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TV-Kritik

"Markus Lanz": Lanz knöpft sich Gauland vor: "Das ist albern, das ist albern"

Einer der Gäste bei Markus Lanz war Alexander Gauland. Zunächst verlief das Gespräch in ruhigen Bahnen, weil der AfD-Chef routiniert kritische Fragen parierte. Doch der Moderator blieb hartnäckig – und hatte die besseren Argumente.

Moderator Markus Lanz und AfD-Chef Alexander Gauland

Nach den großen Erfolgen der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg gibt es - wieder mal - Klärungsbedarf. Zu diesem Zweck hatte Markus Lanz den AfD-Chef Alexander Gauland in seine Sendung eingeladen. Neben Gauland nahmen der jüdische Gastronom Uwe Dziubella aus Chemnitz, der Journalist Robin Alexander von der Tageszeitung "Die Welt" und die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti Platz.

Wer sich nun auf ein Gespräch zwischen Lanz und dem AfD-Chef einstellte, das in den gewohnten Bahnen verlief, wurde enttäuscht. Lanz führte Gauland mit tatkräftiger Unterstützung des "Welt"-Journalisten Alexander argumentativ vor und brachte den AfD-Chef in arge Bedrängnis. Die Verlogenheit der Rechtspopulisten ("Wir schüren keine Ressentiments") wurde klar zu Tage befördert, sodass sogar das Publikum im Studio an mehreren Stellen über Gauland lachen musste.

Das Gespräch begann mit der Frage nach dem Wahlerfolg der AfD in Brandenburg und Sachsen. Gauland dazu: "Wir profitieren von den Fehlern der anderen, wir sind das Sprachrohr." Erheiternd war der Hinweis von Alexander, dass die AfD teilweise die alte Rhetorik der Linken benutze, wenn sie die Folgen der Wende beklage. Beim Thema Rentenkonzept der AfD geriet Gauland das erste Mal ins Schwimmen, weil die AfD nun mal kein beschlossenes Rentenkonzept hat und es ganz unterschiedliche Vorstellungen darüber in der Partei gibt (Umlagenfinanzierung versus Steuerfinanzierung). Zur von Björn Höcke vorgeschlagenen Rente nach deutschem Pass äußerte sich Gauland zurückhaltend.

Gauland plädierte einst für eine liberale Einwanderungspolitik

Die Diskussion nahm Fahrt auf, als Lanz aus einem Artikel aus den neunziger Jahren zitierte, den Gauland, damals noch CDU-Mitglied, verfasst hatte. Darin plädierte er unter anderem für eine "liberale, tolerante Einwanderungspolitik" und Lanz fragte: "Was ist seitdem passiert?"

Gauland erwiderte das, was man erwarten konnte. Die Zeiten hätten sich seitdem verändert. Genauer: Die Situation in Bezug auf Einwanderung sei eine komplett andere gewesen, in den Neunzigern hätte es "keine Massenemigration aus Afrika" gegeben. Lanz bohrte auf Grundlage des Artikels weiter. Im selben Text sprach sich Gauland damals gegen eine Koalition seiner CDU mit den rechtsnationalistischen Republikanern aus, weil "Ressentiment kein Programm" sei. Gauland bestritt das nicht, und damit war die Fassade des AfD-Chefs gebrochen.

Als Lanz nachhakte, dass doch die AfD gezielt mit Ressentiments arbeite, bestritt Gauland das und sprach von "Zuspitzungen im politischen Kampf". Im Publikum gab es daraufhin Gelächter. Gauland wand sich erneut heraus: "Nach 2015 haben wir eine Wasserscheide gehabt". Lanz hielt dagegen: "Wir drehen uns da im Kreise und das ist auch argumentativ nicht gerade überzeugend."

Gaulands Aussagen werden entlarvt

Schließlich wurde es hitziger, als es um das Gaulandsche Wort der "Machtergreifung" ging. Wieder wehrte sich der AfD-Chef, er habe lediglich einen Begriff aufgenommen, der der AfD vom politischen Gegner unterstellt werde. Der Journalist Alexander entlarvte diese Aussage: "Mittlerweile reden die dominierenden Kräfte in der AfD doch offen rechtsextrem. Wenn Sie sich anschauen, wie Herr Höcke auftritt – mit Fahnen, mit Abzeichen. Was erwarten Sie denn? Dass wir darüber hinwegsehen?"

Gleiches Ping-Pong-Spiel im Fall von Björn Höcke. Selbstverständlich seien die Medien schuld, so Gauland, die die Aussage vom "Denkmal der Schande" verdreht hätten  "Höcke hat eine Rede gehalten, die bewusst falsch von den Medien interpretiert worden ist." Lanz unterbrach die Ausflüchte des AfD-Politikers: "Das ist albern, das ist albern."

Collage: Alexander Gauland, Aktivistin mit einem Schild in der Hand

Lanz bohrte beim Thema Rhetorik der AfD weiter nach und wollte wissen, warum Gauland Angela Merkel wiederholt als "Diktatorin" bezeichnet hatte. Gauland reagierte aufgebracht: "Ich habe diese Formulierung gebraucht, weil ich ihre Entscheidung, eine Million Menschen in dieses Land zu lassen und weder den Bundestag noch das deutsche Volk zu befragen, für diktatorisch gehalten habe." Lanz gab sich nicht zufrieden: "Sie wissen doch ganz genau, was die Verrohung der Sprache und das Zündeln genau an dieser Ecke bewirken kann. Warum tun sie das?" Gauland zeigte sich empört: "Herr Lanz, ich habe es ihnen gerade erklärt, Entschuldigung." Wieder schaltete sich Alexander ein und erklärte dem Publikum, was vor vier Jahren im Parlament passiert ist. Es war ein demokratisches Verfahren, und keine Diktatur, als Merkels Flüchtlingspolitik parteiübergreifend abgesegnet wurde.  

Danach gab es zu dem Thema nicht mehr viel zu sagen.

Quelle: ZDF Mediathek

tis