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Messerangriff auf Kölner OB-Kandidatin: Attentäter soll früher in Neonazi-Szene aktiv gewesen sein

Der Mann, der die Kölner Bürgermeisterkandidatin Henriette Reker niederstach, hat Fremdenfeindlichkeit als Motiv angegeben. Laut einem Medienbericht hatte er früher Kontakte zur rechtsextremen FAP.

Polizisten am Taort in Köln

"Ich musste es tun. Ich schütze euch alle". Polizistinnen am Tatort in Köln-Braunsfeld

Der mutmaßliche Messer-Attentäter von Köln hat nach einem Bericht von "Spiegel online" vor Jahren Kontakte in die rechtsextremen Szene gehabt. Demnach soll sich der aus Bonn stammende Mann Anfang der 90er Jahre in den Reihen der später verbotenen rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) engagiert haben, berichtete die Nachrichtenseite. Sowohl 1993 als auch 1994 habe der mutmaßliche Täter offenbar an Rudolf-Hess-Gedenkmärschen in Fulda und Luxemburg teil. Die FAP galt als besonders aggressive Neonazi-Partei, aus deren Reihen auch rassistische Gewalttaten verübt wurden.

In seiner Vernehmung soll der 44-Jährige ausgesagt haben, er sei vor 20 Jahren in der rechten Szene aktiv gewesen, seither aber nicht mehr. Zuletzt sei er jedoch mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen, wie aus den Behörden verlautete. 

Der Verdächtige hat am Samstag einen Tag vor der Oberbürgermeister-Wahl die parteilose Kandidatin Henriette Reker an einem CDU-Wahlkampfstand niedergestochen. Er wurde noch am Tatort in Köln-Braunsfeld festgenommen. Nach Polizeiangaben nannte er Fremdenfeindlichkeit als Motiv.

"Ich schütze Euch alle"

Am Tatort war es am Morgen zu dramatischen Szenen gekommen. Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der Augenzeuge des Angriffs war, sagte der "Rheinischen Post", vor dem Angriff habe der Mann gerufen: "Ich rette Messias. Das ist alles falsch, was hier läuft, ich befreie Euch von solchen Leuten." Nach der Attacke sei er dann ganz ruhig stehengeblieben und habe gesagt: "Ich musste es tun. Ich schütze euch alle."

Ein Beamter der Bundespolizei, der in seiner Freizeit auf dem Markt war, griff laut Polizei als erster ein und überwältigte den mit zwei Messern bewaffneten Attentäter. Neben Reker wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger verletzt. Reker und eine weitere schwer verletzte Frau wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Zum jetztigen Zeitpunkt schließen die Ermittler eine psychische Störung bei dem Mann nicht aus. Die Sicherheitsbehörden konnten den Verdächtigen dem Bericht zufolge in ihren Datenbeständen bislang nicht finden. "Wir haben keine Erkenntnisse zu seiner Person", sagte Kölns Kripo-Chef Norbert Wagner. Die OB-Wahl findet trotz des Attentats am Sonntag statt.

tis / AFP
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