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Papst-Rede im Bundestag: SPD-Fraktionsspitze lehnt Boykott ab

Die SPD-Fraktionsspitze sieht keine Gefährdung der Neutralität des Staates durch eine Rede des Papstes im Bundestag. Einen Boykott der Rede wies sie daher scharf zurück.

Die SPD-Fraktionsspitze hat den Aufruf aus den eigenen Reihen zum Boykott des Auftritts von Papst Benedikt XVI. im Bundestag scharf zurückgewiesen. "Er wird im Bundestag keinen Gottesdienst abhalten, sondern über aktuelle weltpolitische Fragen sprechen", sagte der Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, der "Bild am Sonntag". Durch die Rede am 22. September werde die religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates in keiner Weise in Frage gestellt.

Die "Rheinische Post" hatte am Samstag berichtet, dass der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz in einem an seine Fraktionskollegen geschickten Papier den Boykott der Rede gefordert habe. Demnach begründete Schwanitz den Boykott damit, dass die Rede mit dem "Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar" sei. Der Bundestag werde als "schmückendes Beiwerk missbraucht", das Parlament sei aber kein Ort der "religiösen Missionierung".

Nach Ansicht von Schwanitz hält eine Mehrheit der Deutschen den Papst für "verdammungswürdig". Er sei der "letzte absolute Monarch" in Europa und trage Mitschuld "an der bisher global nicht gestoppten Aids-Epidemie sowie an der Unterdrückung, Ausbeutung und Stigmatisierung von Millionen Menschen", hieß es in dem der "Rheinischen Post" vorliegenden Papier weiter.

cas/AFP / AFP