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Mitgliederschwund bei den Parteien: Immer weniger und immer älter

Der Mitgliederschwund bei den Parteien geht munter weiter. Mit einer Ausnahme: den Grünen. Vor allem die CDU muss sich Sorgen machen. Erstmals seit 2000 sind ihre Verluste größer als die der SPD. Bei FDP und Linken gab es besonders viele Austritte.

Die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP haben im letzten Jahr überdurchschnittlich viele Mitglieder verloren. Erstmals seit zehn Jahren waren bei der CDU die Verluste wieder größer als bei der SPD. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Untersuchung des Parteienforschers Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin über die Entwicklung der Bundestagsparteien hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Größter Verlierer waren aber die Linken. Als einzige Partei zulegen konnten die Grünen.

Die Zahl der CDU-Mitglieder sank der Studie zufolge 2010 um drei Prozent auf rund 505 000. Bei der SPD betrug der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zwei Prozent auf 502 000. Inzwischen sind beide Parteien unter die 500 000er-Marke gerutscht. Die FDP verlor sogar fünf Prozent und hatte Ende des abgelaufenen Jahres noch 68 541 Mitglieder. Die CSU sank um 3,3 Prozent auf 153 890. Am stärksten verlor die Linkspartei mit einem Minus von 5,6 Prozent auf 73 658 Mitglieder. Einziger Gewinner waren die Grünen mit einem Plus von zehn Prozent auf fast 53 000.

In absoluten Zahlen musste die CDU 2010 die meisten Austritte verkraften. 18 624 oder 3,6 Prozent der Mitglieder gaben ihr Parteibuch zurück. Prozentual lag die Zahl der Austritte mit 7,7 Prozent (5533) bei der FDP noch um einiges höher. Bei der SPD verließen 2,8 Prozent (14 528) der Mitglieder die Partei. Bei der CSU waren es 2,9 und bei den Grünen 2,5 Prozent. Den Negativrekord verzeichneten auch bei den Austritten die Linken mit einem Minus von 8,8 Prozent. Hinzu kamen noch die Todesfälle (zwischen 0,3 und 1,9 Prozent je nach Partei).

Nach der Linken weist die CDU auch die größte Überalterung auf. Fast 38 Prozent der CDU-Mitglieder sind 66 Jahre oder älter. Bei der Linken sind dies 41 Prozent. Die Werte für die übrigen Parteien: CSU 35,2, SPD 35,0, FDP 23,4 und Grüne lediglich 6,5 Prozent.

Auch der Anteil der Jüngeren ist bei der Union besonders gering. Bei der CSU sind lediglich 4,7 und bei der CDU 6,1 Prozent unter 30 - ähnlich wie bei den Linken (5,6 Prozent). Bei der SPD liegt der Anteil in dieser Altersgruppe bei 7,4, bei den Grünen bei 8,3 und bei der FDP bei 12,6 Prozent. Das Durchschnittsalter der Mitglieder ist bei der Linken mit 60 Jahren am höchsten, gefolgt von CDU, CSU und SPD mit jeweils 58. Das FDP-Mitglied ist durchschnittlich 51 Jahre alt, das der Grünen immerhin auch schon 46.

Mit fast 74 Prozent hat in den letzten 20 Jahren die Linkspartei nach der Untersuchung, die auf einer Auswertung der Parteikarteien basiert, am meisten an Mitgliedern verloren, gefolgt von FDP (- 59,3 Prozent), SPD (- 46,8 Prozent) und CDU (-36,0 Prozent). Im Vergleich dazu eher gering waren die CSU-Verluste seit 1990 mit 17,4 Prozent. Über einen Zuwachs von 28,3 Prozent konnten sich die Grünen freuen. Mit ihren gut 50 000 Mitgliedern sind sie aber, gemessen an der Organisationsstärke, immer noch fast zehnmal so klein wie CDU und SPD.

Bei den Neueintritten im vergangenen Jahr schnitt die SPD überraschend gut bei den Jüngeren ab. Über 43 Prozent der 13 000 neuen Mitglieder waren 30 oder jünger. Von den 7000 Neu-Mitgliedern bei den Grünen waren dies 33,7, von den 13 000 Neueingetretenen der CDU knapp 32 Prozent.

In Ostdeutschland verlor die CDU seit 1990 zwei Drittel ihrer Mitglieder. Im Westen lag ihr Netto-Verlust bei fast 30 Prozent. Umgekehrt war dies bei den Sozialdemokraten. Auf geringem Niveau ging im Osten die Zahl der Mitglieder nur um vier Prozent zurück, im Westen waren es dagegen fast 48 Prozent.

Die beiden derzeitigen Regierungsparteien im Bund kommen auch auf den geringsten Frauenanteil bei den Mitgliedern. Bei der CDU lag er 2010 bei 25,6, bei der FDP bei 22,8 und bei der CSU nur bei 19,1 Prozent. In der SPD sind dagegen über 31 Prozent der Mitglieder weiblich, bei Linken und Grünen sogar über 37 Prozent.

DPA / DPA