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Paul Nolte-Interview: "Krise der Demokratie ist eine Klassenfrage"

Hamburg - "Die Krise der Demokratie entwickelt sich zu einer Klassenfrage", so Paul Nolte, Geschichtsprofessor an der International University Bremen in einem Interview mit dem stern. Alle Umfragen, so Nolte, zeigten, dass das Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen am stärksten in der Unterschicht verloren geht. Menschen mit niedriger Bildung wählen häufiger nicht oder rechtsradikal. Nolte: "Der untere Rand der Gesellschaft ist dabei, sich aus der Demokratie zu verabschieden." Zu beobachten sei außerdem "eine Tendenz der Oberschicht, die Arbeit in der Gesellschaft den mittleren Schichten zu überlassen". Demokratie bröckele also nicht am rechten oder linken Rand der Gesellschaft, sondern oben und unten. Problematisch sei außerdem, so Nolte im stern, dass die derzeitigen Parteien nicht mehr die politischen Lager abbilden. Der eine Teil der Bürger wünscht sich entschiedene Reformen, der andere Teil will genau diese Reformen verhindern. "Nur gibt es für keines der Lager eine Partei, denn dieser Kulturkampf findet in jeder der großen Parteien statt", sagt Nolte.

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