiegel" von Donnerstag. Rücktrittsforderungen kamen auch von den Grünen. Unions-Finanzexperte Otto Bernhardt rechnet nach eigenen Worten damit, dass sich der Bank-Chef früher oder später dem öffentlichen Druck beugen wird.

Ackermann will im Amt bleiben

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte am Mittwoch die Freisprüche von Ackermann und fünf weiteren Angeklagten im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Sie müssen sich nun erneut vor Gericht wegen Millionen-Abfindungen im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme verantworten. Im Kern geht es um 57 Millionen Euro Prämien und Abfindungen, die bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone geflossen waren. Ackermann selbst kündigte an, in jedem Fall im Amt bleiben zu wollen.

Kastner sagte, das "mutige Urteil" des BGH könne einen Beitrag dazu leisten, dass "die Unternehmer sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden". Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Matthias Berninger, forderte im "Tagesspiegel": "Bei der Deutschen Bank müssen jetzt die Konsequenzen gezogen werden, und die heißen: Mach Dich vom Acker, Mann."

Zukunft der Bank liegt nicht in Ackermanns Hand

"SPD-Experte Poß betonte allerdings, die Zukunft des Deutsche Bank-Chefs liege nicht allein in dessen eigener Hand. "Es ist auch die Aufgabe des Aufsichtsrates, sich mit der Frage auseinander zu setzen, ob eine große deutsche Bank so geführt werden kann." CDU-Finanzpolitiker Bernhardt rechnet nach eigenen Worten mit einem Rücktritt Ackermanns. "Ein Jahr lang öffentlich vorgeführt zu werden, das hält Ackermann vielleicht als Person durch, aber nicht als Vorstandsvorsitzender. Den Druck wird er nicht lange durchhalten", sagte er der "Financial Times Deutschland". Die hohen Abfindungszahlungen bei der Mannesmann-Übernahme hätten der deutschen Wirtschaft geschadet und seien in der Bevölkerung auf Unverständnis gestoßen.

Zudem entfachte die Aufhebung der Freisprüche eine Debatte über politische Konsequenzen. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle forderte einen Entscheidungsvorbehalt der Aktionäre bei Abfindungszahlungen. "Notwendig sind außerdem eine Begrenzung der Zahl der Aufsichtsratsmandate und Sanktionen im Fall einer Nichtentlastung von Aufsichtsräten", betonte er.

"Wer nur auf Aktienkurs schielt, verliert Verantwortung

Linkspartei-Vizechef Bodo Ramelow sagte, der Gesetzgeber müsse die Regelungen für Manager enger und klarer fassen. Die Managerbezahlung mit Aktienoptionen müsse abgeschafft werden. "Wer nur auf den Aktienkurs schielt, verliert die Verantwortung gegenüber den Beschäftigten aus dem Blick."

Rechtsexperten bezeichneten eine Verurteilung Ackermanns und der anderen Angeklagten in einer Neuauflage des Prozesses für wahrscheinlich. Der BGH habe den Verteidigern "sämtliche Argumente zerschossen", sagte der Münchner Strafrechtler Bernd Schünemann dem "Handelsblatt". Für eine Freispruchstrategie werde es daher schwierig.

Reuters Reuters

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