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Nachlassendes Impftempo Merkel spricht sich klar gegen Impfpflicht wie in Frankreich aus

Merkel: "Wollen keine Impfpflicht" – und tun alles, um neuen Lockdown zu verhindern
Sehen Sie im Video: Merkel – "Wollen keine Impflicht" und tun alles, um neuen Lockdown zu verhindern.




O-Ton Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin: "Wir haben, glücklicherweise muss man sagen, eine veränderte Lage. Denn das Impfen wirkt, und wir merken das deshalb natürlich die Zahl der Fälle nicht mehr so verbunden ist mit den schwierigen Verläufen und mit den Intensivbetten-Belegungen, wie das früher der Fall war. Das hat zum Teil zu einer Diskussion geführt, ob die Inzidenz dann noch wichtig ist. Da sage ich, natürlich ist sie wichtig, denn man wird auch in Zukunft aus der Fallzahl ableiten können, wie viel schwere Fälle es gibt. Aber die Korrelation, die Verbindung zwischen beiden Größen, ist durch das Impfen eine völlig andere geworden. Wie groß muss denn die Impfquote sein, damit wir auch mit dieser aggressiveren Variante klarkommen? Und da haben uns die Fachleute hier gesagt, dass wir 85 Prozent der 18- bis 59-Jährigen, 12 bis 59-Jährigen, 12 bis 59-Jährigen geimpft haben müssen sollten. Und 90 Prozent der über 60-Jährigen. Dann ist der Anstieg beherrschbar. Von diesen Impfquoten sind wir noch weit entfernt. Wir tun natürlich alles, um das zu verhindern. Und dazu gehört, dass wir ganz klar sagen, auch bei hohen Impfquoten weiter die Aha-Regeln einhalten und das Lüften. Das Testen sollte seine Bedeutung behalten. Wir brauchen gerade in den Schulen mit Sicherheit im Herbst auch weiter das Testen. Im Augenblick haben wir gesagt, wir wollen keine Impfpflicht, sondern wir werben für das Impfen. Und insofern muss man mit Maßnahmen, die so eine indirekte Impfpflicht sind, natürlich auch gut überlegen. Aber die nächsten Wochen gelten erst einmal dem Werben, so wie der Bundesgesundheitsminister das gesagt hat. Und dann diskutieren wir weiter."
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In Deutschland nehmen die Sorgen zu, dass sich nicht genügend Menschen impfen lassen. Kanzlerin Merkel spricht sich dennoch klar gegen eine Impfpflicht aus – wirbt aber leidenschaftlich für den Piks.

Könnte es eine Impfpflicht in Deutschland geben, wie Frankreich sie für bestimmte Berufe anvisiert? Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist so etwas hierzulande nicht geplant. "Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen, den Frankreich vorgeschlagen hat. Wir haben gesagt, es wird keine Impflicht geben", sagte Merkel am Dienstag nach einem Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, in Berlin.

Sie glaube nicht, dass durch eine Veränderung dieser Aussage Vertrauen gewonnen werden könne, so die Kanzlerin. Das könne man gewinnen, indem man für das Impfen werbe. Auch in Deutschland gibt es derzeit Sorgen wegen möglicherweise nachlassender Impfbereitschaft in der Bevölkerung. 

Angela Merkel: Mehr Freiheit durch mehr Impfungen

Manchem möge eine Impfung überflüssig oder bedrohlich erscheinen. "Und deshalb sage ich allen, die noch unsicher sind, ob sie sich impfen lassen sollen: Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jemandem, dem Sie nahe stehen, der Ihnen wichtig ist, den Sie lieben", betonte Merkel. Eine Impfung bewahre nicht nur vor schwerer Krankheit, sondern auch vor den belastenden Beschränkungen des Alltags. "Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein, umso freier können wir wieder leben."

Merkel und Spahn hatten sich zuvor bei einem Besuch des RKI mit Wieler ausgetauscht. Dabei ging es unter anderem um den Einfluss der Impfungen auf den Pandemieverlauf vor dem Hintergrund wieder steigender Infektionszahlen durch die Deltavariante des Coronavirus.

Nach Aussage von Fachleuten müssten in Deutschland Impfquoten von 85 Prozent unter den der Zwölf- bis 59-Jährigen erreicht werden, sagte Merkel nach dem fachlichen Austausch mit der zuständigen Bundesbehörden. Bei den Über-60-Jährigen müsse die Quote bei 90 Prozent liegen, um angesichts der Verbreitung der Deltavariante einen neuerlichen starken Anstieg der Fallzahlen zu vermeiden, fügte sie an. Davon sei Deutschland aber "noch weit entfernt".

Impfpflicht für Personal im Gesundheitsbereich in Frankreich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Montagabend eine Impfpflicht für Personal im Gesundheitsbereich verkündet. Bis Mitte September haben Angestellte in Krankenhäusern und Pflegeheimen nun Zeit, sich impfen zu lassen. Laut Gesundheitsminister Olivier Véran dürfen Ungeimpfte danach nicht mehr arbeiten und werden nicht mehr bezahlt.

Nach den Worten von Gesundheitsminister Spahn schließt die Bundesregierung nicht aus, dass die bisher kostenlosen Corona-Tests in Deutschland für Ungeimpfte langfristig kostenpflichtig werden. Noch sei man in einer Phase des Überzeugens, in einer späteren Phase könne man darüber sicherlich nachdenken, sagte Spahn nach den Gesprächen mit Merkel und Wieler. "Für Deutschland sehe ich das jetzt noch nicht, aber ich will auch nicht ausschließen, dass man mal in diese Situation hineinkommt."

ab DPA AFP

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