VG-Wort Pixel

Plagiats-Affäre Guttenbergs Doktorarbeit gerät zur Farce


Die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nimmt immer absurdere Züge an, die Zahl der offenkundigen Schummeleien wächst und wächst.
Von Friederike Ott

Die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reißen nicht ab. Fast täglich kommen neue Schummeleien in seiner Doktorarbeit ans Licht. Die Dissertation des Verteidigungsministers wird von ganz Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt - und sie spaltet das Land. Die einen halten das Abschreiben für Peanuts, die anderen sehen in Guttenberg einen Lügner, der nicht mehr tragbar ist.

Die Vorwürfe gegen Guttenberg sind erdrückend: Es tauchen immer neue Fundstücke auf. Der Blog Guttenplagwiki listet mittlerweile Plagiate an mehr als 100 Stellen der Guttenberg'schen Doktorarbeit auf. Dem "Spiegel" zufolge hat er sich für seine Doktorarbeit sogar beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages bedient, was ihm zusätzliche politische Probleme einbringen dürfte. Außerdem soll er aus der Hausarbeit eines Studienanfängers an der Freien Universität Berlin abgekupfert haben.

Der Medienprofi wirkt nervös

Am Freitag hatte der Minister in der Plagiats-Affäre Fehler eingeräumt, zugleich aber betont, seine Doktorarbeit sei kein Plagiat. Die Universität Bayreuth hatte ihm eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Seinen Doktortitel wolle er bis zum Abschluss der Untersuchungen der Universität Bayreuth ruhen lassen. Der sonst so eloquente Medienprofi wirkte nervös und verhaspelte sich.

Mancher Oppositionspolitiker fordert jetzt gar Guttenbergs Rücktritt, und die Universitätslandschaft fürchtet um ihren guten Ruf. Dennoch scheint der CSU-Politiker noch immer enormen Rückhalt unter den Bürgern zu genießen: Gut zwei Drittel der Deutschen sprachen sich in einer Emnid-Umfrage für einen Verbleib von Guttenberg im Amt aus, 27 Prozent forderten seinen Rücktritt. In einer Extraausgabe des ARD DeutschlandTrends verneinten 74 Prozent die Frage, ob er sein Amt aufgeben sollte, für 22 Prozent ist das Maß dagegen voll.

"Schmieriger Typ, null authentisch"

So gibt es auch in Internetforen neben Sympathisanten böse Kommentare. Das wird auch auf der Diskussionsseite von stern.de auf Facebook deutlich, wo das Thema am Wochenende diskutiert wurde wie keines vor ihm. Es gibt Unterstützer wie Brigitte Lange, die schreibt: "Der Mann ist sympathisch und kommt einfach gut rüber. Das sind doch nur Peanuts." Und es gibt andere, für die das Abkupfern bei der Doktorarbeit ein Verbrechen ist, wie zum Beispiel Mel A. Nie, die schreibt: "Jeder, der in seiner Diss bescheißt, ist bei mir unten durch." Dann gibt es da noch die, die einfach nur draufhauen, wie Mark Us: "Schmieriger Typ, null authentisch, unsympathisch, weg damit!"

Im Internet tauchen zwar jeden Tag neue Spott-Videos und Karikaturen über den Minister auf. "Schummel cum Laude", "Dr. Copy und Paste" und "Googleberg" wird er dort genannt.

Aber auf der anderen Seite gibt es auf Facebook diverse Unterstützer-Profile, wie etwa "Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg", das in kürzester Zeit mehr als 85.000 Fans gewonnen hat. Tendenz: rasant steigend.

mit Agenturen

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker