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Olaf Scholz: Der Fehlgriff

Seiner Aufgabe, die Politik der Partei nach außen so gut wie möglich zu verkaufen, ist der zurückgetretene SPD-Generalsekretär Scholz von Anfang an nicht gewachsen gewesen.

Nicht nur die anderen Parteien, auch seine Genossen fanden immer wieder Kritik an der Amtsführung von SPD-Generalsekretär Olaf Scholz. Viele an der SPD-Basis kritisierten vor allem, dass er die notwendigen Reformschritte nicht vermitteln könne.

Unglückliche Aussagen

Bereits wenige Wochen nach seiner Wahl am 20. Oktober 2002 schlug seine Aussage, die SPD soll die "Lufthoheit über die Kinderbetten erobern", hohe Wellen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verurteilte die Einstellung, die dahinter stecke, als "rücksichtslos und zynisch" gegenüber Familien.

Geringe Integrationskraft

Die meiste Kritik musste der ehrgeizige Hamburger aber im Frühjahr 2003 in der Diskussion um die "Agenda 2010" von der eigenen Partei einstecken. Besonders aus dem konservativen SPD-Lager war Scholz vorgeworfen worden, er habe in dem Reformstreit nicht gebührend vermittelt und die Reformen nicht deutlich erklären können. Scholz selbst sprach mit Blick auf die Kritik an seiner Person schlicht vom "Berufsrisiko", mit dem man in schwierigen Situationen zu rechnen habe.

Nur knapp über 50 Prozent bei Wiederwahl

Eine deutliche Abfuhr für seine geringe Integrationskraft erhielt Scholz, der immer wieder mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wurde, auf dem Bochumer Parteitag im November 2003 - gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt. Er wurde mit nur 52,6 Prozent der Stimmen wiedergewählt. 2002 waren es noch 91,3 Prozent.

Im Januar 2004 musste Scholz dann Kritik aus den eigenen Reihen für sein Innovationspapier einstecken. Das Papier sei "oberflächlich" und "unzulänglich", hieß es. Auch seine Äußerungen zu Elite- Universitäten wurden kritisiert. Einen knappen Monat später fällt in der Parteispitze die Entscheidung, dass Scholz gehen muss.