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Nach Razzia "Frusterfahrung ist sehr gefährlich": Experte warnt vor Radikalisierung in der Reichsbürgerszene

Sehen Sie im Video: Rechtsextremismus-Experte warnt vor Verharmlosung der Reichsbürgerszene.






Nach der Razzia im Reichsbürgermilieu und der Festnahme von mehreren Personen am Mittwoch warnen Fachleute in Deutschland davor, die Radikalisierung in der Szene zu unterschätzen. MIRO DITTRICH, RECHTSEXTREMISMUS-EXPERTE BEIM CENTER FÜR MONITORING, ANALYSE UND STRATEGIE (CEMAS): "Sehr lange wurden diese Reichsbürger nur als verrückte Spinner wahrgenommen und nicht ernst genommen in ihrem Weltbild. Wir haben immer wieder gesehen, dass - etwa bei Räumungstiteln es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. Ich hoffe, dass dieser erneute Plan, der jetzt ja in der Größe aufgedeckt wurde, dass das den Sicherheitsbehörden klargemacht hat, welche Bedrohung hier von diesen Reichsbürgern ausgeht, und dass diese Leute nicht mehr weiter ungehindert wachsen können, sondern dass hier jetzt tatsächlich mal vorgegangen wird." Besorgniserregend sei vor allem die Zahl der Personen aus Bundeswehr, Polizei und Justiz, die offenbar für das Gedankengut der Reichsbürger empfänglich seien, sagte Dittrich. "Natürlich erleben wir die Reichsbürgerszene gerade in einer sehr - in einer Frusterfahrung. Das heißt eine Weile (in) der Pandemie dachten sie, jetzt gäbe es den großen Aufstand, die Mehrheit der Deutschen steht irgendwie hinter ihnen und jetzt würde man mit friedlichen Mitteln das System wechseln können. Diese Frusterfahrung, dass das jetzt nicht so läuft, ist jetzt eine sehr gefährliche. Denn jetzt sind die Leute, die tatsächlich an diese Erzählungen glauben, dieser entradikalisierte Teil erkennt, dass sie ihre Weltänderungen nur durch Gewalt durchsetzen können." Das am Mittwoch zerschlagene Netzwerk hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft einen Umsturz in Deutschland und einen bewaffneten Überfall auf den Bundestag geplant. Zudem fanden die Ermittler Listen mit Namen von Prominenten und Politikern, darunter Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sowie der CDU-Politiker Armin Laschet. Bei der Razzia waren 25 Personen als Mitglieder oder Unterstützer einer mutmaßlich terroristischen Vereinigung festgenommen worden. Von den 25 Verdächtigen sind aktuell 19 in Untersuchungshaft.
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Nach der Razzia im Reichsbürger-Milieu verweist der Rechtsextremismus-Experte Miro Dittrich auf die Gewaltbereitschaft in Teilen der Szene. Vor allem bereiten ihm die Reichsbürger-Sympathisanten in Bundeswehr, Polizei und Justiz Sorge.

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