HOME

Durchgesteckte Informationen: Wie Petra Hinz' politische Karriere beendet wurde

Die SPD-Politikerin Petra Hinz hat ihre fast 30-jährige politische Karriere auf einem erfundenen Lebenslauf aufgebaut. Nun trat sie zurück, weil alles aufflog - und zwar nicht zufällig.

Petra Hinz war 11 Jahre für die SPD im Bundestag

Petra Hinz war 11 Jahre für die SPD im Bundestag

Petra Hinz' politische Karriere ist beendet. Zu schwerwiegend ist die Lebenslauflüge, als dass sich die SPD-Frau davon nochmal erholen würde. Sie gab vor, ein mit zwei erfolgreichen Staatsexamina abgeschlossenes Jurastudium absolviert zu haben - dabei hatte sie nicht einmal Abitur. Fast 30 Jahre lebte sie die Lüge, baute ihre politische Karriere darauf auf. Sie schaffte es 2005 in den Bundestag, legte das Mandat nun nieder. Doch warum kommt die Geschichte erst jetzt heraus?

Klar ist: Die Informationen fanden nicht zufällig den Weg ans Tageslicht, sie wurden durchgesteckt. Bereits Ende Juni tauchte in der Essener SPD ein offener Brief auf. Der oder die anonymen Absender erhoben darin schwere Vorwürfe gegen Hinz. Sie habe jahrelang ihre Mitarbeiter unter schlimmen Bedingungen arbeiten lassen und gemobbt. Vom "An- und Abmelden für Toilettengänge" war etwa die Rede. Die Mitarbeiter sahen sich "irrsinnigen Schikanen" und "persönlichen Erniedrigungen" ausgesetzt. Viele hätten kündigen müssen, weil sie an die "Grenzen der psychischen Belastbarkeit" gebracht worden seien. Der offene Brief wurde auch an die Presse gegeben und sorgte für öffentlichen Druck auf Hinz, die die Vorwürfe vehement zurückwies.

"Informer" übte Druck auf Petra Hinz aus

Auch das Essener Stadtmagazin "Informer" wurde so auf den Fall aufmerksam. Redakteur Pascal Hesse bekam von mehreren Informanten aus den Reihen der SPD Hinweise, dass nicht nur die Mobbing-Vorwürfe zutreffend sein, sondern dass vielmehr auch der Lebenslauf von Hinz gefälscht sei, wie Hesse dem stern bestätigte. Auf seine Nachfragen habe die SPD-Politikerin "ausweichend" geantwortet und mehrfach auf online verfügbare Biografien verwiesen. Die erste Rückfrage bezüglich ihres Lebenslaufes stellte Hesse bereits am Freitag, den 15. Juli. Am folgenden Montag gab Hinz bekannt, nicht noch einmal für den Bundestag kandidieren zu wollen. Eigentlich hatte sie angekündigt, sich auch für die Wahl 2017 aufzustellen, um weitere vier Jahre als Bundestagsabgeordnete zu arbeiten. Nach ihrer öffentlichen Erklärung am Montag blieben weitere Nachfragen Hesses unbeantwortet. Am Dienstag, den 19. Juli, ließ sie dann über ihren Anwalt mitteilen, dass weite Teile ihres Lebenslaufes frei erfunden waren und legte wenig später ihr Mandat nieder.

Wer genau die Informationen an die Öffentlichkeit weitergeleitet hat, wird wahrscheinlich nie geklärt werden. Doch die Geschichte erweckt stark den Eindruck, als hätte jemand bewusst die politische Karriere von Hinz beenden wollen. In Essener Politkreisen sollen die Mobbingvorwürfe gegen die SPD-Frau ein offenes Geheimnis gewesen sein. Und auch die Lügen in ihrem Lebenslauf waren zumindest den Informanten bekannt. Doch wie konnte so ein großer Schwindel 30 Jahre geheim gehalten werden? Wer in der SPD wusste davon? Hätte diese Information jemand zu seinem Vorteil nutzen können? Hinz galt als einflussreich in der Essener SPD. Mit einer fundamentalen Lüge, auf der die gesamte Karriere fußt, wäre sie erpressbar gewesen. Noch sind viele Fragen offen. Hinz wird zumindest vorerst nicht zur Aufklärung beitragen. Sie ist erst einmal abgetaucht. 

Themen in diesem Artikel