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Plagiats-Verdacht: Uni Bayreuth kassiert Guttenbergs Doktortitel

Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister zu Guttenberg den Doktortitel aberkannt. Seine Arbeit verletze wissenschaftliche Regeln. Ob eine Täuschung vorliege, sagte die Uni (noch) nicht.

Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Doktortitel aberkannt. Das teilte Hochschulpräsident Rüdiger Bormann am Mittwochabend nach einer Sitzung der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit. Nach der Promotionsordnung musste ihm der Doktorgrad formell von dieser Fakultät aberkannt werden. Mit der unerwartet schnellen Entscheidung wollte die Universität offenbar einen Schlussstrich unter die - auch für sie peinliche - Plagiats-Affäre ziehen.

Zu Begründung der Aberkennung hieß es, Guttenberg habe wissenschaftliche Standards "objektiv nicht eingehalten", sagte Bormann. Man habe ihm die Entscheidung per Pressemitteilung mitgeteilt.

Mehr als 20 Stellen in Guttenbergs Arbeit hatten Wissenschaftler der Hochschule eingehend geprüft. Das Ergebnis sei eindeutig ausgefallen: Guttenberg habe "in erheblichem Umfang" gegen die Zitierpflichten verstoßen. Es sei "kein bloßer Bagatellfall", sagte der Ombudsmann der Uni, Diethelm Klippel.

Frage des Vorsatzes bisher nicht geklärt

Die wörtliche und sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, erläuterte Bormann. Nicht geklärt hat der Ausschuss die Frage, ob Guttenberg bewusst getäuscht hat. "Das wäre sicherlich ein längerer Prozess gewesen, das dezidiert nachzuweisen", sagte Bormann.

Die Universität habe darauf verzichtet, weil Guttenberg selbst um die Rücknahme seiner Dissertation gebeten habe. Wenn sich in solch einem strittigen Fall Einmütigkeit anbiete, werde der einfachere Weg und nicht der zeitlich längere gewählt, sagte Bormann. Dies sei so üblich.

Doch der Fall Guttenberg ist damit nicht zu den Akten gelegt. Eine wissenschaftliche Selbstkontroll-Kommission werde die umstrittene Doktorarbeit des Verteidigungsministers weiter untersuchen und dann über Konsequenzen beraten. Diese Prüfung könne sich allerdings noch eine ganze Weile hinziehen, so Bormann.

Merkel: Entscheidung richtig und logisch

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Entscheidung der Universität als richtig und logisch. Sie liege "auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat. Sie macht daher Sinn." Das Votum zeige, dass zu Guttenberg mit seiner Selbsteinschätzung richtig liege.

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz warf der Universität Halbherzigkeit vor. "Die Universität Bayreuth kneift, denn sie verzichtet darauf zu prüfen, ob eine bewusste Täuschung vorliegt - und das trotz massivster Anhaltspunkte", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Damit macht sie sich die Argumentation Guttenbergs zu eigen und erleichtert ihm das politische Überleben. Das ist nicht in Ordnung." Das Verfahren sei "zu billig".

dpa/AFP