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Guttenberg legt Doktortitel ab: Dr. Münchhausen geht in Klausur

Guttenberg hat sich übers Wochenende seine Doktorarbeit angeschaut. Und naja. War nicht so toll. Jetzt will er den Titel zurückgeben. Ein Lügenbaron auf der Suche nach Wahrheit?

Von Lutz Kinkel

Kelkheim. Das ist der Place to be. Wer es noch nicht wusste, weiß es jetzt. Jedenfalls suchte sich Karl-Theodor zu Guttenberg Kelkheim aus, um ein Geständnis abzulegen. Die Doktorarbeit ... nun ... war halt nicht so toll. Er werde den Titel nicht mehr führen. Sorry. War halt nur so eine Idee.

Wie bitte? Am Mittwoch vergangener Woche nannte Dr. Googleberg die Vorwürfe gegen ihn noch "abstrus". Am Freitag räumte er "Fehler" ein. Sagte aber: "Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft anderer nicht kenntlich gemacht". Nun ist alles anders. Guttenberg bat die Uni Bayreuth am Montag sogar ausdrücklich, ihm den Titel abzuerkennen. Zugleich erhielt er in Abwesenheit – und das ist kein Witz – den Orden wider den tierischen Ernst. Passt ja.

Am Montagmittag noch, nach der CDU-Präsidiumssitzung, hat Kanzlerin Angela Merkel die ulkigsten intellektuellen Verrenkungen gemacht, um sich mit Guttenberg solidarisch zu erklären. Sie habe ihn ja nicht als "wissenschaftlichen Assistenten" eingestellt, sondern als Verteidigungsminister. Und diese Arbeit mache er hervorragend. So müsste sie es der Fairness halber auch formulieren, wenn sich einer ihrer Minister als Steuerhinterzieher entpuppt. Oder als Prügelpapi. Ich habe ihn ja nicht als Kindermädchen eingestellt, seine Arbeit als ...

Es gab seit jeher Zweifel an dem Mann

Nein, es ist alles Unsinn. Guttenberg ist ein Blender. Er hat die Uni getäuscht, die Öffentlichkeit getäuscht, seine Parteifreunde getäuscht. Er hat sich einen Doktortitel erschwindelt und seinen Lebenslauf geschönt. Praktika als "berufliche Stationen" ausgegeben, eine Mitgliedschaft in einem Aufsichtsrat, die offenbar nur auf dem Papier bestand, als Ausweis seiner Wirtschaftskompetenz ausgegeben. Wer soll ihm noch ein Wort glauben?

Es gab seit jeher Zweifel an dem Mann. Zu glatt seine Auftritte, zu viel Gel im Haar, zu viel Posing, zu wenig Ernsthaftigkeit. Lief es nicht die ganze Zeit so? Als Wirtschaftsminister hat er bei der Debatte um die Opel-Subventionen seinen Rücktritt angeboten – und danach einfach weitergemacht. Den Luftangriff von Kundus nannte er erst angemessen, dann unangemessen. Den Kapitän der Gorch Fock nahm er in Schutz, dann feuerte er ihn. Die Wehrpflicht erklärte er für heilig, dann schaffte er sie ab. Sparen wollte er bei der Bundeswehr, jetzt heißt es, das sei unmöglich. Forsch voran, und forsch zurück. Hin und her. Doktor gehabt, Doktor weg.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will auf seinen Doktortitel verzichten. Ist er damit aus dem Schneider?

Doktorvater bis auf die Knochen blamiert

Und natürlich: Was kümmern einen Guttenberg Kompromisse, Absprachen, ja das Recht an sich? Den Doktortitel kann nur eine Universität verleihen, und nur eine Universität kann ihn wieder aberkennen. Das Verfahren läuft noch. Aber Guttenberg will nicht über sich urteilen lassen, er will die Dinge selbst in die Hand nehmen, er will in der Vorhand bleiben. Seinen Doktorvater, Professor Dr. Dr. h. c. mult. Peter Häberle, der Guttenberg noch in der Krise verteidigte, hat er mit diesem Auftritt bis auf die Knochen blamiert. Ja, aber wer kann schon Rücksicht nehmen, wo Weltgeschichte gemacht wird. Der Kairos! Auch Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn standen mal im Wege.

Genug der Show. Guttenbergs Glaubwürdigkeit ist hin. Selbst wenn ihn die CDU aus taktischen Gründen im Amt hält – es ist nichts mehr. Und es wird nichts mehr. Bye, bye KT.