Petra Erler Die steile Karriere der Kabinettschefin


Mit einem Schlag ist die neue Kabinettschefin von EU-Kommissar Günter Verheugen prominent. Doch das hat Petra Erler weniger ihrem politischen Geschick zu verdanken. Die Vorwürfe einer privaten Liaison scheinen an ihr nicht spurlos abzuprallen.
Von Wolfgang Proissl

Vor einigen Wochen zog Petra Erler an ihrer Zigarette, Marke Eve 120, und schwieg lange. Dann wurde die Kabinettschefin von EU-Industriekommissar Günter Verheugen sehr deutlich: Unterstellungen, eine private Beziehung zu ihrem Chef habe den Ausschlag für ihre Ernennung gegeben, hält sie für eine Beleidigung ihrer Intelligenz. Die 48-jährige Kommissionsmitarbeiterin habe, so machte sie klar, nicht die DDR überstanden, um sich von der EU-Gerüchteküche kaputt kochen zu lassen.

Erler bekleidet Schlüsselposition

Seit April leitet die Frau mit den langen pechschwarzen Haaren den kleinen Stab von sechs persönlichen Mitarbeitern des mächtigsten Deutschen in der Brüsseler Behörde. Fast alle Gesetzesvorhaben und politischen Initiativen der Kommission werden montags von ihr und ihren Kollegen beschlossen, ehe sie mittwochs von den 25 Kommissaren oft nur noch abgenickt werden. Erler bekleidet damit eine Schlüsselposition in Europas einflussreicher Exekutivbehörde.

Doch einer breiten Öffentlichkeit wurde sie erst in den vergangenen Tagen bekannt. Ein Bild Erlers und Verheugens, Arm in Arm beim gemeinsamen Sommerurlaub in Litauen, prangte am Mittwoch auf der Titelseite von "Bild" - darunter die Schlagzeile: "Stürzt SPD-Politiker über diese Frau?" Veröffentlicht wurde das Foto mit dem Einverständnis beider im August in der litauischen Zeitung "Lietuvos Rytas".

Aktuell wollte sich die Kabinettschefin zu der Sache am Mittwoch nicht äußern. Dahinter steht ihre Überzeugung, in der Sache sei bereits alles gesagt. Es habe keine Beziehung bestanden, die über eine persönliche Freundschaft hinausgehe, stellte Verheugen am Montag klar. Das gelte auch noch für heute. Urlaube seien "eine reine Privatangelegenheit". Kritiker hingegen deuten Interessenkonflikte an. Mit ihrer Ernennung habe Erler auch eine deutliche Gehaltserhöhung bekommen.

Verheugen vertraut ihr blind

Für den Kommissar gab bei seiner Wahl für den Kabinettschefposten den Ausschlag, dass Erler ihn kennt wie nur wenige und er ihr blind vertraut. Die Thüringerin arbeitet für Verheugen, seit dieser ab 1999 als Erweiterungskommissar den Beitritt der zehn EU-Neumitglieder managte. Die promovierte Ökonomin, die nach dem Mauerfall gemeinsam mit der jetzigen Kanzlerin Angela Merkel in der letzten DDR-Regierung von Lothar de Maizière arbeitete, hat sich bei vielen Osteuropäern einen Namen als kompetente und entschlossene Verhandlungspartnerin gemacht.

In der Kommission ist Erler heute die einflussreichste Ostdeutsche. In der Brüsseler Beamtenwelt, die stark von der Kultur französischer oder britischer Elitehochschulabsolventen geprägt ist, wirkt die Frau mit den wallenden Wollmänteln und den bunten Blusen immer ein wenig exotisch.

Etwas Restdistanz hat sie zum EU-Apparat bis heute bewahrt. Sie ist nie Kommissionsbeamtin geworden. Verlässt sie Brüssel einmal, kehrt sie zurück in die Beamtenschaft des Landes Brandenburg.

FTD

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